Im Betriebsamt tropft der Regen

Von: Jürgen Lange
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Die „Villa” des Betriebsamtes: Durch nahezu jede Dichtfuge rinnt der Regen in das Gebäude, die Fassade zieht das Wasser auf wie ein Schwamm. Die Außenhaut muss komplett saniert werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Es sollte auch ein Sinnbild für den Neuanfang des Technischen Betriebsamtes als ein „vitaler Stadtbetrieb” sein, nachdem in den Vorjahren Diskussionen um eine Privatisierung, Leistungsfähigkeit und Krankenstand des Bauhofes alter Prägung die Debatten im Stadtrat bestimmt hatten.

Als am 17.Dezember 2001 der damalige Bürgermeister Hans-Josef Siebertz die überdimensionalen Schlüssel zum neuen Verwaltungssitz des Technischen Betriebsamtes (TBA) an der Mausbacher Industriestraße an Amtsleiter Georg Paulus überreichte, war die Vorfreude auf aktuellen Standards entsprechende Arbeitsbedingungen groß.

An allen Ecken und Wänden

Sie sollte keine zehn Jahre währen: Heute rinnt der Regen an allen Ecken und Wänden in das Gebäude, Mitarbeiter stellen Eimer auf und neben ihre Schreibtische, dichten Fenster mit Plastiktüten ab. Der Sitz des Betriebsamtes ist alles andere als vital. Er muss saniert werden; die Kosten dafür werden auf rund 300.000 Euro geschätzt.

„Wer das Flachdach betritt, glaubt über ein Wasserbett zu gehen”, beschreibt Andreas Pickhardt ein mulmiges Gefühl, das der Fachbereichsleiter jüngst mit Mitgliedern des Bauausschusses bei einer Ortsbesichtigung an der Industriestraße teilten. Mulmig wie beim Betreten einer verwunschenen „Villa”, wie der TBA-Sitz intern genannt wird. Viel Glück scheint das in mehreren Etappen errichtete Gebäude seinen Besitzern jedenfalls nicht gebracht zu haben.

Aus dem Insolvenzverfahren einer Bauunternehmung heraus erwarb die Stadt im Oktober 1999 zwei Immobilien mit insgesamt rund 6400 Quadratmeter per dringlicher Entscheidung kurz vor dem geplanten Termin zur Zwangsversteigerung. Dabei übersah der Rat, dass der Tipp dazu von einem Makler kam. Ein paar Wochen später landete die Rechnung über 60.000 Mark (30.678 Euro) Courtage im Rathaus, die angesichts eines wenig Erfolg versprechenden Rechtstreits bezahlt wurden.

Zwei Mal 0,3 Millionen Euro

Rund 3,5 Millionen Mark (1,79 Millionen Euro) wurden in die Umgestaltung des Betriebshofes an zwei Standorten an der Industriestraße investiert, um ihn zukunftssicher aufzustellen. Während die neuen Strukturen heute als organisatorisch gelungen gelten, ist den Gebäuden an beiden Standorten die Vitalität offensichtlich versagt geblieben. Denn die Verwaltungs-Villa „weist erhebliche Mängel auf”, die Hochbauamtsleiter Ulrich Coopmann auf eine „mangelhafte Konstruktion” zurückführt.

Die Schäden durch Feuchtigkeit seien in verschiedenen Ursachen begründet, „und nur die Beseitigung aller Mängel führt zu einem befriedigenden Ergebnis.” Die Mängel würden die komplette Außenhülle des Gebäudes betreffen, wobei „insbesondere die Anschlüsse der Bauteile untereinander überwiegend nicht entsprechend der anerkannten Regeln der Bautechnik” hergestellt sind.

Neben einer Abdichtung der Übergänge im Baukörper wird wohl die komplette Fassade erneuert werden müssen. Dort platzt nicht nur einfach die Farbe ab, sondern die Kalksandsteine saugen Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm. Zunächst soll der Hauptausschuss auf seiner Sitzung am 12.April die erwarteten 300.000 Euro Sanierungskosten bereitstellen und der Bauausschuss auf seiner Sitzung einen Tag später erst einmal einen Architekten mit der Planung beauftragen.

Zukunftsfähiges Nutzungskonzept

Dies soll auch für den zweiten TBA-Standort an der Industriestraße erfolgen, für das gleich ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept in Absprache mit der Amtsleitung erstellt werden soll. Dort ist die Dachkonstruktion von Anbauten an einer ehemaligen Lagerhalle eines Möbelunternehmens so marode, dass sie einsturzgefährdet sind. Während der vergangenen schneereichen Wochen sorgte ein Wald aus Abstützbalken für die erforderliche Sicherheit in den als Sanitär- und Lagerräumen genutzten Anbauten, die ebenfalls nicht regensicher sind.

Der Standort selbst stammt noch aus den Zeiten der kommunalen Neugliederung (1972), die Anbauten waren von früheren Bauhof-Mitarbeitern mit einfachen Mitteln für ihre Zwecke hergerichtet worden. Vor zehn Jahren wurden zwei Salzsilos dort neu aufgestellt. Im Zuge der Sanierung soll nun auch über eine Neuorganisation der Funktionsbereiche des Bauhofs entsprechend der heutigen Anforderungen nachgedacht werden. Zunächst einmal hat die Verwaltung 30.000 Euro für die Planung angemeldet.
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