Illegaler Drogenhandel: Angeklagter gesteht sein Vergehen ein

Von: Jürgen Lange
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Stolberg. Der „Rubicon” wurde am Freitag zwar von dem nun umfassend geständigen Angeklagten wie einst von Caesar überschritten, aber die Verteidigung ist anders als der damalige Konsul noch nicht in „Rom” angekommen.

Die Einlassungen der beiden Angeklagten vor der 1. großen Strafkammer sind mittlerweile aber so weit gediehen, dass sich Richter, Verteidiger und Staatsanwalt am Freitag zurückzogen, um eine Verständigung zur Abkürzung des auf insgesamt 20 Tage angesetzten Verfahrens zu erreichen, in dessen Rahmen eigentlich 120 Zeugen gehört werden sollten.

Während die Verteidiger Jutta Frommhold und Manfred Dickau für ihren zuletzt in Stolberg wohnenden Mandanten - er ist bereits wegen Drogenhandels zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und geständig - mit Anklage und Kammer offensichtlich den Weg zu einer Einigung gefunden zu haben scheinen, hängt diese bei dem 43-jährigen Aachener noch von dessen Erörterung mit seiner Ehefrau ab. Gelingt eine solche in der Strafprozessordnung vorgesehene Absprache, dürfte das Verfahren in der kommenden Woche mit den Urteilen beendet werden können.

Zuvor hatte der nun redselige Angeklagte zum Vorwurf der Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmittel eingestanden, „ich verstehe jetzt ihre Rechtsauffassung; ich gestehe das ein”. Denn bis dato war der 43-Jährige davon ausgegangen, sich im Rahmen der Legalität zu bewegen. Er sei davon ausgegangen, durch den Vertrieb von Equipment nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen zu können; er sei auch immer bemüht gewesen, sich vom Drogenanbau zu distanzieren.

Eine Einschätzung die der Vorsitzende Richter bestätigte. „Ich kenne den Angeklagten aus den Akten schon lange, es gibt genug Leute, die sagen, dass er mit Drogen selbst nichts zu tun habe”, erklärte Arno Bormann.

Der Beschuldigte selbst hatte sich in seiner alten Einschätzung durch die Haltung von Behörden bestätigt gesehen. Nach einer früheren Verurteilung hatte die für ihn zuständige Führungsaufsicht ebenso wenig gegen das Betreiben seines „Gartencenters” eingewändet, wie Finanzamt oder Arbeitsagentur, die ihm sogar Mitarbeiter zugewiesen habe.

„Ich habe immer gedacht, ich sei auf der sicheren Seite”, führte der Angeklagte aus. „Jetzt mache ich mir Vorwürfe, dass ich meine unbedarften Angestellten sogar in die Gefahr gebracht habe, straffällig zu werden”.

Aus kleinen Anfängen hatte der Aachener ein florierendes Handelsunternehmen aufgebaut, mit dem er zuletzt in ein großes Lager in der Elgermühle in Stolberg expandiert war. „Ich hatte nur die geschäftliche Dynamik im Blick”, verwies er auf steigende Umsätze: 700.000 Euro waren es in 2004, bereits 1,3 Millionen Euro 2006 und bis zur Razzia vor zwei Jahren wurden gut 300.000 Euro im Monat umgesetzt.

Bestärkt worden in seiner Einschätzung, sei er auch durch die Teilnahme an offiziellen Messen, an denen selbst die Polizei teilnehme. Allein für die 9.Internationale Cannabis-Messe in Köln habe er 20.000 Euro in die Präsentation seines Geschäftes investiert. „Ich habe nur noch die Umsatzzahlen gesehen”, sagte der Aachener. Früher habe er auch Samen im Portfolio geführt; als sich die Gesetzeslage geändert habe, habe er ihn sofort aus dem Sortiment genommen, unterstrich der Angeklagte seinen Vorsatz, sich gesetzeskonform zu verhalten.

Ein gewisses Verständnis dafür brachte die Kammer auch zum Ausdruck. „Es sieht so aus, als würde das geduldet”, zeigte Arno Bormann allerdings kein Verständnis für die Gewerbeaufsicht, die selbst nach der Großrazzia nichts unternommen habe, um das Geschäft zu schließen. „Aber diese Art Handel ist strafbar und irgendwann muss man anfangen, ihn rechtlich aufzuarbeiten”, so der Vorsitzende Richter. „Auch wenn wir dabei die ersten sind, haben wir keine Angst, heiße Eisen anzupacken.”

Dazu gehört auch die Frage, in wie weit der Angeklagte Beratung zu Anbau und Verwertung geleistet habe. Laut Email- und Telefonüberwachung soll es sie gegeben haben. „Im Prinzip sollte es keine geben”, gestand der Beschuldigte ein. Lediglich eine Beratung zum technischen Equipment sei vorgesehen gewesen, führte Verteidiger Rüdiger Böhm aus. Nicht jedoch zum Anbau, aber diese Trennung habe sein Mandant aufgrund der Fragen der Kunden nicht durchhalten können.

„Wenn ich mich im Internet informiere, wüsste ich ja auch, welche Fragen ich stellen würde, und die haben ihre Kunden sicherlich auch gestellt”, so der Richter. „Trotz des Vorbehalts kommen sie aus dieser Nummer nicht heraus.”

Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.
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