Ignorieren am Freitag, agieren am Samstag

Von: gro
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Wird auch am 4. April wieder in Stolberg erwartet: Polizeipräsident Klaus Oelze hat im Gespräch mit Ferdi Gatzweiler „grünes Licht” für die Großveranstaltung am 4. April gegeben.

Stolberg. Die üblichen Mechanismen sollen diesmal nicht greifen. Und deshalb soll es, so der Appell von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, keine Reaktion auf den provokativen Versuch der rechtsradikalen Szene, am ersten April-Wochenende doch noch die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, geben.

Denn neben dem „Trauermarsch”, den der Dürener NPD-Kreisverbandsvorsitzende Ingo Haller für den 4. April angemeldet hat und den er einmal mehr dazu nutzen will, um den Tod eines 19-Jährigen vom vergangenen Frühjahr zu Propagandazwecken zu missbrauchen, soll es nun auch noch einen „Fackelmarsch” am Vorabend geben.

Klar scheint derweil, dass die Neonazis, von denen dem Vernehmen nach für den Freitag einige Dutzend und für den Samstag einige Hundert erwartet werden, am 4. April keinen Zugang zur Innenstadt haben werden und sie sich somit auf den Bereich zwischen Hauptbahnhof und Birkengangstraße beschränken müssen.

Damit wäre das wichtigste Ziel der „Gegenbewegung”, die sich nach dem dreifachen Massenauflauf der rechten Szene im vergangene April und dem damit verbundenen Ausnahmezustand in der City entwickelt hat, bereits erreicht. Geschlossen nämlich präsentiert sich Stolberg vor dem angekündigten Aufmarsch von Kräften aus dem ganzen Bundesgebiet.

Und dennoch soll dieser Samstag in der Innenstadt von Offenheit geprägt werden. Denn die Großveranstaltung, die unter dem Motto „Nazifreies Stolberg” steht, wird von einer breiten gesellschaftlichen Basis getragen. Eingeschüchterte Bürger hinter Straßensperren und verriegelten Ladenlokalen zur Hauptgeschäftszeit soll es diesmal nicht geben. Stattdessen werden die Straßen wohl gefüllt sein mit Menschen, die ein Zeichen setzen und ihren Unmut über den Versuch der Vereinnahmung durch einen überschaubaren Kreis von Ewiggestrigen zum Ausdruck bringen wollen.

„Die Resonanz ist riesig”, freut sich Ferdi Gatzweiler, auch wenn es nicht gelungen ist, die erhofften Prominenten aus Kultur und Politik für einen Auftritt in Stolberg zu gewinnen. „Aber ein Zugpferd brauchen wir eigentlich auch gar nicht. Ich rechne damit, dass sich auch so viele tausend Menschen an den Aktionen in der Innenstadt beteiligen werden”, kündigt der Bürgermeister mit Blick auf das ganztägige Programm erwartungsfroh an.

Ganz anders allerdings soll sich Stolberg am Vorabend präsentieren. „Unsere Strategie ist es, diesen sogenannten Fackelmarsch zu ignorieren. Wir schließen die Fenster und Türen und schalten das Licht aus”, schlägt Gatzweiler vor.
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