IG Metall: Neue Perspektive statt langer Arbeitskampf

Von: Robert Flader
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„Wir sind die Gewerkschaft fÀ
„Wir sind die Gewerkschaft für Leiharbeiter”: Manfred Menningen von der IG Metall-Bezirksleitung äußerte sich gestern Abend in Münsterbusch zu den Einzelheiten des neuen Tarifvertrags. Foto: R. Flader

Stolberg-Münsterbusch. Wenn es wirklich Zufall war, dann hätte die Delegiertenversammlung der IG Metall Stolberg zeitlich nicht besser liegen können.

Am Dienstag, als eigentlich die zweite Warnstreikwelle in Stolberg und Eschweiler wieder hunderte Metaller mobiliseren sollte, die Arbeit niederzulegen, wurde stattdessen der vorläufig ausgearbeitete, neue Tarifvertrag im Jugendheim Münsterbusch im Detail vorgestellt. Letztlich war es natürlich kein Zufall, auch wenn IG-Geschäftsführer Helmut Wirtz von „vorzüglichem Timing” sprach.

Mit dem neuen Abschluss, so drückte es Manfred Menningen von der IG Metall-Bezirksleitung NRW aus, „haben wir mehrere große Ziele erreicht: Wir haben bei der Leiharbeit das große Tabu der Arbeitgeber durchbrochen, damit den Betriebsräten ein Instrument an die Hand gegeben, Leiharbeit fairer zu gestalten und außerdem die unbefristete Übernahme von Auszubildenden als Grundsatz festgeschrieben.”

Über die Übernahme des am Wochenende in Baden-Württemberg abgeschlossenen Tarifvertrages wird am morgigen Donnerstag in Bochum mit den Arbeitgebern beraten. der Vertrag soll an die in NRW bereits bestehenden Vereinbarungen angepasst werden.

Vor allem das Thema Leiharbeit soll dem Willen der IG Metall nach ganz neu gestaltet werden: So können, sagte Menningen, Leiharbeiter in der Metallbranche ab November 15 Prozent Lohnaufschlag bekommen, wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Wochen in einem Betrieb gearbeitet haben. Der Zuschlag kann später auf bis zu 50 Prozent ansteigen.

Die neue Mitbestimmung bei der Leiharbeit „ist eine der größten Errungenschaften der Tarifkommission, da waren uns vorher die Hände gebunden”, sagte Menningen und wollte sich so auch des Vorwurfs erwehren, „dass wir uns eben nicht nur um die Stammbelegschaft kümmern. Man könnte es jetzt auch so sagen: Wir sind die Gewerkschaft für Leiharbeiter.”

Unbefristete Übernahme

Im Detail ging es neben dem Thema Leiharbeit vor allem um die Übernahme von Auszubildenden in der Metaller-Branche. Diese soll nun im Grundsatz des neuen Vertrages festgeschrieben sein und zum 1. Januar 2013 gelten.

Bei einer freiwilligen Betriebsvereinbarung sollen Azubis auch über Bedarf unbefristet übernommen werden, sollte eine solche Vereinbarung nicht bestehen bzw. nicht eingegangen werden, sollen die Nachwuchskräfte zunächst für zwölf Monate übernommen werden - mit der Option auf eine spätere, unbefristete Übernahme.

Für Helmut Wirtz war ein entscheidendes Datum auf dem Weg zum Tarifabschluss der 9. Mai, der Tag des ersten Warnstreiks: „Das Warnfrühstück im Eschweiler Talbahnhof war eine der besten Veranstaltungen, die wir im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen in den letzten Jahren hatten.” Und mit Blick auf die zu erwartende Einigung sagte er dann noch: „Dafür haben wir zehn Monate lang hart verhandelt.”

Der Lohn ist nun eine neue Perspektive statt eines langen Arbeitskampfes mit ungewissem Ende.
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