Stolberg - IG Metall: Nach Karneval sind Warnstreiks möglich

IG Metall: Nach Karneval sind Warnstreiks möglich

Von: Michael Grobusch
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Karl-Heinz Hamacher (2.v.r.) und Daniel Mrosek (r.) plädierten Dienstagabend im Talbahnhof für ein tariflich festgelegtes Recht auf Bildungsteilzeit. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Wenn der Delegiertenversammlung der IG Metall eine „Aktionskonferenz“ folgt, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gewerkschaft Handlungsbedarf sieht. Und genau das trifft zu, wie am Dienstagabend rund 150 Metaller im Eschweiler Talbahnhof durch ihre Präsenz und ihre Forderungen bekräftigt haben.

„Völlig inakzeptabel“ sind aus ihrer Sicht die Angebote, die die Arbeitgeber bis dato in der Tarifrunde 2015 unterbreitet haben. Deshalb stimmte die IG Metall ihre Mitglieder darauf ein, dass es nach Karneval auch in Stolberg und Eschweiler Warnstreiks geben könnte.

Es war allerdings bezeichnend für die Veranstaltung, dass diese Drohung erst gegen Ende formuliert wurde. Zuvor hatten Betriebsräte, Jugendvertreter und Sekretäre in unterschiedlichen Runden die ihrer Meinung nach vielen Argumente genannt, die für die drei zentralen Positionen der IG Metall sprechen.

Zu denen gehört die Einführung einer Bildungsteilzeit. „Die meisten Betriebe praktizieren eine Zukunftsverweigerung“, monierte Karl-Heinz Hamacher, Betriebsratsvorsitzender von Aurubis Stolberg, und stellte am Beispiel seines Arbeitgebers dar, dass die Praxis auch andere Beispiele liefere. „Bei uns wird das vorbildlich gehandhabt“, lobte Hamacher, der nur eine effektive Maßnahme gegen den zunehmenden Facharbeitermangel sieht: „Wir müssen unsere eigenen Fachleute ausbilden.“

Wenn sich diese dann dem Ende ihrer beruflichen Laufbahn nähern, sollen sie auch in Zukunft ein Recht auf Altersteilzeit haben. Das will die IG Metall mit einem Anschlussvertrag für die im März auslaufende Regelung sicherstellen. Aber: „Nach den Vorstellungen der Arbeitgeber soll dieser Anspruch entfallen und es Altersteilzeit nur noch für gesundheitlich belastete Kollegen geben, die zudem alleine von der Geschäftsführung ausgewählt werden“, stellte Berzelius-Betriebsrat Jürgen Müllejans mit Kopfschütteln fest. Und er ergänzte: „Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass die Sklaverei in Deutschland seit langem abgeschafft worden ist.“

Ähnlich hart ging auch Martin Peters mit den Arbeitgebern ins Gericht. Der Gewerkschaftssekretär meinte mit Blick auf die bis dato angebotene Entgelterhöhung fest: „Das ist vollkommen unangemessen und inakzeptabel.“ 2,2 Prozent ab 1. März ergäben auf das Jahr gerechnet lediglich 1,8 Prozent. Dies liege nicht nur weit von den geforderten 5,5 Prozent entfernt, sondern decke noch nicht einmal die zu erwartende Inflationsrate von zwei Prozent ab. „Wir wollen aber nicht nur einen Inflationsausgleich, sondern auch eine Beteiligung an der Produktivitätsentwicklung der Unternehmen und einen angemessenen Anteil an deren Gewinnen“, unterstrich Peters, der von guten wirtschaftlichen Entwicklungen berichtete und von sinkenden Energiepreisen, „die zu steigenden Gewinnmargen führen“.

Neue Perspektiven und Formate

Dass mögliche Tarifauseinandersetzungen bei der IG Metall längst nicht mehr nur in Reden thematisiert werden, zeigte der Dienstagabend. Talkrunden sorgten ebenso für neue Perspektiven und Formate wie eine Videozusammenfassung des Jugendaktionstages in Köln und ein Spot, der momentan in den deutschen Kinos zu sehen ist.

Was sich aber offenbar nicht geändert hat, ist die Kampfbereitschaft. „Wir wollen in allen zentralen Punkten ein vernünftiges Ergebnis erzielen“, rief Martin Peters den versammelten Mitgliedern zu und ermunterte sie: „Unseren Slogan ‚Wir für mehr‘ müssen wir jetzt mit Leben erfüllen.“ Notfalls auch durch Streiks...

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