IG Metall: Martin Peters übernimmt im Juli

Von: Michael Grobusch
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Er wird nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch das Büro von Helmut Wirtz übernehmen: Martin Peters leitet ab dem 1. Juli die Verwaltungsstelle Stolberg der IG Metall. Foto: M. Grobusch

Stolberg/Eschweiler. „Es war ein langer Abend“, räumt Martin Peters am Tag nach seiner Wahl zum neuen Geschäftsführer der IG Metall Stolberg/Eschweiler ein. Mit Kollegen und Freunden hat er in einer Stolberger Gaststätte gefeiert. Am 1. Juli wird Peters die Nachfolge von Helmut Wirtz antreten. Was das für ihn persönlich bedeutet und welche Ziele er sich für die nächsten Jahre setzt, hat er im Interview mit unserer Zeitung verraten.

Wie fühlt es sich am Tag danach an, von der Basis an die Spitze der Verwaltungsstelle Stolberg gewählt worden zu sein?

Peters: Das fühlt sich immer noch sehr, sehr gut an. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ein Ziel erreicht, auf das ich über mehrere Jahre hingearbeitet habe. Seit meinem hauptamtlichen Eintritt in die IG Metall war klar, dass sich mir bei guter Arbeit die Chance bieten würde, der Nachfolger von Helmut Wirtz zu werden. Das habe ich jetzt erreicht.

81,8 Prozent der anwesenden Delegierten haben am Donnerstagabend für Sie gestimmt. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Peters: Vier von fünf Stimmberechtigten haben sich für mich entschieden, das ist ein tolles Ergebnis und eine hervorragende Legitimation. Bei der IG Metall wählen die Leute ehrlich und nicht für den äußeren Schein.

Schon im kommenden Mai wird es erneut Wahlen geben, dann turnusgemäß. Haben Sie bis dahin eine Art Probezeit?

Peters: Natürlich wird das erste Jahr ein sehr arbeitsintensives sein, in dem ich mich bewähren kann. Die Wahl im Mai 2016 wird dann quasi ein Zwischenzeugnis sein.

Sie haben unmittelbar nach Ihrer Wahl gesagt, dass Sie sehr viel Wert auf Beteiligung legen. Was bedeutet das?

Peters: Früher wurde der Flächentarifvertrag für fast alle Unternehmen abgeschlossen, heute müssen wir in sehr vielen Betrieben Haustarife verhandeln. Dadurch hat sich eine andere Gewerkschaftskultur entwickelt, weil wir mit unserem Handeln viel näher an das einzelne Mitglied gerückt sind und dieses auch aktiv einbeziehen wollen. Jedem, den die IG Metall interessiert und der sich einbringen möchte, werden wir ein Angebot unterbreiten.

Das Bild von den großen Fußstapfen drängt sich mit Blick auf Ihren Vorgänger Helmut Wirtz auf, der 25 Jahre als Geschäftsführer die Verwaltungsstelle Stolberg geleitet hat.

Peters: Ja, das Bild passt. Helmut Wirtz ist vor allem in Stolberg, aber auch in Eschweiler eine gesellschaftlich hoch anerkannte Person. Es gibt in jedem Betriebe eine Menge Kollegen, die ihre persönliche gemeinsame Geschichte mit Helmut haben. Das muss in Bezug auf meine Person erst noch wachsen. Deshalb will ich auch gerade am Anfang viel Basis- und Kontaktarbeit leisten.

Sie sind in den vergangenen Jahren oft gelobt worden für Ihre erfolgreiche Betreuung der IG-Metall-Jugend. Wie wird diese fortgesetzt?

Peters: Unsere Personalentwicklungsplanungen sind auf die gesamte Organisation ausgerichtet. Deshalb können wir sicherstellen, dass an diese Arbeit relativ nahtlos angeknüpft werden kann. Wer diese Aufgabe übernehmen wird, möchte ich im Moment aber noch nicht publik machen.

Die IG Metall ist auch in Stolberg und Eschweiler immer noch sehr männlich.

Peters: Wir haben immerhin zwei Frauen im Ortsvorstand. Aber wir wollen in der Tat noch weiblicher werden. Deshalb strebe ich an, dass die nächste hauptamtliche Stelle im politischen Bereich mit einer Frau besetzt wird. Eine Frau als Gewerkschaftssekretärin, das wäre im Übrigen in Stolberg ein Novum.

Wie sind die Rollen verteilt zwischen Ihnen als Geschäftsführer und Ralf Radmacher als Gewerkschaftssekretär?

Peters: Genauso wie zwischen Helmut Wirtz und Georg Moik. Wir sind Partner, die im Sinne unserer Mitglieder arbeiten und wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen, auch wenn ich natürlich in letzter Instanz der Verantwortliche bin.

Also kein Machtwort vom Chef?

Peters: Machtworte können nur Leute sprechen, die diktatorische Vollmachten haben. Wir aber sind eine demokratische Organisation.

Was wird ab dem 1. Juli oben auf Ihrer Prioritätenliste stehen?

Peters: Schon vor dem 1. Juli bin ich fest entschlossen, den Tarifkonflikt bei Prym zu lösen. Wir sind da nach wie vor an einer Einigung am Verhandlungstisch interessiert, die die Arbeit der Kollegen angemessen honoriert. Mittel- und langfristig ist wichtig, dass unsere Verwaltungsstelle so finanzkräftig und politisch stabil bleibt, wie sie derzeit ist. Dafür ist auch von Bedeutung, dass wir uns 2016 im ehrenamtlichen Bereich in Teilen neu aufstellen. Wichtig ist zudem, dass Stolberg und Eschweiler auch in Zukunft Standorte von industrieller Produktion sein werden. Deshalb werden wir unsere Vorschläge in die Wirtschaftsförderung der beiden Städte einbringen. Dabei müssen wir auch die Veränderung der Rahmenbedingungen im Auge haben. Wir stehen vor der vierten industriellen Revolution, sind auf dem Weg zur Industrie 4.0. Den Prozess der Digitalisierung werden wir sehr eng begleiten, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern und sicherzustellen, dass Arbeit weiter menschlich bleibt.

Inwieweit werden Sie ihre politische Arbeit für die SPD fortführen?

Peters: Ich habe ja schon einige Aufgaben abgegeben, unter anderem den Vorsitz des Stolberger Stadtverbandes und meine Mandate in den Fachausschüssen der Städteregion. Vorsitzender der SPD-Fraktion im Städteregionstag und des Unterbezirks Kreis Aachen werde ich aber bleiben. Ich denke, dass ich richtig aufgestellt bin, um gute Arbeit bei der IG Metall leisten und ehrenamtlich Politik machen zu können.

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