Iftar-Fest: Stolberger Muslime feiern das Fastenbrechen

Von: Dirk Müller
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In der festlichen Stadthalle begehen die Stolberger Muslime und andersgläubige Gäste das Fastenbrechen „Iftar“ am Ende des Ramadans. Foto: D. Müller
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Rund 1000 Portionen Reis und Kalbsfleisch in schmackhafter Soße folgen auf eine kräftige Suppe beim großen Iftar-Fest. Foto: D. Müller

Stolberg. Als um 20.30 Uhr die Stadthalle ihre Pforten öffnet ist Ahmet Yildiz noch ein wenig aufgeregt. „1200 Mahlzeiten sind vorbereitet, aber wir haben ja Hauptreisezeit, und vielleicht kommen deswegen heute viel weniger Gäste zu unserem Iftar-Fest“, befürchtet der Vorsitzende der türkischen Mittelstandsvereinigung Stolbergs „Side“.

Bereits zum fünften Mal veranstaltet die „Side“ gemeinsam mit den muslimischen Gemeinden DITIB (Rathausstraße), IBV (Schneidmühle) und IGMG (Eschweilerstraße) das Fastenbrechen am Ende des Ramadans als großes Fest, zu dem alle eingeladen sind – auch Nicht-Muslime.

„Das Fest hat sich sehr gut entwickelt, und es freut uns besonders, dass immer Christen unserer Einladung folgen“, beschreibt Yildiz, der als einer der Organisatoren kurz nach 21 Uhr aufatmen kann, denn inzwischen ist der große Saal der Stadthalle mit rund 1000 Gästen gefüllt. Für die gläubigen Muslime war der Fastenmonat Ramadan eine harte Zeit, denn von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und trinken zu dürfen, bedeutete im heißen Juli tägliche Entbehrungen in 17 Stunden und mehr.

Turgay Sacu von der DITIB-Gemeinde hebt bei der Begrüßung der Gäste hervor, dass der Ramadan für Muslime ein besonders heiliger Monat ist, und jeder Iftar-Abend, der Moment des Fastenbrechens, ein Moment der Freude in der Gemeinschaft der Familie ist. „Heute ist es ein Abend in der Gemeinschaft von Freunden und Religionen“, sagt Sacu, der sich freut, dass auch Andersgläubige die Gelegenheit zum besseren Kennenlernen der Kupferstädter Muslime nutzen.

Denn das Stolberger Iftar-Fest markiere zwar in erster Linie mit dem Fastenbrechen das Ende des Ramadans, es sei aber auch ein Fest des Kennenlernens, des Aufeinanderzugehens, der Begegnung und der Kommunikation miteinander, betont Yildiz. Nachdem draußen ein kleines Feuerwerk gezündet wurde, servieren in der Stadthalle, die in feierlichem Glanz erstrahlt, junge Männer in weißen Hemden mit Fliege zunächst eine duftende, kräftige Suppe, bevor das Hauptgericht aus Reis und Kalbsfleisch in schmackhafter Soße folgt. Die religiöse Gestaltung des Fastenbrechens übernehmen die Vorbeter der drei beteiligten muslimischen Gemeinden:

Yüksel Mutlu (DITIB), Hüseiy Gök (IGMG) und Ibrahim Dirioglu (IBV) zitieren Koranverse und sprechen Dankesgebete. Zwei Frauen halten eine Rede in deutscher und türkischer Sprache, die in beiden Versionen besonders viel Applaus erhält: Canan Dogan und Firdevs Kirsolak betonen darin den Willen zur Integration seitens der muslimischen Bürger der Kupferstadt, „ohne kulturelle oder religiöse Wurzeln zu kappen oder Besonderheiten aufzugeben“. Dogan und Kirsolak bezeichneten Stolberg als „eine lebendige, offene und bunte Stadt“, in der auch das muslimische Leben ein Teil des Alltags sei. Der Ramadan sei nicht nur ein Monat der Besinnung und Enthaltsamkeit, sondern auch der Nachbarschaft, der Solidarität und des Zusammenhalts.

An einem Abend wie dem des Iftar-Festes nehme man deutlich war, dass Vielfalt der Kulturen eine Chance, eine Bereicherung und eine Aufforderung zum gegenseitigen Kennenlernen sei. „Erst gegenseitiges Verständnis und Toleranz können ein wirkliches Miteinander und Integration ermöglichen.“ Ferdi Gatzweiler schließt sich seinen Vorrednerinnen an. „Ein solcher Abend macht mich stolz“, sagt der Bürgermeister und lobt die Leistung vieler Stolberger, die sich für Integration einsetzen.

Seine Freude über die Einladung zum Iftar-Fest drückt Hans-Rolf Funken aus. Der katholische Pfarrer beleuchtet einen weiteren Aspekt des Fastens: „Wer fastet, kann sich gut vorstellen, wie es Menschen geht, denen es an Speisen fehlt. Das Fasten fördert so auch das Bewusstsein der Menschen füreinander.“ Auch Paul M. Kirch vom Kirchenvorstand der Großpfarre St. Lucia richtet ein Grußwort an die Gäste und dankt für die Einladung zum letzten Iftar-Essen in diesem Jahr und zu einem großen Fest der Begegnung, über dem der Duft des Essens, des Miteinanders und der Toleranz schwebt.

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