Stolberg - Hospizarbeit hat viel mit Vertrauen zu tun

Hospizarbeit hat viel mit Vertrauen zu tun

Von: Heike Eisenmenger
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Stolberg. Wenn das Leben seinem Ende zugeht, sollte niemand allein gelassen werden. Doch in Zeiten, in denen der traditionelle Familienverband in Auflösung ist und die Gesellschaft immer älter wird, geschieht es, dass häufiger Menschen alleine sterben.

Angesichts dieser gesellschaftlichen Veränderungen rückt die ehrenamtliche Hospizarbeit in den Vordergrund. Es werden dringend geschulte Ehrenamtler gebraucht, die sich dieser Aufgabe stellen. Darum bietet das Seniorenheim am Amselweg erstmalig in Kooperation mit dem Hospizdienst Stolberg-Eschweiler einen Grundkurs für die ehrenamtliche Sterbebegleitung an.

Der Kurs bereitet auf den Einsatz im Alten- und Pflegeheim vor, und wird von einer Psychologin geleitet. Das 120-stündige Aufbauseminar ist in drei Module eingeteilt. „Vermittelt werden theoretisch wie praktisch die Grundlangen der Hospizarbeit. Dazu gehört auch ein Besucherpraktikum in Begleitung eines erfahrenen Hospiz-Mitarbeiters”, schildert Christine Thormann, Leiterin des Sozialtherapeutischen Dienstes im Seniorenzentrum Amselweg.

Gerade in Seniorenwohnheimen werden Ehrenamtler dringend gesucht: „Gestorben wird immer, egal ob Urlaubszeit ist oder Personal fehlt.” Über das Personal sei das Problem ohnehin nicht zu lösen, „das wäre gar nicht zu finanzieren.” Die Kursteilnahme, betont Thormann, sei an keinerlei Verpflichtung geknüpft. „Natürlich hoffen wir, dass die Teilnehmer sich am Kursende dafür entscheiden, als ehrenamtliche Hospizhelfer einzusteigen, aber es ist kein Muss.”

Ein Segen für alle

Doch nicht nur für Schwerkranke, die keine Angehörigen haben, stellt die ehrenamtliche Hospizarbeit einen Segen dar: „Es gibt auch Betroffene, die liebevoll von ihren Angehörigen umsorgt werden, die aber gerade aufgrund dieser emotionalen Nähe Probleme haben, offen über das Sterben zu sprechen.” Auch für die Angehörigen sei es eine enorme Erleichterung, jemanden zur Seite zu haben, der einen entlastet, der zuhört.

Scheinbar Banales kann bei der Sterbebegleitung entscheidend sein. „Manche wollen nicht über den Tod reden, das ist von Mensch zu Mensch ja ganz unterschiedlich. Aus einem Buch vorzulesen, Karten zu spielen oder sich über Kindheitserinnerungen zu unterhalten, das reicht oft schon”, beschreibt Thormann, wie unterschiedlich Sterbebegleitung in seinen vielen Facetten ist.

Hospizarbeit habe sehr viel mit Vertrauen zu tun. Ideal sei, wenn der erste Kontakt geknüpft wird, bevor die Sterbephase beginnt, „also in einem Moment, indem es dem Betroffenen noch relativ gut geht.” Gemeinsam schöne Momente erlebt zu haben, das verbinde. Sich von einem Menschen, den man mitunter über Jahre begleitet hat, eines Tages verabschieden zu müssen, ist nicht einfach - auch nicht für professionell geschulte Ehrenamtler. „Es gesundes Verhältnis zum Leben und damit auch zum Sterben ist Grundvoraussetzung. Um herauszufinden, ob dieses Ehrenamt das richtige für einen ist, findet ein Vorgespräch statt, in dem Kursinhalte und auch die Anforderungen, die an die Teilnehmer gestellt werden, zusammen gefasst sind”, erklärt die 52-Jährige.

Nicht jeder geeignet

Nicht geeignet seien für dieses Ehrenamt Menschen mit psychischen Problemen. Ebenfalls nicht in Frage kommen Personen, die selbst gerade einen Sterbefall in der Familie haben oder die ihren Verlust erst noch verarbeiten müssen. Auch die Ehrenamtler dürfen mit ihren Sorgen nicht allein gelassen werden: Darum treffen sich Hospiz-Helfer regelmäßig zum Austausch, und es werden Fortbildungskurse angeboten.

Kurs für Hospizhelfer

Der Grundkurs umfasst 120 Stunden und beginnt am 10. September. Die Selbstkostenanteil beträgt 100 Euro. Am Ende erhält jeder Teilnehmer ein Zertifikat.

Informationen hat die Diplom-Psychologin Gabriele Schippers: 02404/505381.

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