Hoffnungsträger und Medaillenjäger für den SV Neptun

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Fürs Hobby bleibt noch Zeit:
Fürs Hobby bleibt noch Zeit: Simon Beckers bessert sein Taschengeld mit selbst produziertem Honig auf und kuschelt mit seinen vier Kaninchen. Auf unserem Bild ist Schlappohr Lena zu sehen. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Gressenich. Mit Schwimmflügeln vom Drei-Meter-Brett runterspringen - dass der Bademeister das verbietet, versteht sich von selbst. Simon Beckers ist gerade mal drei Jahre jung, da steht er schon überm Wasser und will ins selbige hineinspringen. Und das macht er auch, ohne Schwimmflügel, ohne schwimmen zu können.

„Wie ein Hund ist er danach zum Beckenrand geplanscht”, erinnert sich Papa Helmut. „Simon konnte eher springen als schwimmen”, fügt Mama Ulrike schmunzelnd hinzu. Mit Fünf hechtet Klein-Simon vom Fünf-Meter-Brett ins kühle Nass. Heute ist er 13 Jahre alt und hat das Springen perfektioniert. Er geht für den SV Neptun an den Start und ist einer der Hoffnungsträger unter den Kunst- und Turmspringern.

Eine Wasserratte war der Gressenicher schon von Geburt an, aber es waren eben die Bretter, insbesondere die hochgelegenen, die auf Simon eine unglaubliche Faszination ausübten. Und so kam es, dass Ulrike Beckers mit ihrem Sohn in die Westhalle Aachen auswich, als die Stolberger Schwimmhalle in den Ferien geschlossen war. Simons Nase klebte regelrecht an der Scheibe beim Anblick der Wasserspringer vom SV Neptun. Die absolvierten nämlich gerade ihr Training, „und da habe ich die einfach gefragt, ob ich auch mal springen darf”, erinnert sich Simon. Er durfte und wurde sogleich zur nächsten Trainingseinheit eingeladen.

Das ist jetzt sechs Jahre her. Mit Beginn des zweiten Schuljahres wurde Simon ein kleiner „Neptun”. Mittlerweile besucht der junge Sportler das Couven-Gymnasium in Aachen und investiert an sechs Tagen in der Woche fast seine ganze Freizeit in hartes Training mit seinem russischen Coach Alexander Neufeld. Der Wechsel zur Partnerschule des Leistungssports war nötig aus zwei Gründen, wie Ulrike Beckers erklärt: „Die Gymnasien in Eschweiler und Stolberg machen das nicht mit, und dann ist da natürlich noch der Zeitfaktor, der für uns entscheidend war.”

18 Stunden Training pro Woche

Simons Tagesablauf ist straff durchorganisiert: 5.45 Uhr aufstehen, 7 Uhr mit der Euregiobahn nach Aachen, Unterricht bis mittags. Dann geht es zum Teilinternat vom SV Neptun, der Olympia- und Bundesstützpunkt sowie Landesleistungszentrum NRW ist. Im Anbau neben der Schwimmhalle West erhalten Simon und die anderen Kadersportler Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe- und Stützunterricht, um schulische Defizite zu vermeiden oder die als Folge häufiger Lehrgangs- und Wettkampfbesuche eingetretenen abzubauen. Am Nachmittag schließt sich das Training an. Trockenübungen in der Sprunganlage und auf dem Trampolin, und dann folgen auch schon die kunstvoll geschraubten Sprünge aus bis zu zehn Metern Höhe. 2,5 Delfin, 1,5 Rückwärts mit 1,5 Schraube, 2,5 vorwärts gehechtet und Handstand-Salto - Simon Beckers springt, dreht sich, schraubt, gestreckt, gehechtet oder gehockt, und das ganze drei Stunden lang, Tag für Tag. Um 19 Uhr ist er Zuhause in Gressenich, isst mit seinen Eltern zu Abend. Hier ist noch etwas Zeit zum gegenseitigen Austausch, zum gemeinsamen Gespräch, bevor es wieder ins Bett geht und ein neuer Tag anbricht. „Schule und Sport und einen Hut zu bringen ist für mich kein Problem”, sagt der 13-Jährige. Partnerschule und Teilinternat machen es möglich. Eng wirds nur, wenn Klassenarbeiten anstehen. „Dann pauken wir im Hotelzimmer Latein oder üben an einem Tag zwischen den Wettkämpfen Mathe, irgendwo in einer Ecke oder in der Halle”, erzählt Simons Mutter.

Schule und Sport, bleibt da überhaupt noch Zeit für Freizeit? „Ja klar”, sagt der 13-Jährige. Seine Freunde trifft er am Wochenende und in den Ferien, ab und an auch unter der Woche. Dann beendet er sein Training auch mal etwas früher. Sein Taschengeld bessert Simon mit selbst produziertem Honig auf, und dann hat er noch vier Kaninchen, die er hegt und pflegt und mit denen er gerne kuschelt.

Bronze bei Deutschen Meisterschaften in Rostock

Simon Beckers hat bei den Deutschen Sommermeisterschaften im Wasserspringen in Rostock seine erfolgreiche Saison mit einer Medaille beendet. Nach den ersten fünf Durchgängen von der 7,5m-Plattform noch auf Platz 2 liegend, verpasste er Edelmetall nach den letzten Kürsprüngen. Vom 3m-Brett behielt der 13-Jährige in einem spannenden Wettkampf die Nerven und gewann in einer starken Konkurrenz letztendlich verdient die Bronzemedaille und erzielte gleichzeitig 110 Prozent der DSV-Kadernorm.

In der kommenden Wettkampfsaison startet Simon Beckers in der B-Jugend und wird das Training nutzen, um seine Serien in den Schwierigkeitsgraden aufzustocken. Ziel ist dann auch eine mögliche Qualifikation für internationale Sportereignisse.
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