Hochgefühl für einen Tag erleben

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Stolberger Karnevalsprinz war der amtierende Stadtkommandant der Prinzengarde bereits. Am Sonntag wird der Zahnarzt Dr. Rüdiger Fröschen zum Burggrafen der Kupferstadt. Foto: D. Müller

Stolberg. Am Sonntag beginnt um 12 Uhr das Burggrafenfest im Wahrzeichen der Stadt. Der karnevalistische Würdenträger für einen Tag wird Dr. Rüdiger Fröschen sein, der den Stolbergern in vielerlei Funktionen bekannt ist. Mit dem designierten „Earl of Ketschenborough“ hat sich Dirk Müller unterhalten.

Sie sind in der Kupferstadt sehr aktiv, wohnen aber in Aachen. Warum?

Fröschen: Weil meine Familie dort beheimatet ist. Trotzdem ist mein Lebensmittelpunkt schon seit Jahren ganz klar in Stolberg, wo ich seit April 1996 ja auch in meiner Zahnarztpraxis arbeite.

Sind Sie in Stolberg schnell heimisch geworden?

Fröschen: Ja, denn ich habe immer mehr Menschen in der Kupferstadt kennengelernt. Vor allem, nachdem ich in November 1996 Mitglied der Prinzengarde der Ersten Großen Stolberger Karnevalsgesellschaft geworden bin.

Und das war erst der Anfang Ihrer karnevalistischen Ambitionen.

Fröschen: Stimmt. Der Höhepunkt war zweifelsohne, dass ich 2002 der Stolberger Karnevalsprinz Rüdiger II. sein durfte. Seit 2009 bin ich Stadtkommandant der Leibgarde Seiner Tollität. Seit einigen Wochen freue ich mich natürlich sehr darauf, Burggraf zu werden.

Wie kam es, dass Sie nun auch noch Burggraf werden?

Fröschen: Roland Fuchs hat mich angerufen und gefragt, ob ich Lust dazu hätte. Zunächst habe ich mir Bedenkzeit erbeten, aber dann doch nicht lange überlegt. Noch am selben Abend rief ich ihn zurück und habe zugesagt. Und jetzt passt es prima: Mit Kurt Schiffer wird ein ehemaliger Burggraf schnell entschlossen zum Prinzen, und ich werde umgekehrt als ehemalige Tollität spontan zum Burggrafen.

Was bedeutet die Burggrafen-Würde für Sie?

Fröschen: Es ist eine große Ehre für mich, und es wird am Sonntag bestimmt ein fantastischer Tag im schönen Wahrzeichen der Stadt. Und weil es eben nur ein Tag ist, bleibt das Ganze auch stressfrei im Vergleich zur Prinzenwürde, die mit einem Fulltime-Job verbunden ist. Die Zeit als Stolberger Prinz war für mich unglaublich toll, und ich glaube, morgen darf ich dieses absolute Hochgefühl noch einmal für einen Tag erleben. Darauf freue ich mich riesig.

Was können die Besucher des Burggrafenfestes erwarten?

Fröschen: Ein karnevalistisches Volksfest, zu dem alle Stolberger herzlich eingeladen sind. Es wird einen Beitrag vom Ensemble des Burghoftheaters geben, aber im Vordergrund steht ein abwechslungsreiches karnevalistisches Programm mit Party-Charakter unter dem Motto: von Stolbergern für Stolberger.

Apropos Burghoftheater: Wie kamen Sie darauf, die Stolberger Schauspielbühne zu eröffnen?

Fröschen: Meine Mutter war beruflich Kostümbildnerin beim Grenzlandtheater in Aachen und hatte daher viele Kontakte zu Schauspielern und Regisseuren. Manche von ihnen wurden dann meine Patienten. Zum Beispiel Karin Graf. Als das Ladenlokal leer stand, habe ich zu Karin Graf, die gerade im Behandlungsstuhl in meiner Praxis saß, gesagt: „Wir machen ein Theater in Stolberg auf.“ Sie hat darauf geantwortet: „Du bist bekloppt.“ Aber ich habe es mit Marcus Aurelius gehalten, dem ich meine Lebensmaxime verdanke. Von ihm stammt der Satz: „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“ Meine Gedanken waren wie fast immer positiv, und so haben wir dann das Theater eröffnet, auch wenn es am Anfang nicht ganz einfach war.

Welche Probleme gab es?

Fröschen: Der Umbau des Ladenlokals zu einem Theater war nicht unkompliziert und es dauerte fast ein Jahr, bis dieser von der Stadt abgenommen wurde. Die Premiere im Burghoftheater erfolgte dann Silvester 2006 mit „Dinner for one“ auf Stolberger Platt. Bei dem ersten richtigen Stück, der Verwechslungskomödie „Hier sind sie richtig“ habe ich sogar noch mangels Schauspieler selbst mit auf der Bühne gestanden.

Wie kann sich ein so kleines Theater in Stolberg halten?

Fröschen: Dadurch dass das Burghoftheater eben nicht kommerziell ausgerichtet sondern ein eingetragener Verein ist. Karin Graf ist bis heute als Intendantin für den künstlerischen Bereich zuständig und ich als Direktor für die wirtschaftliche Seite. Die Schauspieler sind Laiendarsteller, weshalb es auch immer rund ein halbes Jahr dauert, bis ein neues Theaterstück Aufführungsreife erlangt.

Sie sind Direktor des Burghoftheaters und werden morgen Burggraf. Der Begriff „Burg“ spielt aber in ihrem Leben noch mehrere Rollen.

Fröschen: Ja, bedingt durch meine Leidenschaft für exklusive Speisen besitze ich das Restaurant „Burghof“ gleich neben dem Theater. Es ist das alte Gasthaus „Zur Krone“. Bei den Renovierungsarbeiten vor der Wiedereröffnung fanden die Arbeiter auf dem Dachboden und im Keller alte Gläser, Bierdeckel und sogar Postkarten der „Ketschenburg Brauerei seit 1817“. Das wunderschöne Logo mit der Stolberger Burg brachte mich auf die Idee, in diesem ehemaligen Mutter-Ausschankhaus der Ketschenburg Brauerei, das Stolberger Bier wieder zu beleben. Doch daraus wurde zunächst leider nichts, denn die Markenrechte waren vergeben, und ein Interesse, diese zu verkaufen, bestand seitens des Rechteinhabers nicht.

Dennoch gibt es heute „Ketsch“ in der Kupferstadt.

Fröschen: Im Sommer 2008 hatte der Inhaber der Markenrechte das Interesse daran verloren und ich konnte das Label „Ketschenburg Pils“ erwerben. In Bayern habe ich eine Lizenzbrauerei gefunden, und im November rollten die ersten 20 Fässer nach Stolberg. Das Urteil der Kupferstädter Testtrinker war durchweg sehr positiv. Und dann verselbstständigte sich das Motto „Catch a Ketsch“ oder „Ketsch as Ketsch can“, denn eigentlich war das Bier ja nur als Clou für das Restaurant „Burghof“ gedacht.

Wie steht es heute um das Ketschenburger Bier?

Fröschen: Obwohl ein Großteil der Stolberger Gaststätten an Brauereiverträge gebunden sind, haben sieben Kneipen das Ketschenburger Pils im Ausschank. In Flaschen wird das Ketsch inzwischen von 14 Supermärkten beziehungsweise Getränkemärkten verkauft und ist auch in einigen Tankstellen erhältlich. Die Entwicklung ist gut, und das Ketschenburger Bier wird den Stolbergern definitiv noch länger erhalten bleiben.

Restaurant, Theater, Bier – Mitglied der Prinzengarde, Stolberger Tollität, Stadtkommandant, Burggraf – was gehen Sie als nächstes an?

Fröschen: Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Wenn ich es wüsste, hätte ich es wahrscheinlich schon gemacht. Sicher ist nur: Irgendetwas passiert irgendwann, denn neue Ideen zu entwickeln und diese in die Tat umzusetzen, ist ein wichtiger Teil meines Lebens, der mir großen Spaß macht.

Werden Sie sich in Zukunft auch außerhalb Stolbergs karnevalistisch engagieren? Etwa in Aachen?

Fröschen: Nein, denn da ich in Stolberg aktiv bin, habe ich dazu überhaupt keine Zeit. Den organisierten Saal- und Gesellschaftskarneval in Aachen kenne ich ja außerdem auch gar nicht. Den in Stolberg hingegen habe ich umso mehr kennen und vor allem lieben gelernt. Dem tollen Stolberger Fastelovvend bleibe ich aus ganzem Herzen treu

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