Stolberg - Historischer Schulterschluss der Religionen

Historischer Schulterschluss der Religionen

Von: Wolfgang Weber
Letzte Aktualisierung:
gebetshäuser-dreispaltig
Imam Nizammetin Yildiz (l.) und der DITIB-Vorsitzende Sacu Turgay empfingen die Gäste in der Moschee an der Rathausstraße. Foto: W. Weber

Stolberg. Für Stolberg war es ein historischer Augenblick: Gemeinsam beteten alle Beteiligten um Friede und Gerechtigkeit auf der Welt. Historisch war die Szene deshalb, weil nacheinander die Imame Cemil Cakiro Lu und Nizammetin Yildiz sowie Pfarrerin Elke Gericke und Pastor Norbert Glasmacher ihre Gebete sprachen: „Wir haben alle den einen Gott”. Das hatte es in Stolberg in dieser Form bis dato noch nicht gegeben.

Diese aufregende Szene, die für die meisten Anwesenden in der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt sehr ergreifend wirkte, schloss den „Nachmittag der offenen Gebetsstätten” ab.

Zu drei Gebetsstätten führte die Route. „Nur wer seinen Nächsten kennt, kann ihn auch verstehen”, lautete dabei das Leitmotiv der Veranstaltung, die vom Stadtteilmanagement des Projektes Soziale Stadt Velau/Auf der Mühle im Rahmen des Interkulturen-Festivals 2010 organisiert worden war. „Der Anfang ist gemacht” äußerte sich Paul Kirch, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands der Pfarre St. Lucia, zufrieden, auch wenn sich die Besucherzahl bei der Premiere doch in überschaubaren Grenzen hielt. Im gleichen Sinne äußerten sich Turgay Sacu, Vorsitzender der DITIB-Moschee, und die evangelische Pfarrerin Elke Gericke.

Ein Exkurs in Gebetsstätten und Religionen erwartete die Teilnehmer bei jeder Station. „Wir kennen uns doch gar nicht, obwohl wir zusammen in einer Stadt leben”, erklärte Gericke. In der von ihr geleiteten Finkenbergkirche begann die Route. Für einige Katholiken überraschend war, dass in evangelischen Kirchen kein Tabernakel steht. Dieser ist für katholische Christen das „Allerheiligste” und wird dort entsprechend angebetet und gegrüßt. Organist Gunter Antensteiner spielte zum Abschied Werke auf der Orgel, ehe es wieder weiter zur nächsten Station ging.

Eine von sechs Moscheen in Stolberg

In der DITIB-Moschee an der Rathausstraße - sie ist eine von sechs Moscheen in Stolberg - wurden die Besucher traditionell mit Tee empfangen. Früher war hier eine Tuchfabrik, heute trifft sich die Gemeinde zum Gebet und auch zu Gesprächen und Geselligkeit. Der Gebetsraum ist dabei reserviert für seine ureigene Funktion. Fünfmal am Tag wird gebetet, immer freitags erschallt einmal öffentlich der Gebetsruf. „Mit 65 Dezibel”, weiß der Vorsitzende ganz genau. Gemeinsam wird gefeiert, die allgemeinen Räume sind gemütlich hergerichtet.

Wenig überraschend ist auch hier: Vor dem Essen werden die Hände gewaschen und es wird gebetet. Auch ein Billardtisch und ein Fernsehgerät sind vorhanden. „Da gucken wir gemeinsam Fußball”, erklärt Turgay Sacu, bevor er die Besucher in den Gebetsraum führt. Imam Yildiz liefert Erklärungen auf Türkisch, Sacu übersetzt ins Deutsche: die Ausrichtung nach Mekka, die Bedeutung der Formen auf dem Bodenteppich, die Gestaltung des Gebetsraums. Es gibt jeweils einen für Männer und einen für Frauen. Diskriminierend? Nein, unterstreicht Sacu: „Wenn eine Frau direkt vor einem Mann kniet, können dessen menschlichen Gedanken schon mal woanders hingehen. Und beim Gebet soll uns nichts von Gott ablenken.”

Fast genauso erklärt Elke Gericke, weshalb in evangelischen Kirchen keine Bilder aufhängen: „Nichts soll uns von Gott ablenken, deshalb gibt es hier keinen Schmuck.”

Nur die Katholiken weichen in dieser Hinsicht etwas ab. Für sie soll sich die Seele erheben beim Betreten des Gotteshauses: „Für uns ist Kirche ein Raum der Begegnung. Bunte Fenster, bunte Bilder - der Kirchenraum ist nicht nur funktional, sondern er hilft uns bei der Begegnung mit Gott”, erklärte Norbert Glasmacher später. Der Pastor verwies in seiner Ansprache auf die gemeinsamen religiösen Wurzeln: „Wir sind alle Söhne und Töchter Abrahams.” Glasmacher klärte auf über die Gestaltung des Kirchenraums, über den Altar, den Ambo und dass Kerzen für Katholiken das Symbol für Jesus Christus sind: „Sie geben Licht, indem sie sich für uns opfern - wie Jesus.” Zitate:
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert