Historiker Christian Altena referiert: Im Zeitgeist des Historismus

Von: Toni Dörflinger
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Historiker Christian Altena referiert im Pfarrheim Mühle über die Motive und Umstände von Moritz Kraus, die Stolberger Burg wieder aufzubauen.

Stolberg. Was waren die Motive, die Moritz Kraus und seine Architekten zwischen 1888 und 1909 antrieben, die Burg in sehr veränderter Form wieder aufzubauen? Die Antwort dazu und auch den Bericht über die weitere Entwicklung des Bauwerks bis zum Zweiten Weltkrieg lieferte der Bauhistoriker Christian Altena jetzt im Pfarrheim Mühle mit einer Power-Point-Präsentation.

Der 33-jährige Historiker erläuterte, dass Kraus und seine Baumeister im Zeitgeist des späten Historismus verhaftet waren und dabei ihre Untersuchungen und Vorstellungen der Burg-Architektur beim Umbau des Kupferstädter Wahrzeichens neu interpretierten. „Es handelte sich um ein durchdachtes Konzept“, betonte Altena, das von einer Stilmischung aus Romanik, Gotik, Renaissance und sogar Barock geprägt gewesen sei. So wurde der große Turm als vermeintlich ältester Bauteil neuromanisch errichtet.

Den Palas steigerte man architektonisch in seiner Grundform als spätgotisches Bauwerk mit typischen Dacherkern. „Viele Burgen und Bauwerke sind historistisch überformt. Doch dies wird meistens nicht besonders betont. Stolberg steht mit seinem Burgumbau keinesfalls alleine dar“, versicherte Altena, der Vergleichsbauwerke und originale Planzeichnungen von 1888 und der darauf folgenden Jahren präsentierte.

Der mit Goldfarbe kolorierte Entwurf des Architekten Carl Wilhelm Schleicher war selbst schon ein Hingucker besonderer Art: Im Obergeschoss des Großen Turmes hatte er einen Festsaal geplant, der an die zeitgenössische Innenarchitektur des Aachener Oktogons erinnerte. Zur Ausführung kam dieser Plan allerdings nie, da Kraus den Innenausbau der Burg vollkommen vernachlässigte.

Ergänzt wurde die Darstellung des von Kraus errichteten Wohnschlosses durch Altenas Erläuterungen zu den drei Stollenebenen. „Die beiden oberen gehörten zu Kraus‘ Inszenierung seiner Schlossarchitektur. Viele Treppen, Wege, Aufzüge und auch die Stollen sollten ein umfassendes Erleben der gesamten Anlage ermöglichen“, sagte der Bauhistoriker, der auch auf offene Fragen bezüglich eines geheimnisvollen Ganges unter dem oberen Burghof einging.

Demnach gingen dem Umbau in den 1950er Jahren nicht realisierte Entwürfe voraus, die ebenso wie die gewählte Variante, so Altena, mehr dem Zeitgeist als den Ansprüchen der Denkmalpflege genügten. „Unterm Strich ist nicht nur Kraus‘ Umbau, sondern auch die Rekonstruktion der 1950er Jahre eine pseudomittelalterliche Architektur“, resümierte Altena, „denn beide Interpretationen entsprechen nicht der tatsächlichen Baugeschichte.“

Den Abschluss des Vortrages bildete eine Reihe anschaulich illustrierter Ideen für die Zukunft der Burg als Denkmal: unter anderem die Freilegung der alten Wappennische über den Eingang zum Rittersaal und Gestaltung mit einer modernen Interpretation des Stadtwappens sowie eine Dauerausstellung zur Burggeschichte.

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