Stolberg-Münsterbusch - Hilfsprojekt: Der Alltag von Straßenkindern

Hilfsprojekt: Der Alltag von Straßenkindern

Von: Toni Dörflinger
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Als Botschafter für das in Quito ansässige Kinderhaus unterwegs: Jutta Berard, Angie Aretz und Cristian Narváez (v.l.) begutachten einen aus Ecuador stammenden Poncho. Foto: T. Dörflinger Dazu Foto: „Ecuador/Berard“ ...

Stolberg-Münsterbusch. Cristian Narváez stammt aus Kolumbien. Mit 13 Jahren gelangte er in das Nachbarland Ecuador und fand zwei Jahre später in einem dortigen Kinderhaus Aufnahme. Inzwischen ist das ehemalige Straßenkind 24 Jahre alt und studiert erfolgreich Journalistik.

Über sein Leben und seine Erfahrungen im Kinderhaus „Arbol de la Esperanza – Baum der Hoffnung“ berichtete der Student auf Einladung der örtlichen Katholischen Arbeiternehmer-Bewegung (KAB) im Pfarrheim Herz Jesu. Neben Narváez waren auch die Leiterin des Kinderhauses, Angie Aretz, und die aus Stolberg stammende Sonderpädagogin Jutta Berard zu Gast.

Berard hat 2006 einen einjährigen Aufenthalt im Kinderhaus Quito begonnen. „Das Kinderhaus ist mein Lebensmittelpunkt. Ihm verdanke ich alles. Eine Familie, Geborgenheit, Schutz und Erfolg“, versicherte Narváez in bewegenden Worten, wobei ihm mehrmals die Stimme brach. „Cristian ist inzwischen unser Botschafter. Er hat das Vertrauen der Straßenkinder. Er empfiehlt ihnen unser Haus als Zuflucht und Halt“, sagte Aretz, die nicht nur Heimleiterin ist, sondern darüber hinaus auch eine Wohngruppe betreut, in der acht- bis neunjährige Jungen Aufnahme finden.

Die Bewältigung von traumatischen Erlebnissen – Misshandlung, Verwahrlosung, Missbrauch und Gewalt – ist dabei ebenso Schwerpunkt wie die schulische und berufliche Bildung. „Allerdings haben unsere Kinder keine kriminelle Erfahrung und keine Drogenkarriere hinter sich“, nahm die Diplom-Pädagogin ihre Schützlinge in Schutz.

Um seine Erlebnisse im Kinderhaus „Arbol de la Esperanza“ visuell wiederzugeben und die derzeit dort geleistete Arbeit zu illustrieren, hatte der Student kürzlich einen Film gedreht, den er den rund 60 Besuchern vorführte. Der Streifen zeigte anschaulich in kurzen Sequenzen den Alltag der früheren Straßenkinder und vermittelte Einblicke in die Spiele, Feten und Veranstaltungen der jungen Bewohner.

Ergänzt wurde der Filmbeitrag von den Erzählungen und Berichten der Heimleiterin, die die Besucher auch mit der politischen und gesellschaftlichen Situation in Ecuador vertraut machte. „Die Situation in Ecuador hat sich verbessert. Allmählich greift die Erkenntnis, das Kinder auch Rechte haben. Für neue Hausbewohner sorgt die staatlich ausgebildete Kinderschutzpolizei. Sie kümmert sich darum, dass von Verwahrlosung und Vernachlässigung bedrohte Straßenkinder in unserem Haus Zuflucht finden“, bestätigte Aretz.

Entstanden ist das Projekt „Arbol de la Esperanza“ im Jahr 1991 in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Damals wagten eine kleine Gruppe engagierter Ecuadorianer und eine junge Deutsche aus Kempen das Experiment, in einer Mietwohnung das Leben mit einigen Straßenkindern zu teilen. Heute finden bis zu 30 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren in zwei eigenen Häusern des Heims Arbol de la Esperanza eine Alternative zum Leben auf der Straße. Sie leben in drei Wohngruppen, die jeweils von einem Erzieher als feste Bezugsperson betreut werden. „Jedes Kind ist einzigartig. Es gibt kein starres Konzept. Die Kinder sollen nicht nur betreut, sondern vor allem auf ein selbstständiges, verantwortungsvolles und würdiges Leben vorbereitet werden“, erläuterte Aretz den interessierten Besuchen. Abgeschlossen wurde de Veranstaltung mit einer kleinen Diskussionsrunde.

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