Stolberg - Hilferufe in der Stadtbücherei werden lauter

Hilferufe in der Stadtbücherei werden lauter

Von: Michael Grobusch
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Gottfried Frings, Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbücherei. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Das Sparschwein ist leer: Jahrelang hat der Förderverein der Stadtbücherei Stolberg von der großzügigen Spende einer älteren Damen gezehrt. Jetzt sind die letzten 4500 Euro in die Anschaffung von modernen Medien geflossen. Das war Voraussetzung für einen Zuschuss der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen, die ihrerseits den gleichen Betrag zur Verfügung gestellt hat – zweckgebunden.

„Wir sind jetzt mehr denn je auf Sponsoren angewiesen“, räumt der Vorsitzende Gottfried Frings ein. Mit den moderaten Beiträgen der gut 60 Mitglieder lässt sich nicht viel bewegen, weniger als 1000 Euro kommen auf diesem Wege pro Jahr zusammen.

Dabei ist der Bedarf an Unterstützung größer denn je. „Auch in Stolberg führt kein Weg mehr an den neuen Medien vorbei“, weiß Barbara Bisping-Bau. „Darin liegt eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung“, meint die 2. Vorsitzende. Denn CDs, DVDs und insbesondere E-Books kosten Geld – ziemlich viel Geld. Und das ist in der Stadtbücherei seit vielen Jahren Mangelware.

Bedingt durch die katastrophale finanzielle Lage der Stadt wird die Einrichtung seit geraumer Zeit vernachlässigt. So standen im laufenden und im vergangenen Jahr nur jeweils gut 13.000 Euro für Neuanschaffungen zur Verfügung, 2011 waren es sogar nur 3600 Euro gewesen.

„Das liegt weit unter dem, was wir eigentlich benötigen“, stellt Thomas Meirich mit Bedauern fest. Auf eine Zahl will sich der stellvertretende Leiter der Stadtbücherei nicht festlegen, aber er spricht von „einem Vielfachen“.

Barbara Bisping-Bau wird da konkreter: „Um die Ausstattung auf den neuesten Stand zu bringen und dort zu halten, wären 40.000 bis 50.000 Euro pro Jahr erforderlich.“ Das sieht Andreas Pickhardt genauso. Auch der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt liegt mit seinen Bedarfsschätzungen deutlich über den tatsächlich zur Verfügung stehenden Summen. Für den Haushalt 2014, den die Große Koalition Anfang November beraten will, hat er deshalb 48.000 Euro angemeldet.

„Schon aus Prinzip“, wie er verrät, „weil ich immer das anmelde, was gebraucht wird“. Das hat Pickhardt nach eigener Aussage auch in den vergangenen Jahren getan. „Doch die Politik hat dann regelmäßig gekürzt.“

Das Resultat, da sind sich die Fördervereinsmitglieder und der stellvertretende Bücherei-Leiter einig, lässt sich an den Inhalten der Regale ablesen: „Wir bewegen uns auf dem Niveau einer Gemeindebücherei wie beispielsweise in Simmerath“, meint Thomas Meirich. Und Andreas Pickhardt gibt zu bedenken: „Wir haben eine Bücherei und kein Antiquariat.“ Deshalb sei es dringend an der Zeit, sich mit dem Bestand und Zustand der Stolberger Einrichtung zu beschäftigen. Zumal mit dem E-Book gerade eine ganz neue Sparte entstehe.

55.000 Medieneinheiten stehen nach Angaben von Beisitzerin Marita Kämmerer-Valentin an der Frankentalstraße zur Verfügung. „Für eine zeitgemäße Bücherei wird in Fachkreisen ein Anteil der modernen Medien von 20 Prozent vorausgesetzt.“ Stolberg aber brachte es Ende 2012 gerade einmal auf 8,5 Prozent. Daran werden auch die jetzt angeschafften 500 DVDs und CDs nichts Wesentliches ändern.

Dabei sind gerade Hörbücher immer mehr gefragt. „Viele ältere Menschen haben gesundheitlich bedingte Probleme, ein Buch zu lesen“, nennt Gottfried Frings einen Grund für diesen Trend. „Gleichzeitig bieten Hörbücher Kindern einen Zugang zu Sprache und Literatur“, weiß Marita Kämmerer-Valentin.

Dieser Nachfrage versuchen die Mitarbeiter der Stadtbücherei so gut wie möglich zu entsprechen. Aber: „Wir können schon lange nicht mehr alle Bereiche bedienen“, betont Thomas Meirich. Deshalb müssten Prioritäten gesetzt werden. Bei den Romanen gilt die Bestsellerliste als erste Entscheidungshilfe, bei den Sachbüchern vor allem der Bedarf – und die Kundschaft. „Schüler sind für uns eine ganz wichtige Gruppe“, betont der Bibliothekar.

Erschwert wird die aktuelle Situation in der Stadtbücherei durch die angespannte personelle Lage. „Nächstes Jahr wird es ganz bitter“, fürchtet Meidrich. „Dann werden die beiden Bürgermitarbeiterinnen mit ihren momentan zusammen 60 Stunden pro Woche und unser Umschüler nicht mehr da sein.“ Nur noch 2,5 Stellen würden somit bleiben – von ursprünglich einmal 6,7.

Die Mitglieder des Fördervereins wollen dennoch nicht aufgeben: Die Vorlese- und Bastelnachmittage am Donnerstag sollen mit ehrenamtlichen Kräften ebenso weitergeführt werden wie die Aktionen mit Oskar dem Leseclown und die jährlich zwei Autorenlesungen. Auch die Suche nach Sponsoren und neuen Mitgliedern wird fortgesetzt.

Und nicht zuletzt hofft der Vorstand nach wie vor auf einen Kurswechsel der Politik, wie Gottfried Frings betont. „Seit Jahren wird über irgendwelche Sportplatzprojekte diskutiert. Natürlich ist der Sport für unsere Gesellschaft von Bedeutung. Aber ich glaube, Lesen und Schreiben sind noch wichtiger.“

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