Hilfe für Bewohner vom Kelmesberg

Von: Ottmar Hansen
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Die Straße am Kelmesberg sei verrufen, sagt ein Mann, der sieben Jahre lang hier gewohnt hat. Der Katholische Verein für soziale Dienste will nun einen Sozialarbeiter einstellen, der sich um die Menschen in den Häusern kümmert. Die vier Bauten im unteren Teil der Straße werden wohl stehen bleiben, die Häuser weiter oben sollen abgerissen werden. Foto: O. Hansen
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Ferdinand Schmidt hat sieben Jahre in einem der Häuser am Kelmesberg gewohnt.
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Kein schöner Anblick: Ein großer Müllberg wurde vor einem der Häuser aufgetürmt.
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Die Klingeln an der vergammelten Türe sind verschwunden. Dieses Haus wird wohl abgerissen.

Stolberg. „Sieben Jahre lang habe ich hier gewohnt, und ich bin froh, dass ich vor kurzem endlich umziehen konnte.“ Ferdinand Schmidt ist noch einmal an den Kelmesberg zurück gekehrt, um einen Freund zu besuchen. An die Zeit in der Obdachlosenunterkunft hat er keine guten Erinnerungen: „Die Wände waren feucht, es gab nur einen Kohleofen für die ganze Wohnung.“

Warum hat er es dennoch so lange in dem herunter gekommenen Gebäude ausgehalten? Schmidt: „Die Straße ist verrufen. Wenn ein Vermieter hört, dass man von dort aus in dessen Wohnung ziehen möchte, schlägt er einem gleich die Türe vor der Nase zu. Entsprechend ist es schwer, eine andere Bleibe zu bekommen. Dabei haben die meisten Menschen, die am Kelmesberg wohnen, einfach nur Pech gehabt in ihrem Leben.“

Derzeit hat die Stadt Stolberg in den acht Wohnhäusern 37 Obdachlose untergebracht. „Jeder hat in Deutschland das Recht auf eine Wohnung“, betont Fachbereichsleiter Willi Seyffart, der im Rathaus für die Betreuung der städtischen Reihenhäuser vom Kelmesberg zuständig ist. Die Verwaltung hält die Wohnungen für Menschen vor, die durch eine Notlage kurzfristig ohne Unterkunft da stehen. Eigentlich ist die Unterbringung in den Bauten nur so lange vorgesehen, bis sich auf dem Wohnungsmarkt eine andere freie Bleibe findet. Aber die Umsiedlung gestaltet sich eben oft schwieriger als gedacht.

Während früher meist Senioren oder Familien ohne festes Dach über dem Kopf am Kelmesberg unterkamen, sind es heute vor allem Jugendliche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Sie sind entweder bewusst bei den Eltern ausgezogen, daheim raus geflogen oder sie kommen aus der Justizvollzugsanstalt und wissen nun nicht mehr wohin.

Die neue „Kundschaft“ erfordert neue Konzepte für die Unterkünfte. Zuletzt beschwerten sich immer wieder Anwohner über den Lärm, den die Bewohner vom Kelmesberg bis in die Nacht hinein veranstalteten. Ein Sicherheitsdienst sorgte daraufhin im Auftrag der Stadt für Ordnung und Ruhe. Am „runden Tisch“ trafen sich zuletzt Anwohner, Bewohner der Unterkünfte und der Bürgermeister, um über die Lösung des Problems zu sprechen.

Jetzt soll der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) die Betreuung der Menschen in den Notunterkünften übernehmen. Der Stadtrat stellte für die Finanzierung rund 53.000 Euro zur Verfügung. Für das Geld soll ein Sozialarbeiter eingestellt werden, der die Obdachlosen bei ihrem Weg zurück ins „normale“ Leben begleitet. Etwa bei der Suchtberatung, Insolvenzberatung, Behördengängen oder der Suche nach einer dauerhaften Wohnung. So soll die Verweildauer der Obdachlosen am Kelmesberg verkürzt werden.

Ständiger Ansprechpartner

Die Stelle sei bereits ausgeschrieben, bestätigte Johann Leonbacher vom SKM auf Anfrage. Der Betreuer soll ein Büro auf dem Kelmesberg beziehen und ständiger Ansprechpartner der Hausbewohner sein. Aber auch der Nachbarn bei eventuellen Beschwerden. Geplant ist ferner, dass sich mehrere junge Obdachlose künftig eine Wohnung teilen. Bisher bewohnt jeder alleine mehrere Zimmer. So werden von den acht Häusern langfristig nur noch vier benötigt. Die übrigen vier Häuser im hinteren Teil des Grundstückes (mit den Nummern 4, 5, 6 und 7) sollen abgerissen werden. Die Mittel dazu will die Stadt im kommenden Jahr im Haushalt bereit stellen. Das Projekt des SKM ist zunächst auf drei Jahre befristet.

Ferdinand Schmidt sieht allerdings Probleme, wenn Obdachlose künftig keine eigene Behausung mehr bekommen, sondern sich eine Wohnung mit mehreren Menschen teilen müssen: „Jede Person, die hier lebt, hat ihre Probleme. Damit vereint man dann vielleicht vier Probleme in einer Wohnung.“

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