Hermannschule hat nun einen eigenen Schülerrat

Von: Michael Grobusch
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Die Klassensprecher und ihre Vertreter schlagen mit der Gründung des Kinderrates ein neues Kapitel in der Geschichte der Stolberger Grundschulen auf. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Mühle. Einem potenziellen Missverständnis versuchte Renate Krickel gleich in ihrer kurzen Begrüßung vorzubeugen: „Ein Parlament macht Gesetze und trifft Entscheidungen. Das dürfen die Kinder an ihrer Schule natürlich nicht.”

Dennoch ging es in der Grundschule Hermannstraße um demokratische Strukturen, mit denen die Mädchen und Jungen vertraut gemacht werden sollen, und die sie in ihrem Lebensalltag leben und erleben sollen.

Die Schulleiterin hatte deshalb gemeinsam mit ihrer Kollegin und Sozialpädagogin Ulrike Klöpper die Vorbereitungen für den Kinderrat getroffen, der am Donnerstagmittag zu seiner ersten und damit konstituierenden Sitzung zusammengekommen ist.

Dass es sich bei dem Rat, der aus den eingangs zitierten Gründen nicht den Namen „Parlament” trägt, um etwas ganz Besonderes handelt, dokumentierte schon der Ort des Geschehens: Eingeladen worden waren - und das in schriftlicher und hoch offizieller Form - die Sprecher aller Klassen und deren Vertreter ins Lehrerzimmer.

Namensschilder und Flipcharts standen ebenso bereit wie der Block für den Protokollführer, dessen Aufgabe diesmal - und das soll die Ausnahme bleiben - Renate Krickel übernahm.

Diese betritt mit ihrem Projekt in der Kupferstadt Neuland und scheute sich deshalb auch nicht, eine gewisse Aufregung einzugestehen.

Nach der knapp einstündigen Zusammenkunft, die während der regulären Unterrichtszeit stattfand, aber zukünftig einmal monatlich am Nachmittag und somit in der Freizeit der Kinder fortgesetzt werden soll, zog sie ein zufriedenes Resümee: „Es war ein Experiment, und das ist gelungen.”

Einen Schritt in die richtige Richtung hat die Leiterin damit auf dem eingeschlagenen Weg gemacht: „Die Kinder sollen sehr früh lernen, wie Demokratie funktioniert”, nennt Krickel ihr Hauptanliegen. Dass sei an der Hermannschule, wo Kinder aus über 20 verschiedenen Nationen sowie unterschiedlichsten Kulturen und Religionen stammen, von besonderer Bedeutung.

Dass das Thema von den Schülern dankbar und mit großem Interesse aufgenommen wird, zeigte die Auftaktsitzung. In Gruppen - jeweils besetzt mit einem Kind pro Altersstufe - wurde erarbeitet, was die Mitglieder des Kinderrates in dieser Funktion bzw. als Klassensprecher leisten können und leisten müssen. Rechte und Pflichten wurden definiert, wobei es beim letztgenannten Punkt überraschende Resultate gab.

„Streit schlichten”, „für Ordnung sorgen” und „Lehrer informieren” stand da unter anderem auf dem großen Papierbogen. „Da bin ich anderer Meinung als ihr”, betonte Renate Krickel bei der Auswertung und erklärte: „Wir möchten nicht, dass ihr zu Aufpassern werdet. Stattdessen sollt ihr Berater sein für mich und meine Kollegen, damit wir wissen, was unsere Kinder wollen und wünschen.”

Ganz oben auf der Wunschliste steht ein neu gestalteter und wenn möglich größerer Schulhof. Für den müssen Politik und Verwaltung zwar noch die finanziellen und planerischen Voraussetzungen schaffen. Bei der eigentlichen Gestaltung sollen die Schüler dann aber aktiv mitarbeiten können. Erste Anregungen gab es bereits: Spielgeräte, ein Fußballfeld und mehr Grünflächen würden von den Kindern mit Begeisterung auf- und angenommen. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen allerdings oftmals Welten - oder zumindest viele Monate oder gar Jahre. Auch das werden die Hermannschüler im Kinderrat lernen, wenn es um Demokratie geht.

Von ihren ersten Erfahrungen werden sie nun den Mitschülern berichten und als Multiplikatoren fungieren. Schließlich soll aus dem Pilotprojekt eine etablierte Einrichtung werden, die dann auch in anderen Stolberger Schulen Schule machen könnte.
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