Hermannschüler sagen Nein zu Rassismus

Von: Michael Grobusch
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An der Hermannschule soll jegliche Form von Diskriminierung keine Chance haben. Lehrerin Jenny Biermann gehört zur fünfköpfigen Arbeitsgruppe, die dieses Thema mit den Kindern regelmäßig aufgreift. Foto: M. Grobusch

Stolberg. „Freunde statt Fremde“, lautet das Motto. Das ist zunächst einmal leichter gesagt als getan an einer Schule, die 213 Kinder mit insgesamt 27 Nationalitäten unterrichtet. Und doch funktioniert das Zusammenspiel der Erst- bis Viertklässler gut an der Grundschule Hermannstraße, die ihren Anspruch in dieser Hinsicht schon mit der Bezeichnung „Internationale Begegnungsschule“ eindeutig dokumentiert.

Jetzt wollen Lehrer und Schüler noch einen Schritt weitergehen. Am morgigen Samstag bekommt die Hermannschule vom Verein „Aktion Courage“ den Titel „Schule ohne Rassismus“ verliehen. Der offizielle Akt am Tag der offenen Tür krönt die bisherigen Bemühungen.

„Wir sind ja wirklich sehr international aufgestellt. Aber auch unter den unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen, die es bei uns gibt, kommt es manchmal zu Problemen und Ressentiments“, erzählt Renate Krickel. Schlimmes weiß sie zwar nicht zu berichten – in der Regel geht es um ein paar unschöne Worte oder kleinere Reibereien. Und dennoch ist die Schulleiterin davon überzeugt, dass die Kinder frühzeitig ein Bewusstsein für den richtigen (beziehungsweise falschen) Umgang miteinander entwickeln und für das Thema Rassismus sensibilisiert werden sollten. Weil diese Einschätzung auch vom Kollegium geteilt wird, ist die Hermannschule bereits im Februar mit einer Projektwoche in die inhaltliche Arbeit eingestiegen. Im Unterricht wurden Lieder gesungen, Texte geschrieben und in Sachkunde über Kinderrechte informiert und diskutiert. Außerdem wurde das Wort „Freund“ in die Muttersprachen aller Kinder übersetzt und künstlerisch gestaltet.

„Das war quasi unsere Startveranstaltung. Und die ist wirklich richtig gut angekommen. Ich hatte nicht erwartet, dass die Ergebnisse so toll sein würden“, blickt Jenny Biermann freudig und zufrieden zurück. Mit vier weiteren Kolleginnen gehört sie zur „Arbeitsgruppe Schule ohne Rassismus“, die sich darum kümmert, dass der Grundgedanke immer wieder aufgegriffen und in den Schulalltag eingebracht wird.

Das fordert der Verein „Aktion Courage“ von den Schulen, denen er seinen Titel verleiht. Das fordert, so betont Renate Krickel, aber auch das Selbstverständnis der Hermannschule: „Der Titel ist keine Auszeichnung und auch kein Preis, sondern eine Verpflichtung, sich immer wieder mit Rassismus auseinanderzusetzen und aktiv dagegen vorzugehen.“

Die Schüler der Hermannschule wollen das tun. Als es darum ging, die für die Verleihung des Titels erforderlichen Unterschriften von mindestes 70 Prozent aller an der Schule Arbeitenden und Lernenden einzuholen, wurden die Klassensprecher aktiv. Am Ende hatten sie von nahezu allen die schriftliche Zusage vorliegen. „Die Kinder sind das sehr emotional angegangen“, berichtet Renate Krickel, die ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden ausgemacht hat. Und nicht nur das: „Grundschulkinder haben grundsätzlich die Bereitschaft zum Lernen und sind sehr interessiert, auch am Andersartigen.“ Gute Voraussetzungen also dafür, dass jegliche Form von Diskriminierung an der Hermannschule aktiv angegangen wird und somit auf Dauer keine Chance hat.

„Natürlich wird die Titelverleihung nachwirken. Aber man muss das Thema immer wieder aufgreifen und in Erinnerung rufen“, weiß Jenny Biermann. Deshalb wird es in Zukunft regelmäßig Aktivitäten und Projektwochen zur „Schule ohne Rassismus“ geben. „Wir wollen Zeit und auch Personal in dieses Thema investieren“, bekräftigt Renate Krickel.

Dazu passen auch weitere Schwerpunkte, die die Schule setzt: Konfliktprävention, Streitschlichter-Ausbildungen und die Stärkung des Selbstbewusstseins gehören ebenfalls zum Programm, das die Lehrerinnen, unterstützt von Sozialarbeiterin Ulrike Klöpper, umsetzen.

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