Herbert Meier will die 100.000 Euro knacken

Von: Lukas Franzen
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Immer hoch motiviert: Herbert Meier. Foto: Lukas Franzen

Stolberg. Die Zahlen sind beeindruckend: Bis zu 80 Personen meisterten zu Spitzenzeiten gemeinsam die rund 150 Kilometer lange Fahrradroute vom Nachtigällchen bis zum Kölner Dom und wieder zurück – und das alles für den guten Zweck.

Herbert Meier ist Teamsprecher der Radsportgruppe Breinig-Köln-Breinig und schätzt, dass seit ihrer Gründung im Jahre 1996 weit über 500 Personen zu Gunsten der DFB-Mexiko-Hilfe in die Pedale getreten haben. Über die Geschichte und Entwicklung der Radsportgruppe, die bei ihrer nächsten Tour im September die Spendenmarke von 100.000 Euro knacken wird, Nachwuchssorgen und E-Bikes hat sich der Sportlehrer mit unserer Redaktion unterhalten.

Mit dem Fahrrad von Stolberg nach Köln und dafür auch noch Geld bezahlen – wie oft sind Sie eigentlich schon für verrückt erklärt worden?

Meier: Dieser Satz stammt tatsächlich vom Geschäftsführer der Egidius-Braun-Stiftung, Wolfgang Watzke. Wenn ich mit meinem persönlichen Umfeld über unsere Touren spreche, dann besteht die Verrücktheit nach Ansicht von Freunden und Bekannten eher darin, dass wir immer die gleiche Strecke fahren. Das empfinden viele als langweilig.

Konnten Sie denn auch Freunde und Familienmitglieder überzeugen, sich einmal in Pedale zu schwingen?

Meier: Auf jeden Fall. Aus der Familie sind fast alle schon einmal mitgefahren. Außerdem fahre ich jeden Dienstagabend mit einer kleinen Fahrradgruppe namens „Schnelle Speiche“ in die Eifel. Auch von dieser Truppe sind schon alle mit nach Köln geradelt.

Sie sind nicht nur im Radsport, sondern auch im Nachwuchsfußball beim VfL 08 Vichttal als Jugendleiter engagiert. Haben die Fußballer auch schon einmal ihre Bälle gegen den Drahtesel getauscht?

Meier: Vor zwei Jahren haben wir mit dem VfL eine Sonderfahrt mit rund 50 Teilnehmern organisiert. Außerdem stehe ich mit dem neuen Jugendleiter des SV Breinig, Thomas Menke, im Kontakt. Der hat zugesagt, für unsere September-Fahrt kräftig die Werbetrommel zu rühren. Immerhin hat in Breinig ja alles begonnen. Sonderfahrten, zum Beispiel für Firmen, Vereine oder andere Initiativen, bieten wir übrigens immer gerne an.

Wie hat damals denn alles angefangen?

Meier: Die Initiative zur Gründung der Radsportgruppe geht auf den früheren Jugendleiter des SV Breinig, Gerd Lützeler, im Jahre 1996 zurück. Anlass war die Gründung der DFB-Stiftung von Egidius Braun im gleichen Jahr. Daraus entstand die Idee, die Mexiko-Hilfe des DFB mit einer Radsportgruppe zu unterstützen, die sportliche Herausforderung und caritatives Engagement verbindet.

Wie hat sich die Radsportgruppe bis heute entwickelt?

Meier: Nach dem Tod von Gerd Lützeler übernahm „Männ“ Moers die alleinige Leitung der Gruppe im Jahre 2001. Seit 2009 kümmert sich ein siebenköpfiges Orga-Team bestehend aus Otto Essler, Volker Gäb, Günter Ostländer, Manfred Bolder, Gabi Weber, Bernd Freialdenhoven und meiner Person um organisatorische Aufgaben der Gruppe.

Hat sich das zu zahlende „Kilometergeld“ seit 1996 verändert?

Meier: In den Anfangsjahren zahlte jeder Teilnehmer 15 D-Mark pro Fahrt, was 10 Pfennig pro gefahrenem Kilometer entsprach. 2002 wurde dann auf 8 Euro umgestellt. Allerdings runden fast alle Teilnehmer auf 10 Euro auf. Anfänglich habe ich zu den Touren noch Wechselgeld mitgeschleppt. Das mache ich jetzt nicht mehr. Die Teilnehmer fahren also nicht nur von Stolberg nach Köln und zahlen dafür Geld. Sie zahlen sogar freiwillig mehr (lacht). Hier sind wir wieder bei der Verrücktheit angelangt.

Was hat sich im Vergleich zu den Anfangsjahren noch verändert?

Meier: Früher sind die meisten mit ganz normaler Kleidung – Jeans, Anorak und normalen Schuhen – losgefahren. Heute sind fast alle mit kompletter Radfahrermontur ausgestattet. Seit zwei Monaten starten wir sogar in einheitlichen Fahrradtrikots. 70 Personen haben schon eines gekauft. Ein weiterer Unterschied zu damals ist, dass die Physis und Kondition deutlich zugenommen hat. Fast alle fahren die Strecke hin und zurück. Nur wenige nutzen die Möglichkeit, von Köln mit dem Zug zurückzufahren. Ein weiterer Trend ist, dass wir Spitzenzahlen von 70 bis 80 Teilnehmern pro Fahrt zwar nur noch selten erreichen. Dafür gibt es aber wesentlich mehr Menschen, die häufiger mitfahren als damals.

Müssen Sie sich langfristig Nachwuchssorgen machen?

Meier: Wir müssen erkennen, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmer sehr hoch ist. Im Schnitt sind unsere Mitfahrer über 60 Jahre alt. Die ältesten sind Ende 70. Ab und zu sind auch über 80-Jährige dabei. Es ist schwierig, Nachwuchs zu rekrutieren. Viele junge Sportler sind eben am Wochenende schon anderweitig aktiv.

Wie darf man sich die Zusammensetzung der Gruppe jenseits der Altersstruktur vorstellen?

Meier: Eine bunte Mischung aller sozialen Schichten und Berufe. Es kommt durchaus vor, dass Geschäftsführer großer Unternehmen mitfahren und dort auf ihre eigenen Mitarbeiter treffen. Dieser Mix zeichnet unsere Gruppe aus. Ein weiteres Phänomen ist, dass sich Leute oft vier oder fünf Jahre nicht sehen lassen und dann plötzlich wieder dabei sind.

Haben denn auch schon Stolberger, die politisch etwas zu sagen haben, die sportliche Herausforderung angenommen?

Meier: Der alte Bürgermeister, Ferdi Gatzweiler, ist zum Beispiel schon mitgefahren – allerdings nicht mit dem Rad, sondern mit dem Motorrad. Dafür hat er uns dann alle während der Tour zum Frühstück eingeladen. Die Anfrage an unseren neuen Bürgermeister, Tim Grüttemeier, ist ebenfalls schon gestellt.

Warum ausgerechnet diese Distanz und dieses Ziel?

Meier: Ausschlaggebend war sicherlich, das die Strecke verglichen mit der Eifel relativ einfach und leicht zu bewältigen ist. Viele Leute sind vor ihrer ersten Fahrt gespannt, wie sie die rund 150 Kilometer hin und zurück meistern werden und wundern sich dann, dass sie sich bei der Ankunft in Köln noch so gut fühlen.

Die meisten kennen wohl nur die direkte Autobahnverbindung nach Köln. Welche Route nehmen Sie mit dem Rad?

Meier: Wir sind immer bestrebt, so wenig Straßen wie möglich zu befahren und dafür Rad- und Feldwege zu nutzen. Die Route ist seit den Anfängen deshalb auch immer wieder variiert worden. In der Regel starten wir jeden ersten Samstag im Monat ab Nachtigällchen. Der zweite Treffpunkt ist das Rathaus in Langerwehe. Es kommt vor, dass wir am Nachtigällchen zu sechst oder siebt sind und in Langerwehe nochmal 20 bis 25 Personen dazu kommen. Danach geht es weiter über Echtz, Birkesdorf, Arnoldsweiler, Buer und Bachem. Am Kölner Toyota-Werk überqueren wir die A4 und kommen am Decksteiner Weiher aus. Über Köln-Lindenthal geht es weiter bis zum Dom. Dort machen wir eine Pause, bevor es zum obligatorischen Gruppenfoto auf der anderen Rheinseite geht. Das Foto mit dem Dom im Rücken ist eine alte Tradition, die seit Gerd Lützeler besteht.

Sie werden bei der nächsten Tour am Samstag, 6. September, die Marke von 100.000 Euro an gesammelten Spenden knacken. Ist in diesem Zusammenhang etwas Besonderes geplant?

Meier: Wir werden im Vorfeld alle bisherigen Teilnehmer, von denen wir eine E-Mail-Adresse besitzen, anschreiben und auf diese besondere Tour aufmerksam machen. Wir könnten also eine große Gruppe werden. In jedem Fall werden wir von Vertretern der Stiftung in Köln empfangen. Auch der Sportinformationsdienst wird vor Ort sein und über unser Engagement berichten.

Was ist bisher konkret mit den Spenden passiert?

Meier: Wir haben die Zusicherung, dass das gesamte Geld ohne Abzüge dem mexikanischen Waisenhaus „Casa de Cuna“ in Querétaro zu Gute kommt. Im Jahre 2008 konnten wir mit 22 Mitgliedern der Gruppe das Waisenhaus besuchen – eine beeindruckende Erfahrung. Nachdem die Heimleitung uns Fotos präsentierte, die die Fortschritte dort dokumentieren, glauben wir, dort wirklich etwas bewirkt zu haben. Allerdings wird auch immer wieder die Frage diskutiert, ob die Spenden nicht gesplittet werden sollten, um auch andere Hilfsprojekte unterstützen zu können.

Wie oft sind Sie persönlich schon nach Köln gefahren? Wer zählt den Rekordhaltern?

Meier: Ich bin schon 93-mal mitgefahren. Über 100-mal dabei waren „Männ“ Moers (165 Fahrten), Norbert Steffens (113 Fahrten), Josef Schmitz (110 Fahrten) und Gabi Weber (109 Fahrten).

Wissen Ihre Schüler in Jülich von den sportlichen und sozialen Aktivitäten ihres Lehrers?

Meier: Ja, wissen sie. Es gab durchaus Schüler, die Interesse bekundet haben, aber leider ist es von Jülich aus schwierig, eine Tour mitzufahren. Auch das Kollegium hat mich immer wieder unterstützt. Unsere Kalenderaktionen mit Aufnahmen des Waisenhauses finden dort immer wieder Abnehmer.

Haben Sie sich schon überlegt, wie lange Sie noch den Weg nach Köln auf sich nehmen wollen?

Meier: Nein, daran habe ich noch keine Gedanken verschwendet. Solange ich noch in die Pedale treten kann, werde ich mitfahren. Wie man an unserer Gruppe sieht, bleiben die Menschen immer länger fit. Außerdem werden immer häufiger E-Bikes bei uns gesichtet.

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