Heinz-Dieter Fammels: Schutzmann an der Ecke aus Leidenschaft

Von: Ottmar Hansen
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Heinz-Dieter Fammels sorgt als Bezirksbeamter der Polizei für Recht und Ordnung. Er ist Ansprechpartner für die Einwohner in seinem Bezirk, muss aber auch schon einmal Temposündern ins Gewissen reden. Foto: O. Hansen

Stolberg. Viele Auto- und Motorradfahrer gehen unwillkürlich auf die Bremse, wenn sie Heinz-Dieter Fammels in seiner Uniform auf dem Bürgersteig der Raiffeisenstraße in Breinig entdecken. Der Bezirksbeamte der Polizei ist in seinem Revier auf Tour. Und er hat alles im Blick.

Bei Temposündern oder Falschparker kann es durchaus auch schon einmal ein Knöllchen geben. Doch an diesem Morgen geht es zunächst um die „Rettung“ eines kleinen Pudels. Die Kundin eines Einkaufsmarktes läuft dem Streifenpolizisten aufgeregt entgegen: „Da hat jemand seinen Hund alleine im abgeschlossenen Auto zurückgelassen und ist dann ungerührt zum Einkauf gegangen. Wenn die Sonne den Wagen aufheizt, kann das das Todesurteil für den Hund sein.“

„Ich kümmere mich darum“, beruhigt der 54-Jährige die aufgeregte Dame. Fammels sieht sich besagtes Auto näher an. Alle Fenster sind relativ weit geöffnet. Dem kleinen Vierbeiner im Wagen scheint es bestens zu gehen. Der erfahrene Polizeibeamte sieht vielmehr ein anderes Problem: „Die Fenster sind so weit geöffnet, dass ein Dieb leicht hineingreifen und den Wagen leer räumen kann.“ Während Fammels beschließt, den Halter des Wagens ausfindig zu machen, kommt dieser bereits wieder zu seinem Auto zurück. „Der Einkauf hat doch nur wenige Minuten gedauert“, entschuldigt sich der Mann. Eine Ermahnung muss er sich dennoch gefallen lassen. Und außerdem die Aufforderung: „Führerschein und Fahrzeugschein bitte.“ Ein Blick in die Papiere kann nicht schaden. Sicher ist sicher.

Keine Pflicht

Ein junger Fahrradfahrer nutzt die Tour des Bezirksbeamten durch den Ort und spricht den Polizei-Hauptkommissar ebenfalls an: „Ist das Tragen eines Fahrradhelmes für Kinder Pflicht?“ Heinz-Dieter Fammels kennt die Antwort: „In Deutschland gibt es noch keine Helmpflicht für Fahrradfahrer. Trotzdem sollten sie besser einen tragen, schon aus Sicherheitsgründen. Um ihren Kopf bei einem Sturz zu schützen.“ Der Bezirksbeamte gibt auch Fahrradunterricht an den Grundschulen in seinem Bezirk. „Kinder ohne Helm dürfen nicht mitmachen.“

An der Raiffeisenstraße wartet Karl-Heinz Kleinlein auf „Kundschaft“. Zur Schulzeit muss er als Schülerlotse die Kinder über die viel befahrene Straße geleiten. „Hier muss ein Schülerlotse stehen, bei diesem Verkehr“, sagt Heinz-Dieter Fammels. Und beginnt ein Schwätzchen mit dem Verkehrshelfer. Man kennt sich. Kleinlein steht schließlich auch an anderen Straßen im Zuständigkeitsbereich des Bezirksbeamten. Heinz-Dieter Fammels wurde vor einem Jahr zum Bezirksbeamten ernannt, er hat einen großen Bezirk mit fast 10 000 Einwohnern zu betreuen. Das Gebiet umfasst die Ortsteile Breinig, Breiniger Berg, Zweifall und Venwegen. „Ich versuche, überall Präsenz zu zeigen“, sagt Fammels. Sein „Standort“ ist die Polizeiwache in Vicht. Den kleinen Raum in der Wache teilt er sich mit PHK Peter Jussen, der für Vicht, Mausbach, Werth, Gressenich und Schevenhütte zuständig ist. Jussen wird nächstes Jahr im Alter von 62 Jahren in Pension gehen. Ob es Ersatz gibt? Das weiß derzeit noch niemand. Fammels: „Die geburtenstarken Jahrgänge gehen bei der nordrhein-westfälischen Polizei in Rente. Es kommen weniger nach.“

Fammels und Jussen teilen sich derzeit auch einen Polizeiwagen. Ohne Auto wäre das große Einsatzgebiet nicht zu betreuen. „Wir wollen uns schließlich in jedem Ortsteil regelmäßig sehen lassen“, sagt Fammels. Auch wenn in einem ländlichen Bereich die Kriminalität nicht so hoch ist wie etwa in einer Großstadt, es gibt immer etwas zu tun. Bevor Heinz-Dieter Fammels an diesem Morgen in Breinig auf Streife geht, muss er noch einen Haftbefehl zustellen. Die Empfängerin hat etliche Bußgelder nicht bezahlt und soll nun ersatzweise für kurze Zeit in Haft genommen werden. Offenbar hat die Verkehrssünderin den Polizeibesuch geahnt, sie macht jedenfalls die Türe nicht auf.

Das Aufgabenrepertoire des Bezirksbeamten ist vielseitig: Da kommt es zu häuslichen Gewaltszenen. „Der Mann wird in diesen Fällen in der Regel des Hauses verwiesen. Ich rede ihm ins Gewissen“, so Fammels. Oder Einbrecher sind auf Tour. Die Opfer sind oft traumatisiert. Fammels: „Der Bezirksbeamte muss sich um sie kümmern. Ihnen weiter gehende Hilfe vermitteln.“

Bei Festumzügen der Schützenvereine oder Laufveranstaltungen sichern Bezirksbeamte die Strecke durch den Ort, bei Fußballspielen müssen manchmal Fan-Gruppen getrennt werden. Auch die Verkehrsüberwachung gehört zum Aufgabengebiet Fammels. Gelegentlich geht er mit dem Laser-Gerät auf Raserjagd in den Tempo-30-Zonen vor Schulen und Kindergärten. Fammels: „Jeder weiß zwar eigentlich, dass er sich an Recht und Ordnung zu halten hat, aber manchmal muss man den Einen oder Anderen noch einmal daran erinnern.“ Ein besonderer Schwerpunkt bleibe in diesem Punkt die Ecke Jägerhausstraße/Werkstraße in Zweifall, die regelmäßig von Schulkindern passiert werden muss. „Gottseidank ist hier noch nichts passiert“, betont Fammels.

Es ist die Vielseitigkeit des Jobs als „Schutzmann an der Ecke“, die Heinz Dieter Fammels so viel Freude bereitet. „Man wird angesprochen, kommt mit den Leuten in Kontakt.“ Den Spaß am Berufsbild hat der 54-Jährige seiner Tochter weiter gegeben, sie ist auch in den Polizeidienst gegangen. Eine Entwicklung findet Fammels allerdings bedauerlich: „Ich bin noch in Zeiten groß geworden, da war das, was ein Polizist sagte, amtlich. Heute setzen sich immer mehr Menschen einfach über die Anordnungen hinweg. Als zählten sie nichts mehr.“

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