Heinrich-Heimes-Brücke: Tiefbauamt will auf Neubau verzichten

Von: Jürgen Lange
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Aus Sicht der Verwaltung verzichtbar, aus Sicht von KME unverzichtbar: Die Heinrich-Heimes-Brücke auf der Mühle soll nur noch als Fußgängerbrücke neu gebaut werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Seit mittlerweile zehn Jahren doktort und plant die Stadt Stolberg an der Sanierung der maroden Heinrich-Heimes-Brücke auf der Mühle herum. Zuletzt im Oktober 2008 hatte der Bauausschuss die mittlerweile in langen Verhandlungen mit der Wasserbehörde abgestimmten Planung erneut einstimmig bestätigt.

Doch am kommenden Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung das Aus für den Neubau einer verkehrstüchtigen Brücke über die Vicht beschließen. „Die Heinrich-Heimes-Brücke ist aus Sicht der Verwaltung für den Kfz-Verkehr entbehrlich”, erklärt Andreas Pickhardt. Einen wichtigen Bedarf kann der Fachbereichsleiter nur als Verbindung für Fußgänger und Radfahrer erkennen.

Deshalb soll die Heinrich-Heimes-Brücke eine Zukunft nur als Fußgängerbrücke haben. Und „für den Kfz-Verkehr liegen die Brücken Frankentalstraße und Europastraße nur 345 Meter auseinander, deshalb ist es möglich die Heinrich-Heimes-Brücke nur noch als Fußgängerbrücke auszubilden”, so Pickhardt weiter.

Hintergrund des Vorschlages ist die Insolvenz der Stadt Stolberg. „Aufgrund der Finanzsituation sind alle Ausgaben zu hinterfragen und Einsparpotentiale auszuschöpfen”, erläutert Pickhardt. Und durch einen Verzicht auf einen verkehrsgerechten Ausbau der Mühlener Brücke erwartet die Verwaltung 387.000 Euro einsparen zu können.

Das ist die Differenz zwischen den inzwischen nach neuer Kalkulation von 440.000 auf 545000 Euro angewachsenen Baukosten einer neuen Straßenbrücke und der billigsten Variante einer Fußgängerbrücke aus Aluminium: Die wird inklusive Abriss des Nachkriegsbauwerkes (88.000 Euro) mit 158.000 Euro kalkuliert; bei einer Ausführung in Granit lägen die Kosten bei 285.000 Euro.

Nicht eingerechnet hat die Verwaltung dabei erforderliche Anpassungsarbeiten an der Einmündung der Hermannstraße, wo außerdem eine Wendemöglichkeit für den Autoverkehr geschaffen werden müsste. Im Haushalt stehen für das laufende Jahr nur noch Mittel in Höhe von 147.004,03 Euro zur Verfügung; das übrige Geld - die Kosten waren mit 440.000 Euro kalkuliert - hat offensichtlich zur Deckung anderer Ausgaben gedient.

Anders als in der Vorlage des Fachbereichsleiters zusammengefasst, spricht sich die Grundschule Hermannstraße gegen eine Reduzierung auf eine Fußgängerbrücke aus: „Aus unserer Sicht sollte die Heinrich-Heimes-Brücke zu Schulbeginn und zum Ende des Unterrichtstages für den Autoverkehr weiter freigegeben sein”, formulierte Renate Krickel. Die Rektorin befürchtet, dass ohne Auto-Passage über die Vicht die Eltern ihre Kinder bis vor das Schultor chauffieren und ein fehlender Wendehammer in der Eschweilerstraße zu unübersichtlichen Verkehrssituationen führen würde.

Während Polizei und Feuerwehr keine Bedenken zum Rückbau der Autobrücke haben, wischt das federführende Tiefbauamt die Bedenken aus dem Planungsamt vom Tisch. Die planende Verwaltung sieht „die Erschließung des Stadtteils Mühle erschwert”.

Im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung - die Zweckbindung der Landesförderung reicht bis September 2016 - sei die Anfang der 90er Jahre errichtete Durchfahrsperre eigens wieder aufgehoben worden, um die „Erreichbarkeit des Viertels zu verbessern und einer Verödung entgegenzuwirken”. Außerdem weist das Planungsamt auf die Problemlage des Stolberger Metallwerks der KME hin: Sie könnte ihr Werksgelände dauerhaft nur noch über die Frankentalstraße erreichen, die nicht für Schwermetall geeignet sei.

Zudem gerate der (Schwerlast-) Verkehr in ein Viertel von Stichstraßen ohne geeignete Wendemöglichkeiten. „Die Erschließung der KME über die Frankentalstraße war ursprünglich nur als Übergangslösung bis zum Abschluss der Sanierung der Heinrich-Heimes-Brücke gedacht”, mahnt Planungschefin Nicole Dürler an.

Bedenken, die das Tiefbauamt vom Tisch fegt: „Die Erschließung der KME und des gesamten Bereiches ist bis jetzt problemlos”, erklärt Andreas Pickhardt. Denn die Heinrich-Heimes-Brücke ist (Anm. d. Red.: seit April 2006 aufgrund der Baufälligkeit) auf 12 Tonnen beschränkt, die Sperrung der Brücke für Kfz entspreche dem ursprünglich geförderten Ziel der Wohnumfeldverbesserung, und mit der derzeitigen Sanierung von Brücke und Fahrbahn könne die Frankentalstraße Schwerlastverkehr aufnehmen. Im Übrigen sei ein Wendeplatz an der Hermannstraße geplant.

Mit dem werden die Sattelzüge, die die KME anfahren müssen, allerdings wenig anfangen können, und pikanterweise fehlt in der Vorlage die Stellungnahme des Metallwerks. „Dem Plan, die Brücke als Fußgängerbrücke zu erneuern, muss KME widersprechen”, betont Werkleiter Leo Bergstein. Denn die heutige Verkehrsführung für den Werksverkehr sei keine Lösung, geschweige eine auf Dauer. Bergstein erinnert die Stadt an ihre Zusage aus dem Jahr 2006, dass die aufgrund Baufälligkeit erfolgte Sperrung der Heinrich-Heimes-Brücke nur ein Provisorium sei.

Bei der Konzentration der Produktionsstätten des Metallwerks an der Kupfermeisterstraße war ein Materialfluss gestaltet worden, der eine Zufahrt über die Mühlener Brücke und eine Ausfahrt über die Frankentalstraße vorgesehen hatte. Mittlerweile fahren die Lkw über die Frankentalstraße ins Werk über die Eschweiler- und Birkengangstraße ab. Bergstein: „Das kann weder für uns noch für die Anlieger eine zufriedenstellende Situation sein”, verweist der Werkleiter auf die Fahrversuche mit Lkw Anfang 2005. Das Metallwerk pocht auf die Zusagen der Stadt zur ordentlichen Sanierung der Heinrich-Heimes-Brücke.

Die Stellungnahme der KME wird die Verwaltung sicherlich noch zur Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr am 25.Februar sowie des Bauausschusses am 24.März nachreichen. Allerdings hatten genau diese beiden Gremien mit einem Beschluss im April 2006 die Verkehrsbedeutung der Heinrich-Heimes-Brücke für die Erschließung des Viertels sowie des Unternehmens ausdrücklich bejaht und den Erhalt als Kfz-Verbindung beschlossen, um formal den Weg für einen Neubau freizumachen.
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