Heimliche Hauptstadt der Blechschäden

Von: Lukas Franzen
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Seit Jahren steigt die Zahl verunglückter Radfahrer. Mit drastischen Beispielen, wie hier auf dem Wochenmarkt am Jordanplatz, will die Polizei auch künftig über die Gefahren aufklären. Foto: L. Franzen

Stolberg. 20 Prozent mehr Unfälle in Stolberg als im Vorjahr und eine Unfallzahl, die es in der Stadt seit mindestens acht Jahren nicht mehr gegeben hat: Auf Stolberg projiziert, wirkt die Unfallstatistik, die die Polizei jetzt für die gesamte Städteregion bekanntgab, alarmierend.

Doch ein detaillierter Blick auf die Zahlen verrät: Der extreme Anstieg von 1398 (2013) auf 1677 (2014) Verkehrsunfälle resultiert vor allem aus Unfällen mit Sachschäden – die Kupferstadt als heimliche Hauptstadt der Blechschäden. Aber schwere Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen (oder sogar starben), sind in Stolberg dagegen rückläufig.

Während im Jahr 2013 ein Mensch starb, kam 2014 niemand auf Stolberger Straßen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Auch die Anzahl von Schwerverletzten sank von 29 auf 23. Ein erfreuliches Rekordtief, das nicht nur einen Rückgang um 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, sondern auch den positiven Trend der vergangenen Jahre bestätigt (siehe Box).

Was die rückläufigen Zahlen bei den Verkehrstoten und Schwerverletzten angeht, korrespondiert die Entwicklung in Stolberg mit dem Zehn-Jahres-Plan der Aachener Polizei, der eine Halbierung der Unfälle mit Schwerverletzten und Toten zwischen 2004 und 2014 vorsah. Bei den Verkehrstoten wurde das Ziel auf dem Gebiet der heutigen Städteregion mit einem Rückgang um exakt 50 Prozent erreicht. Und dennoch müsse natürlich weiterhin gelten: „Jeder Tote ist einer zu viel“, so Polizeipräsident Dirk Weinspach. Die Zahl der Schwerverletzten ging in den vergangenen zehn Jahren immerhin um rund 38 Prozent zurück.

Gegen den Trend

Entgegen des positiven Zehn-Jahres-Trends stiegen die Unfallzahlen in der Städteregion zwischen 2013 und 2014 jetzt aber wieder an. Es gab 100 Prozent mehr Verkehrstote (acht statt vier) und 7,35 Prozent mehr Schwerverletzte (292 statt 272). Die Unfallstatistik liest sich aus Stolberger Sicht damit noch erfreulicher, da sich die Stadt mit ihrem 20-prozentigen Rückgang der Schwerverletzten-Zahl in einer Reihe mit Städten wie Monschau (-20), Eschweiler (-11,90), Würselen (-26,32), Herzogenrath (-63,16) und Baesweiler (-20,41) wiederfindet, in denen die Unfälle dieser Kategorie gegen den Trend abnahmen. In Aachen (+24,56), Alsdorf (+24,43), Baesweiler (+100), Monschau (+11,11), Roetgen (+150), Simmerath (+36,84) stiegen die Unfälle mit Schwerverletzten zwischen 2013 und 2014 dagegen teilweise deutlich an.

Mehr verunglückte Kinder

Negativ schlagen in der Stolberger Unfallstatistik dagegen die Unfälle mit verunglückten Kindern zu Buche. Sechs Kinder mehr als im Vorjahr (19 statt 13) wurden bei Verkehrsunfällen verletzt – ein Plus von 46,15 Prozent. Neunmal seien die Kinder selbst Schuld an dem Unfall gewesen, teilt die Polizei mit. Zugenommen haben auch die Schulwegunfälle, wenn auch auf niedrigem Niveau. Während sich 2013 ein Unfall dieser Kategorie ereignete, waren es im Vorjahr zwei Unfälle. Zu den so genannten „schwachen Verkehrsteilnehmern“ zählt die Polizei neben Kindern unter anderem auch Fahrrad- und Motorradfahrer sowie Fußgänger im Allgemeinen. Und auch hier stiegen die Unfallzahlen. 19 statt 13 Fahrradfahrer verunglückten im Vorjahr.

Davon lag die Schuld laut Polizei elfmal bei den Fahrradfahrern selbst. Die Zahl verunglückter Fußgänger stieg von 23 auf 27 (+17,39), die Zahl verunglückter Kradfahrer sogar um 55 Prozent von neun auf 14.

Prävention und Repression

Weil die steigenden Zahlen verunglückter Kinder, Radfahrer, Fußgänger im Allgemeinen und Kradfahrer nicht nur in Stolberg, sondern in der gesamten Städteregion steigt, kündigte die Aachener Polizei bei der Vorstellung ihrer Statistiken an, in diesen Bereichen Prioritäten setzen zu wollen. „Dabei setzen wir weiterhin auf Prävention und Repression“, so der Polizeipräsident. Weil Smartphones das Auto zunehmend zum „Multimediagerät“ machen würden, seien viele Autofahrer abgelenkt, wodurch es zu zahlreichen, und gleichsam vermeidbaren Unfällen käme, ergänzte Bernhard Kleefisch, Leiter der Polizeidirektion Verkehr. Nicht nur bei abgelenkten, sondern auch bei zu schnellen Autofahrern will die Polizei künftig durch Kontrollen ein Umdenken erwirken. Den Kampf angesagt hat sie auch Fahrern, die unter Drogen- und Alkoholwirkung stehen. Gleichzeitig kündigte die Polizei an, ihr Präventionsangebot an Schulen ausweiten zu wollen, um Kinder und Eltern für das Thema Verkehrssicherheit zu sensibilisieren. Und dies, so Kleefisch, fange bereits bei der Kleidung der Kinder an. „Reflektoren gelten als uncool. Die Kleidung der Kinder wird nach modischen Aspekten ausgesucht. Aber Kinder müssen erkennbar sein“, sagte Kleefisch.

„Bonussystem“ für Schüler

Eine Art „Bonussystem“, das die Polizei an den ersten Grundschulen eingeführt hat, soll nun sensibilisieren und gleichzeitig belohnen. An Schüler, die sich mit einer Sicherheitsweste schützen, verteilt die Polizei „Fleißkärtchen“. Fünfmal geschützt bedeutet ein Mal hausaufgabenfrei. 

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