Heimes-Brücke muss auf ihren Neubau warten

Von: Jürgen Lange
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Seit 16 Jahren ein Thema: Der Neubau der Heinrich-Heimes-Brücke verzögert sich weiter. Foto: J. Lange
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Beim Hochwasser 2014 fehlte nicht viel bis zur Überflutung. Foto: J. Lange

Stolberg. Es liegt nur drei Jahre zurück, dass Stadtbrandinspektor Herbert Wiese an der Mühle einen sorgenvollen Blick auf den Bach warf. Die Vicht kratzt mit den Spitzen ihrer Wellen an dem Unterbau der Heinrich-Heimes-Brücke. Am Offermann-Platz in Oberstolberg fehlt nur eine Handbreit bis zur Spitze der Ufermauer und zur Überschwemmung der Altstadt.

Das Bächlein, das in diesen Tagen so harmlos vor sich hin plätschert, birgt latent eine Hochwassergefahr. Theoretisch alle 20 Jahre droht der Innenstadt eine Überflutung. Denn ab einem – rechnerisch gesehen – alle 20 Jahre eintretenden Hochwasser entstehen erste Schäden in Stolberg.

Die lassen sich auch in Zahlen ausdrücken: Bei einem 50-jährlichen Ereignis rechnet der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mit Schäden in Höhe von 13,4 Millionen Euro, bei einem 100-jährlichen mit 19,7 Millionen, bei einem 200-jährlichen mit 35 und bei einem extremen, also statistisch nicht mehr berechneten, Hochwasser mit 87,6 Millionen Euro.

Diese Zahlen sind allerdings bereits neun Jahre alt. Im Nachgang zu den Überschwemmungen im September 2007 hatte die Stadt den WVER zu einer Sondersitzung der zuständigen Fachausschüsse gebeten. Seitdem arbeiten die Wasserbauingenieure an Lösungen für die Hochwasserproblematik. Die sind auch fast gefunden.

Der WVER möchte am unteren Bachlauf Stauraum schaffen. Ein Rückhaltevolumen von 1,2 Millionen Kubikmeter sind erforderlich, so die Berechnungen. Das entspricht etwa der Größe des Stausees in Heimbach. 14 unterschiedliche Becken mit ungesteuerten Drosseln wurden untersucht. Als hydrologisch wirksam gelten zwei Becken: eins mit einem Fassungsvolumen von 825.000 Kubikmetern unterhalb von Rott und ein 405.000 Kubikmeter fassendes Becken unterhalb von Mulartshütte.

Aber für eine Realisierung fehlt nicht nur der erforderliche Grunderwerb, sondern die hydrologischen Berechnungen müssen wiederholt werden. Der Deutsche Wetterdienst hat Ende vergangenen Jahres neue Basis-Daten herausgegeben: eine aktuelle Auswertung der Starkniederschläge in der Region. Frühestens zum Ende des nächsten Jahres wird der WVER eine Planung den Genehmigungsbehörden vorlegen können. Die Untere Wasserbehörde bei der Städteregion hat jetzt aber auch dem Vorhaben der Stadt einen Riegel vorgeschoben.

Die vorgelegten Pläne zum Neubau der Heinrich-Heimes-Brücke sind nicht genehmigungsfähig. Sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Hochwasserschutzes an ein 100-jährliches Ereignis. Das liegt an der aktualisierten Daten-Basis, aber auch an der Dreilägerbachtalsperre. „Ihr Stauvolumen darf nicht mehr beim Hochwasserschutz berücksichtigt werden“, erklärt Tobias Röhm.

„Uns fehlen jetzt 23 Zentimeter“, so der Technische Beigeordnete. Nach der bisherigen Planung beträgt der maßgebende Wasserstand bei einem 100-jährigen Regenereignis 175,98 Meter über Normalnull. Die Wasserbehörde fordere nun auf Basis der neuen einzuhaltenden Berechnungsgrundlagen für den Hochwasserabfluss einen Durchfluss bis zu einer Höhe von mindestens 176,21 Meter über Normalnull.

„Wir prüfen nun, ob und wie wir die Brücke höher legen können“, erklärt Röhm. Aber das ist nicht nur mit Blick auf das Niveau der Straßen, die durch die Brücke erschlossen werden sollen, nicht ganz einfach, sondern stellt auch eine Herausforderung an die Konstrukteure dar. Es ist nicht das erste Mal, dass die Untere Wasserbehörde bei der Erneuerung der Heinrich-Heimes-Brücke ihr Veto eingelegt hat.

2007 hatte die Verwaltung einen frei schwebenden Brückenneubau ohne den heute vorhandenen Mittelpfeiler geplant. Verglichen mit dem heutigen Zustand hätte die Brückenunterkante sogar zehn Zentimeter höher gelegen. Aber diese Verbesserung zählte nicht. Bei der wasserrechtlichen Genehmigung vergleiche die Behörde den Neubau mit dem theoretischen Umstand, dass es gar keine Brücke gäbe, hatte seinerzeit die Stadtverwaltung erklärt.

Sie prüfte eine Verlegung der 60 Meter abwärts liegenden Sohlgleite, entschied sich dann aber für eine neue Planung – wieder mit Mittelpfeiler. Dieser sollte ertüchtigt werden, um die Lasten des Brückenaufbaus tragen zu können. Dadurch sollte die Unterkante der Brücke um 68 Zentimeter gegenüber der vorherigen Planung angehoben und somit der geforderte Querschnitt für das 100-jährliche Hochwasser geschaffen werden.

Frühestens im kommenden Jahr

2008 sollte der mit rund 450.000 Euro kalkulierte Neubau ausgeschrieben werden – was nicht geschah. Zwei Jahre später plädierte die Verwaltung aus Kostengründen – sie wurden mittlerweile auf 520.000 Euro geschätzt – für einen Verzicht auf die Sanierung. 2012 – elf Jahre nachdem die Gutachter dem Bauwerk mangelnde Standfestigkeit bescheinigt hatten – folgte der Fachausschuss dem Vorschlag: Poller unterbinden seitdem die Überfahrt.

Das hatte Konsequenzen für den Stadtteil: Eine nachhaltige Abwärtsentwicklung setzte ein und bewirkte ein Umdenken. Im August 2015 drängten CDU und SPD, die Heinrich-Heimes-Brücke doch neu zu bauen. 815.000 Euro wurden für Planung und Bau bereitgestellt. Im vergangenen Herbst wurde der Entwurf präsentiert: Der vorhandene Überbau soll komplett, die Widerlager und der Mittelpfeiler bis auf die alten Fundamente abgetragen, die neue Brücke mit neuem Mittelpfeiler aus Fertigteilen hergestellt werden. Im Vorgriff auf den Neubau wurde eine provisorische Medienbrücke für die Leitungen der Versorgungsträger installiert, während an der Ausführungsplanung gefeilt wurde.

Aber die für den Sommer erwartete Ausschreibung und der Baubeginn im Herbst sind im wahrsten Sinne des Wortes „den Bach heruntergegangen“, da die Genehmigung durch die Untere Wasserbehörde aussteht. Frühestens im kommenden Jahr kann mit einer genehmigungsfähigen Planung gerechnet werden.

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