Heftiger Schneefall beschäftigt Betriebsamt rund um die Uhr

Von: Juliane Kern und Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
schneefall
Pulverweise Grund zur Freude: Für die Schneemannbauer können die weißen Massen gar nicht lang genug liegen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Georg Paulus, Leiter des technischen Betriebsamtes, setzt seine Hoffnung in den Mittwoch. Dann sollen die Temperaturen deutlich über null Grad steigen und die Schneemassen tauen.

Seine Mitarbeiter könnten dann seit Tagen wieder einmal ausspannen. Seit Freitag sind sie fast ununterbrochen im Einsatz, um die Straßen im Stadtgebiet von Schnee und Eis zu befreien.

„Ein Fahrer von uns hat in diesen paar Tagen schon 27 Überstunden geleistet”, erzählt Paulus. Um vier Uhr in der Frühe beginnt für die Mitarbeiter der Dienst, über Mittag werden die acht Räumfahrzeuge gewartet, bevor dann am Abend der nächste Einsatz fällig wird. Und manchmal müssen die 60 Mitarbeiter des technischen Betriebsamtes auch noch zwischendurch ausrücken, um das Unfallrisiko auf Stolbergs Straßen zu reduzieren.

Von Unfällen betroffen waren in den vergangenen Tagen vor allem Fußgänger. „Durch den erneuten Wintereinbruch hatten wir mehr Handgelenks- und Sprunggelenksfrakturen, weil die Leute auf glatten Gehwegen ausgerutscht sind”, sagt Johanna Heiligtag, Krankenschwester in der chirurgischen Ambulanz des Bethlehem-Krankenhauses.

Und Assistenzarzt Attila Lengel ergänzt: „Ich musste kurz hintereinander drei Patienten behandeln, die auf frisch geschipptem Boden ausgerutscht sind. Ein Patient kam sogar mit schweren Gesichtsverletzungen in die Ambulanz.”

Die Gefahr zu stürzen schreckt gerade ältere und gebrechliche Menschen davon ab, das Haus zu verlassen. So hat das Alten- und Pflegeheim Maria im Tann in Venwegen schon Ausflüge nach Aachen oder Monschau abgesagt, und auch Spaziergänge scheuen viele Senioren. „Dafür bieten wir aber mehr Aktionen im Haus an”, sagt Andrea Keutgen, Leiterin der sozialen Betreuung. Zum Beispiel Filmabende mit den Klassikern von Heinz Ehrhardt und Heinz Rühmann oder Hausmusik. Und auch die Bewegung kommt nicht zu kurz.

Um Stürzen vorzubeugen, hat das Venwegener Seniorenheim extra ein Kraft-Balance-Training eingeführt. Das ergänzt in diesem kalten, schneereichen Winter Bewegungsangebote wie Gymnastik oder Kegeln. Auch wenn sie jetzt seltener das Haus verlassen, können viele Bewohner des Heimes so dem Winter etwas Positives abgewinnen. „Und der Blick aus dem Fenster in den verschneiten Park weckt Kindheitserinnerungen”, erzählt Keutgen.

Die dürften sich kaum von denen unterscheiden, die Kinder im Stadtgebiet einmal an den Winter 2010 haben werden. Zum Beispiel die Schüler der Grundschule Zweifall. So hat eine Klasse am Montag bei einer Schneewanderung Tierspuren untersucht, eine andere Klasse hat sich mit den verschiedenen Aggregatzuständen beschäftigt, die Wasser annehmen kann. „Hier dreht sich im Moment alles um den Winter”, erzählt Leiterin Monika Braune.

Das ist auch in der städtischen Kita Mausbach nicht anders. Dort konnten es die Kleinen kaum erwarten, den Hügel im Garten der Einrichtung hinunterzurutschen. Ob mit einer Plastiktüte, einem Bob oder Schlitten. „Damit das Gedränge nicht zu groß ist, gehen die Gruppen abwechselnd nach draußen”, sagt Kita-Leiterin Margit Simons. Die Sicherheit geht aber auch hier vor: Jeden Morgen, noch bevor die ersten Kinder in die Kita strömen, bricht eine Erzieherin die Schneebretter vom Dach des Hauses ab. So kann sich keine Lawine lösen.

Wie für die Mitarbeiter des Krankenhauses, der Kitas und des Betriebsamtes bedeutet dieser Winter auch für die Kfz-Werkstatt von Günter Derichs in Münsterbusch mehr Arbeit. „Wir haben zurzeit zehn bis zwanzig Prozent mehr zu tun”, sagt Derichs. Damit die Fahrzeuge schnell wieder einsatzbereit sind, schieben die Mitarbeiter des Familienunternehmens auch Extraschichten. „Wir fangen dann eben eine Stunde früher an und hören eine Stunde später auf.”

Typische Probleme: Die Batterie versagt, oder Nässe setzt sich in den Bremsen fest und friert dort fest. Größere Probleme bereitet der Winter manchen Lkw und Nutzfahrzeugen. Das salzhaltige Spritzwasser lässt Messingstecker oxydieren. „Die rosten dann einfach weg”, sagt Derichs.

Aber dieses Problem dürfte sich - ob der Winter nun am Mittwoch Abschied nimmt oder nicht - bald von alleine lösen. Schließlich schrumpfen die Salzvorräte überall zusammen. „Die Lieferungen kommen sehr spärlich. Deshalb sind wir schon jetzt dazu übergegangen, das Streusalz mit Split zu mischen”, erklärt Georg Paulus. So werde auf den schneeglatten Straßen mehr Griff erzeugt, gleichzeitig bleibe die schneeschmelzende Wirkung aber erhalten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert