Stolberg-Breinig - Haverkamp hat einen Freund mitgebracht

Haverkamp hat einen Freund mitgebracht

Von: Heike Eisenmenger
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Nicht umsonst heißt das Progr
Nicht umsonst heißt das Programm „Wendelin Haverkamp und Freunde”: Der Gaststar Haverkamp brachte seinen Freund Erwin Grosche (Bild) mit zum „Kabarett in Breinig”. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg-Breinig. Es fehlen nur die Pantoffeln unter der Couch - dann könnte man glatt glauben, im heimischen Wohnzimmer zu sitzen. Das hat schon was, wenn im Lokal „Zum Rasch” zu „Kabarett in Breinig” eingeladen wird.

Der Sozialdemokrat Norbert Luffy organisiert die Veranstaltungsreihe in Breinig, die eine feste Fangemeinde hat - ganz unabhängig von der politischen Überzeugung.


Die „Bühne” besteht aus einem schwarzen Vorhang, der den Saal abteilt. Die Akteure auf der Bühne sind Wendelin Haverkamp und Erwin Grosche. Für Wendelin Haverkamp ist der Auftritt ein Heimspiel, der Wahlaachener hat bereits mehrfach in Breinig gespielt. Grosche aber tritt zum ersten Mal in dem Breiniger Lokal auf. „Den habe ich doch im Fernsehen in Mitternachtsspitzen gesehen”, wispert die Frau von gegenüber. „Ja, ich habe ihn auch gesehen”, raunt ihre Bekannte zurück. Soll noch mal einer sagen, Breinig sei provinziell.


Und Breinig ist innovativ, da braucht man nur das Konzept des Kabarettabends als Beispiel zu nehmen. Rund 50 Gäste sitzen in dem abgetrennten Sälchen, und das ist irgendwie gemütlich, so nah beisammen. Jeder ist jedem nah. Die Zuschauer sind einander nah, die Künstler den Zuschauern und die Zuschauer den Künstlern.
Wer nur ein kleines bisschen aufgeschlossen ist, hat gute Chancen, echt nette Leute kennenzulernen. Und wenn denn nicht, dann lacht man sich eben für sich alleine schlapp.

Anlass dazu geben die beiden Kabarettisten genug. Haverkamp und Grosche so unmittelbar agieren zu sehen, ist spannend. Nicht die kleinste Schweißperle entgeht einem, die erste Reihe ist kaum einen Meter entfernt.

Normalerweise sind Bühnen leicht erhöht. „Wir haben keine klassische Bühne, hier ist alles ebenerdig, Künstler und Zuschauer sind auf Augenhöhe”, sagt Wirt Manfred Blumberg. Die Reaktionen in den Gesichtern der Zuschauer ablesen zu können und auch umgekehrt, schafft eine fast schon intime Atmosphäre.

Der Grimme-Preisträger Haverkamp und Grosche, der mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde, sind köstlich unterhaltsam. Die Ausstattung ist minimalistisch und trotzdem ist das Zwerchfell unter Dauerbeschuss. Intelligente Wortakrobatik mit einem gehörigen Schuss Satire gewürzt. Das, was so erfrischend rüber kommt, ist die tiefere Wahrheit dessen, was Haverkamp und Grosche satirisch verpacken.

Es sind die kleinen, großen Wahrheiten des Lebens. Und manchmal liegt die Wahrheit nur darin, über jemanden lachen zu können, ohne sich gleich schuldig fühlen zu müssen. Und sich an die eigene Nase zu packen. Auch das entbehrt nicht einer feinen Ironie. Das Ablästern über Nervtöter wie etwa hoch motivierte Fahrradfahrer, die alles über einen Haufen fahren, ist gut für den Gemeinschaftssinn. Haverkamp erläutert die Vielseitigkeit im Sport. Nordic-Walking-Stöcke sind zum Beispiel hervorragend dafür geeignet, sie mit Schmackes einem rempelnden Radfahrer über den Helm zu ziehen.

Grosche ist ein anderer Typ Kabarettist, aber das ist auch gut so. Er ist zwar anders, aber ebenfalls urkomisch. Allein schon seine Optik, wie er seine Augen aufreißt, seine Augäpfel rollt und das Gesicht verzieht, lässt einen losprusten. Der Paderborner ist zwar an Zentimetern ein eher kleiner Mann, der aber auf der Bühne zu einem großen wird. Umwerfend ist auch seine Betrachtung über das Älterwerden.


Damit das Alter nicht plötzlich wie eine unheilvolle Lawine über seine Lieben hereinbricht, wird sukzessive der mentale Ausfall geprobt - „damit sich die Umgebung drauf einstellen kann”, erklärt Grosche, der auch als Filmemacher und als Schauspieler arbeitet. „Sagen Sie immer wieder mal etwas völlig Sinnfreies. So wie Günter heißt im Winter Walter!”, rät der Kabarettist. „Sie werden plötzlich ganz anders wahrgenommen - und wissen anschließend, ob Sie wirklich Freunde haben.”

Bin ich schon alt? Hat mich das Alter schon erwischt? Mit dieser Frage beschäftigt sich Grosche bei seinem Auftritt in Breinig eingehend. Es gibt einen einfachen Test, um herauszufinden, ob man noch jung ist - „einfach WDR 4 einschalten.”

Die Schlager, die dort gespielt werden, sind die Messlatte dafür, ob der mentale Alterungsprozess schon begonnen hat. „Die Musik, die auf WDR 4 gespielt wird, finde ich furchtbar. Noch. Sollte ich aber eines Tages anfangen, mitzusummen, dann weiß ich - jetzt bin ich alt.” Aber eines dabei ist tröstlich: „Man vergisst, dass man WDR 4 früher blöd fand. Das ist die Gnade des Alters”, sagt Grosche besänftigend. Genial auch sein Lied „Der schönste Tag in meinem Leben”: Grosche singt und begleitet sich dabei auf seinem Akkordeon. Garantiert nicht sinnfrei, aber echt witzig.
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