„Haus in Montevideo” der Theatergruppe Applau begeistert

Von: Esther Kellen
Letzte Aktualisierung:
applaus_bu
Hoffnung für den Professor: Herbert Kraft möchte um Atlantas Hand anhalten. Foto: E. Kellen

Stolberg. Professor Traugott Nägler (Marco Schüller) ist glücklich mit seiner großen Familie, seiner Frau (Karla Preckel) und zwölf Kindern. In seiner Familie hält er ein strenges Regiment, denn Zucht und Ordnung müssen sein in so einer großen Familie, findet er.

Und so müssen die Kinder stets gehorchen und sich gar für die angemessene Strafe, die er ihnen zuteilt, bedanken. Grandios in Szene gesetzt wird das Theaterstück „Das Haus in Montevideo” von der Theatergruppe Applau des Heimat- und Eifelvereins Breinig.

Auf der Bühne des Kulturzentrums Frankental wird so die Welt des Prof. Nägler und seiner Familie lebendig.

So streng der Patriarchmit sich und seiner Familie umgeht, urteilte er einst auch über seine Schwester. Diese war mit 17 Jahren unverheiratet schwanger geworden.

Dieser Zustand schien dem Professor unhaltbar und er verstieß seine Schwester aus der Familie. Inzwischen ist seine eigene älteste Tochter Atlanta (Franziska Fellerhoff) im heiratsfähigen Alter und wird deshalb von ihrem Vater mit Argusaugen bewacht.

Da bringt der befreundete Pastor eine erstaunliche Nachricht: Statt ihre Familie zu enterben, hat die inzwischen verstorbene Schwester der jungen Atlanta eine Erbschaft hinterlassen. Um die Erbschaft anzutreten, müssen Vater, Tochter und Pastor nach in den sonnigen Süden nach Montevideo reisen, wo die Schwester lebte.

Doch die gute Nachricht von der Erbschaft hat ihre Tücken, wie die Beteiligten, besonders der Professor bald mit Schrecken feststellen muss. Nicht nur, dass er das geerbte Haus zunächst für ein Freudenhaus hält.

Es stellt sich auch heraus, dass die „Anstalt” bis zur Volljährigkeit Atlantas weiter betrieben werden muss. Der Pastor findet schließlich heraus, dass es sich bei dem „Etablissement” um eine Versorgungsstätte für heimatlose junge Mädchen zwischen 16 und 21 Jahren handelt.

Die Schwester, die aus zunächst unerfindlichen Gründen reich geworden war, hatte diese aus ihrer eigenen schlechten Erfahrung heraus gegründet. Die Überraschungen nehmen kein Ende für die Familie, denn plötzlich erfahren sie, dass die Erbtante die berühmte Sängerin Maria Marchado war.

Mehrere Hunderttausend Mark

Schließlich kommt der perfide Plan hinter der Erbschaft zu Tage: Atlanta kann mehrere Hunderttausend Mark erben, wenn sie bis zum nächsten Sommer ein uneheliches Kind bekommt. Sollte dies nicht der Fall sein, fällt das Geld wohltätigen Zwecken zu. Der Professor ist verzweifelt und weiß keinen Rat. Soll er seine Tochter opfern, um den anderen Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen? Zum Glück gibt es auch noch Herbert Kraft , einen jungen Ingenieur, der Atlanta heiraten möchte. Er reist ihr sogar nach Montevideo nach, um um ihre Hand anzuhalten. Der Professor schöpft neuen Mut. Warum nicht Suppe und Nachtisch vertauschen, findet er. Herbert könnte doch dafür sorgen, dass Atlanta ein Kind gebärt und sie danach immer noch heiraten.

Was seine Frau von dem Plan hält und besonders, ob seine Tochter sich darauf einlässt, soll noch nicht verraten werden. Denn das spannende und lustige Stück über Moral, Geld und Liebe der Theatergruppe Applaus ist noch zweimal zu sehen.

Wie Profis spielen die Leihendarsteller dieses Stück, das sowohl schauspielerisch als auch sprachlich sehr Anspruchsvoll ist.

Auch den kleinen Schauspielern gilt ein großes Lob, denn sie spielen mit ebenso viel Hingabe und Professionalität wie die großen Darsteller.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert