Harmonische Fusion zweier Chöre

Von: Hans-Leo Recker
Letzte Aktualisierung:
chorfusion-bu
Starker Auftritt: Die Chorgemeinschaft beim letzten Gemeinschaftskonzert der Stolberger Männerchöre im vergangenen Jahr. Foto: H. Recker

Stolberg. Fusionen liegen im Trend. Immer häufiger schließen sich Gruppierungen, Vereine, Institutionen aus unterschiedlichen Gründen zusammen. Das ist auch in Stolberg so, wo etwa Fußballklubs eine gemeinsame schlagkräftige Mannschaft bildeten oder die Pfarren der Innenstadt - wenn auch unfreiwillig - ihre Selbständigkeit aufgeben und sich in eine größere Einheit einbringen mussten.

Langjährige Zusammenarbeit

Jüngstes Beispiel ist die Verschmelzung zweier Männerchöre, des Männergesangvereins (MGV) Vicht und des Chors der Dalliwerke, zu einem neuen, größeren Gesangsensemble.

Dieser Zusammenschluss kam nicht aus heiterem Himmel, vielmehr ging ihm eine langjährige Zusammenarbeit voraus.

Bereits seit Mitte der sechziger Jahre gab es Kontakte zwischen den beiden Chören, herbeigeführt letztendlich durch deren gemeinsamen Chorleiter Heinrich Wenzler.

Im Jahr 1968 wirkten die Vichter Sänger zum ersten Mal bei einem Konzert des MGV der Dalliwerke mit, dem im Laufe der nächsten Jahrzehnte immer wieder gegenseitige Besuche und Auftritte bei den jeweiligen Konzerten folgten.

Mittlerweile hatte Leo Wenzler die musikalische Leitung der beiden Chöre übernommen. Dabei machte er die Erfahrung, dass eine getrennte Probenarbeit an zwei unterschiedlichen Tagen, Uhrzeiten und Orten wenig effektiv und nicht mehr zeitgemäß war.

So drängte er 1998 auf eine nicht unproblematische Übereinkunft, die wöchentlichen Proben an einem gemeinsamen Termin abzuhalten. Sein Bemühen mündete in einen einstimmig gefassten Kompromiss, der besagte, mittwochs von 17 bis 19 Uhr jeweils wechselnd in Vicht und bei Dalli gemeinsam zu proben.

Und dann war es nur noch ein kleiner Schritt zur Bildung einer Chorgemeinschaft, angeregt und voran getrieben durch den Dirigenten und die Vorsitzenden Hans-Theo Rößeler vom Werkschor Dalli und Reiner Emonds vom MGV Vicht und einmütig beschlossen auf einer gemeinsamen Versammlung. Es war allerdings ein Zusammenschluss nur auf musikalischer Ebene. Leo Wenzler war weiterhin bis zu seinem Ausscheiden 2003 der Dirigent dieser Chorgemeinschaft, die danach für ein Jahr von Ernst Priegnitz geführt wurde, ehe dann die musikalische Leitung auf Georg Vorhagen überging.

Ansonsten blieben die alten Strukturen unter Wahrung der sich ausgeprägten Traditionen erhalten. Es gab weiterhin zwei selbständige Vorstände mit getrennten Sitzungen sowie vereinseigene Aktivitäten wie etwa Feiern und Fahrten.

Doch mit den Jahren lockerte sich dies ebenfalls. Bei Bedarf wurden gemeinsame Vorstandssitzungen abgehalten, immer häufiger nahmen die Sänger des Dalli-Chores an den Wanderungen und Grillfesten der Vichter teil, wie umgekehrt diese beispielsweise an deren Tagestouren und Nikolausfeiern. Nach zehn Jahren Chorgemeinschaft nun war der Zeitpunkt für eine endgültige Fusion gekommen.

Im Jahr 2007 waren die Mitgliederzahlen beider Vereine trotz Nachwuchswerbung merklich zurückgegangen, es gab kein Fundament mehr für eine wirksame zweispurige Vereinsarbeit. So unterbreiteten die Verantwortlichen des Dalli-Chores ihren Vichter Kollegen den Vorschlag, „aus Zwei Eins werden zu lassen”, allerdings unter der Bedingung, dass der neue Verein weiter unter dem Namen „MGV der Dalliwerke” geführt werden solle. „Eine andere Namensbestimmung hätten wir unserem Unternehmen gegenüber nicht vertreten können”, begründete Vorsitzender Josef Schoenen diese Auflage. Schließlich würden sie als „Sympathieträger der Dalliwerke seitens des Unternehmens” großzügig unterstützt.

Die notwendige Fusionsversammlung verlief äußerst harmonisch. Ohne Vorbehalte löste sich der 1965 gegründete MGV Vicht auf und dessen 14 Sänger traten geradezu unaufgeregt ausnahmslos dem neuen Verein bei. Der zählt nun insgesamt 25 Sänger. „Es ist nicht unbedingt üblich, dass eine solche Verschmelzung ohne eine Abmeldung oder Austritt über die Bühne geht”, zeigte sich Geschäftsführer Dieter Niessen froh und glücklich über dieses Ergebnis.

Und auch die jüngst vorgenommene Wahl des neuen Vorstandes verlief problemlos. Diese geglückte Fusion macht deutlich, dass der Verein offen ist für Veränderungen und für neue Sänger, um so auch in Zukunft seine kulturellen Aufgaben erfüllen zu können.

Erstes Konzert im September

Für sein erstes eigenes Konzert, das zusammen mit dem Jugendorchester der SSG im September diesen Jahres als ein „Generationenkonzert” gegeben wird, probt der fusionierte Chor bereits fleißig jeden Mittwoch von 17.30 Uhr bis 19.00 Uhr im Sozialgebäude der Dalliwerke.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert