Quiz Freisteller Bend Autoscooter

Halleneinstürze, Verkehrsstillstand und Nachbarschaftshilfe

Von: Heike Eisenmenger und Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
schnee-bild-2sp2
Weiße Weihnachten in Stolberg. Unsere Bildergalerie zeigt Eindrücke des Weihnachtsfestes 2010 in der Kupferstadt: Tätige Nachbarschaftshilfe mit Muskelkraft und Rasentraktor, eingestürzte Dächer einer Reithalle in Mausbach und eines Sägewerks in Zweifall, Benzinknappheit an Tankstellen und Schneeschippen auf Dächern. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Eine solche weiße Weihnacht hat die Kupferstadt seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Eine, von der man in vielen Jahren noch erzählen wird: von Verkehrsstillstand, von tollen Schlittenfahrten, von Schneebergen an den Straßenrändern, von eingeschneiten Menschen und ausgefallenen Christmetten.

Entspannung trat erst zwei Tage nach Heiligabend ein; am Sonntag fuhren die Busse der Aseag wieder, die eine rund 60-stündige Zwangspause hinter sich hatten.

Zumindest die Hauptstrecken in Stolberg konnten wieder betrieben werden, einige Linien jedoch mussten ihre Runde verkürzt antreten, da vor allem in den Außenbezirken Straßen nicht ausreichend geräumt und Wendemöglichkeiten nicht vorhanden waren. Einen Sonderfahrplan hatte die Aseag im Internet veröffentlicht. So pendelte die Linie 42 nur zwischen Velau und Vicht Kirche, die 25 fuhr von Aachen Bushof über Freund nur nach Büsbach Markt. In Walheim und nicht in Breinig endete am Sonntag die Linie 35.

Auch die Euregiobahn fuhr am Sonntag wieder, im Gegensatz zu vielen Autos. Wer nicht dringend weg musste, blieb stehen. Und auch das eine Folge des Wetters: Vielen Tankstellen in Stolberg ging am Sonntag der Sprit aus, weil Nachschub-Lkws nicht mehr in die Stadt kamen.

Gottesdienste abgesagt

Der Sonntag war dann auch - endlich - für die Feuerwehr etwas ruhiger, die noch am 1. Weihnachtstag ein erhöhtes Einsatzaufkommen vermeldete und vor allem an Heiligabend immer wieder ausrücken musste, und das schon seit den frühen Morgenstunden. Um 2 Uhr in der Nacht zum Heiligen Abend gab es den ersten Alarm, danach waren die Wehrleute fast pausenlos im Einsatz. Am frühen Morgen wurde in der Hauptwache an der Kesselschmiede ein Krisenstab eingerichtet, weil die seit Donnerstag fallenden Schneemassen für viele Gefahren sorgten: In Mausbach stürzte das Dach einer Reithalle ein, gleiches geschah in einer Sägewerkshalle in Zweifall.

„Nach der Berechnung eines Statikers hätte der Schnee durchaus noch etwas höher liegen dürfen”, sagen Reitstallbesitzer Britta Schoenen und ihr Mann Denis fassungslos. „Warum es dennoch passiert ist, verstehen wir nicht. Gott sei Dank ist das Unglück in der Nacht passiert und es wurden weder Mensch noch Tier verletzt.”

Mit Sorge beobachtet die Feuerwehr auch weiterhin Schneemassen, die auf flachen oder nur leicht schrägen Dächern sitzen: „Wir haben bei Proben festgestellt, dass bei manchen Dächern die maximal zulässige Schneelast um das Doppelte überschritten ist”, sagte Brandamtsrat Karl Wenn. Konsequenz: Manchen Geschäften wurde am Heiligmorgen geraten, zu schließen, selbst Gottesdienste mussten abgesagt werden.

So fiel die evangelische Messfeier für Kinder im Gemeindezentrum Frankental an Heiligabend ebenso aus wie die katholischen Gottesdienste in St. Franziskus und St. Hermann-Josef. „Wir dürfen dort leider keine Messen halten”, bedauerte Pfarrer Hans-Rolf Funken, der deshalb Zusatztermine in St. Mariä Himmelfahrt und St. Sebastian eingerichtet hatte.

Geländewagen im Vorteil

Glücklich schätzen konnten sich diejenigen, die einen Geländewagen besaßen - so wie Helmut Schroeter: „Mit diesem Auto kommt man überall durch.” Alle Naselang half Schroeter deshalb Autofahrern, die an Heiligabend im Schnee festsaßen. Ohnehin war die Hilfsbereitschaft speziell an Heiligabend groß. Landwirt Peter Cormann aus Breinig etwa war mit einer Art Minitraktor im Einsatz, zum Beispiel in der Hubertusstraße, wo man stellenweise bis zu den Knien im Schnee versank.

Dennoch - oder vielleicht gerade wegen Weihnachten - war die Stimmung auf der Straße alles andere als schlecht, Nachbarschaftshilfe wurde groß geschrieben und schon kleine Gesten zeigten große Wirkung. Pascal Sarlette (14 Jahre) zum Beispiel hatte das Auto der Nachbarin komplett freigeschaufelt. „Als Nachbar ist das doch kein Ding”, so der Jugendliche bescheiden.

Nicht zu helfen war dagegen den Musikern der Freiwilligen Feuerwehr. Ihr traditionelles Weihnachtskonzert wurde abgesagt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.