Stolberg - Hallenbad wird nun zum Fitness-Tempel

Hallenbad wird nun zum Fitness-Tempel

Von: Jürgen Lange
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Nichts geworden ist vor einem Dutzend Jahren aus den Plänen, mit einer Liegewiese der Schwimmhalle Freibad-Charakter zu verleihen, aber am DIenstag soll der Stadtrat den Weg frei machen für den Vertrag mit der Fitness-Kette „Actic“. Foto: J. Lange

Stolberg. Eine Chance vertan, das Hallenbad Glashütter Weiher aufzuwerten, hat der Stadtrat vor einem Dutzend Jahren. Die Option der Verwaltung, mit einem veränderten Eingangsbereich unter Einbeziehung der umgebenden Wiesen ein wenig Freibad-Charakter zu schaffen, scheiterte 2004 an den Finanzen und dem aufziehenden Kommunalwahlkampf.

Heute wird sich der Stadtrat mehrheitlich wohl kaum eine andere Chance entgehen lassen, das Freizeit- und Gesundheitsangebot durch zusätzliche Akzente zu bereichern und selbst finanziell zu genesen. Zumindest hatte der Hauptausschuss im Dezember die Machbarkeitsstudie einstimmig auf den Weg gebracht. Am Dienstag sollen auf Sondersitzungen zudem der Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Tourismus, der Hauptausschuss und der Stadtrat Nägel mit Köpfen machen: Die schwedische Kette „Actic Fitness“ möchte in Nebenräumen des Hallenbades eine Filiale eröffnen – möglichst noch in diesem Jahr.

„Für den Hallenbadbetrieb sind keine Einschränkungen durch den Fitnessanbieter zu erwarten, da die aktuellen Öffnungszeiten für den allgemeinen Badebetrieb Bestandteil des Vertrages sein werden“, erklärt Robert Voigtsberger in seiner Vorlage für die Politik. „Schulen und Vereine können das Hallenbad wie gewohnt und unbeeinträchtigt nutzen“, betont der Erste Beigeordnete. Nutzern des Fitness-Angebotes stehe der Badebetrieb nur zu den allgemeinen Öffnungszeiten zur Verfügung.

„Eine Einschränkung ist zur Realisierung allerdings unabdingbar“, sagt der zuständige Dezernent. Da das bisherige Angebot einer Hallenbad-Gastronomie entfalle, müssen sich Vereine, die bis dato das „Bistro Sunrise“ für Besprechungen oder Veranstaltungen genutzt haben, neu orientieren. „Den Vereinen wurde angeboten, dass das Sportamt alternative Raumangebote suchen kann“, so Voigtsberger weiter. Ein naheliegendes Beispiel sei der Besprechungsraum in der Sporthalle Glashütter Weiher.

Mit der Pächterin der Gastronomie hat die Stadt bereits eine Vertragsänderung vereinbart, die kurze Kündigungsfristen ermöglicht: zum Monatsende für den übernächsten Monat. Denn die Flächen der Gastronomie würden aufgrund des Bedarfes des Fitness-Studios zwingend benötigt.

Das soll eine Fläche von insgesamt rund 400 Quadratmeter umfassen: neben der Gastronomie den entsprechend darunter liegenden Kellerbereich, der derzeit brach liege. Umgebaut werden muss dennoch jede Menge vor allem in den Gewerken Brandschutz und Lüftung, bis das Angebot wie angestrebt im November in Betrieb gehen soll. Die Arbeiten übernehme „Actic“ in Abstimmung mit den zuständigen Ämtern der Verwaltung. Stolberg beteilige sich mit einem Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro an den Investitionen in die städtische Bausubstanz, die weit mehr als das Doppelte ausmachen dürften.

Binden wollen sich die potenziellen Partner zunächst für zehn Jahre mit einer zweimaligen Option zur Verlängerung des Vertrages um jeweils fünf Jahre. Sollte es zu einer Sonderkündigung vor Ende der zehn Jahre Laufzeit kommen, müsste „Actic“ anteilig den Baukostenzuschuss erstatten.

Ein Sonderkündigungsrecht wird dem Investor beispielsweise für den Fall eingeräumt, falls innerhalb eines Jahres eine Mitgliederzahl von mindestens 800 nicht erreicht werde. „Aufgrund ihrer Marktanalyse geht Actic davon aus, dass diese Zahl mindestens erreicht werden kann“, schreibt Voigtsberger weiter.

Die Kunden von „Actic“ haben dann freien Eintritt in das städtische Hallenbad – wie betont zu den gewohnten Öffnungszeiten für den allgemeinen Badebetrieb, die angesichts der intensiven Nutzung der Schwimmhalle durch Vereine und Schulen eher überschaubar sind: montags bis freitags zwei Stunden von 6 bis 8 Uhr, dienstags bis donnerstags zudem weitere 22 Stunden im Nachmittag und freitags insgesamt sechs Stunden für Senioren, Frauen bzw. als Spaßbad sowie samstags zehn und sonntags sechs Stunden – also maximal 54 Wochenstunden.

Aus eigenen Erfahrungen geht die expandierende schwedische Kette davon aus, dass 25 bis 35 Prozent der Nutzer des Fitness-Angebotes auch das Hallenbad besuchen. Diese Option ist ein wesentliches Standbein des Konzeptes des Unternehmens, das im November 2014 erstmals an die Stadt herangetreten war.

Die Kupferstadt wiederum profitiert bei einem Vertragsabschluss nicht nur von einer prozentualen, fünfstelligen Umsatzmiete. Die Verwaltung „sieht in der Umsetzung des Projektes einen erheblichen Mehrwert für unsere Sporteinrichtungen und eine Erweiterung des Sportangebotes in Stolberg“, erklärt Robert Voigtsberger. Ein weiteres gesundheitsförderndes Angebot und Möglichkeiten zur Ausweitung von Veranstaltungen, wie Indoor-Trial-Wettbewerbe, entstünden und die nach der Sanierung vor neun Jahren nicht mehr genutzten früheren Umkleiden würden nun so attraktiv und sinnvoll gestaltet.

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