Stolberg - Halbes Metallwerk in chinesischer Hand

Halbes Metallwerk in chinesischer Hand

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Die Chinatown Stolbergs: Durch eine Überkreuzbeteiligung der KME AG und des chinesischen Kupferrohr-Produzenten Golden Dragon entstand die KMD Connectors Stolberg GmbH. Das Metallwerk an der Kupfermeisterstraße ist einer von bald zwei Standorten. In Xinxiang entsteht eine neues Werk, das ab 2015 produzieren soll. Foto: J. Lange
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Hochwertige Walzbänder aus Kupfer und Kupferlegierungen für die Herstellung von Steckverbindungen sind die Spezialität der KMD. Foto: KME
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Wollen das nun als „KMD Connectors Stolberg“ firmierende Metallwerk weit über das Jubiläumsjahr 2025 hinaus zum Erfolg führen: die Geschäftsführer Birger Rotert und Johann Jüsten, IGM-Sekretär Michael Peters und Betriebsratsvorsitzender Thomas Schlick (v.l.). Foto: J. Lange

Stolberg. In China ist das „Jahr des Pferdes“, das mit Energie und Selbstvertrauen für beschleunigtes Wachstum sorgen soll, sechs Wochen jung, als am 18. März in Shanghai Vertreter der KME AG mit Sitz im italienischen Florenz und der Kupferrohrproduzent Golden Dragon Precise Copper Tube Group Inc. mit Sitz in Xinxiang in der chinesischen Provinz Henan die Verträge zu einem gemeinsamen Joint Venture unterzeichnen.

Die „KMD Connectors Stolberg GmbH“ mit Sitz in Osnabrück entsteht – ein Schritt, der in Zeiten zunehmender Globalisierung den Standort in der Kupferstadt sichern und ihm neue Perspektiven bieten soll.

Bereits im vergangenen August hatte der Konzern dieses Engagement angekündigt und das Stolberger Metallwerk als eigenständige GmbH aus dem Werksverbund ausgegliedert. Anfang März hat das Bundeskartellamt die jeweils 50-prozentige Überkreuzbeteiligung genehmigt.

Seit 1. April sind der bisherige Werkleiter Birger Rotert und der Commercial Director Europe Johann Jüsten zu operativen Geschäftsführern bestellt. Ebenfalls als Geschäftsführer benannt sind Li Changjie (68), Präsident von Golden Dragon und Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas, und sein Vizepräsident Wang Shizhong.

„Unser Konzern hat die Produktion von Bändern für elektronische Steckverbinder als wichtiges Geschäftsfeld erkannt“, erklärt Johann Jüsten. „Wir wollen auf dem globalen Markt expandieren“. Auf zweistellige Zuwachsraten von solchen Steckverbindungen in der Automobilbranche verweist sein Kollege Rotert. Mit den in Stolberg gefertigten Kupferbändern will der Konzern profitieren, denn „wir sind ein Zentrum der Connector-Welt“, so Jüsten.

Dabei haben die Stolberger die rasante Entwicklung auf dem asiatischen Markt im Visier. 99 Millionen US-Dollar bringt Golden Dragon in das Joint Venture ein – in erster Linie für den Bau eines neuen Werkes für die Bänder in Xinxiang mit einer Kapazität von bis zu 45.000 Jahrestonnen, das noch in 2015 anlaufen soll. Die KME bringt ihre Produktionsstätte in Stolberg, die damit verbundenen Patente und Handelsmarken ein sowie überholte Maschinen einer aufgelösten Produktion im französischen Serifontaine.

„Das ist die größte Chance für Stolberg“, zitiert Jüsten den KME-Vorstandsvorsitzenden Ricardo Garré und hat keine Sorgen, dass das neue Werk in China den Standort in der Kupferstadt gefährden könnte. „Im Gegenteil“, erkennt Jüsten Perspektiven in einer Konzentration auf die europäischen Kunden und auf innovative Produkte, wie die neu entwickelte Legierung „Stol 30“, die bei geringeren Herstellungskosten die Performance maximiert. Über 1000 Ingenieure der Kunden entwickeln im Umkreis von 300 Kilometer von Stolberg neue Anforderungen. „Eins der besten Argumente, hier vor Ort zu sein.“

Ein weiteres Argument sei die Bindung von Kapital auf zeitintensiven und teuren Transportwegen der Kupferbänder per Schiff gen Asien. „Unsere Kunden wollen eine schnelle und schlanke Belieferung“, so Rotert. Mit einem Bein in China will die KME vom Konsum auf den asiatischen Märkten profitieren.

Erinnerungen an den Kampf 2012

„Da sieht man, was wir wert sind“, verweist Thomas Schlick auf den finanziellen Input von 99 Millionen US-Dollar der chinesischen Partner. Der überwiegende Anteil der deutschen Gegenwertes seien Know How und die Wertschöpfung der Kollegen in der Kupferstadt. „Da klingt es fast schon zynisch, dass man uns 2012 halbieren wollte“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Die Belastungen im Kampf um die Arbeitsplätze und den Standort sitzen noch tief verankert im Kreise der Beschäftigten.

Dennoch macht sich bei Schlick und Martin Peters verhaltener Optimismus breit. „Die Möglichkeit einer Perspektive ist gegeben“, sagt der Sekretär der Industriegewerkschaft Metall. „Es muss in Stolberg zusätzlich investiert werden“, betonen die Vertreter der Arbeitnehmer. Dies geschieht bislang auf Basis des 2013 geschlossenen Standortsicherungsvertrages. Und der besagt, dass die Belegschaft durch Verzicht einen Teil zu diesen Investitionen beiträgt. Diese Vereinbarung gilt noch bis Ende 2016. „Dann hoffen wir die Tarifstandards wieder verbessern zu können“, betont Schlick und setzt auf das Eintreffen der angekündigten Prosperität.

„Es gibt eine Wunschliste“: Die will Jüsten bei den Budgetgesprächen vorlegen. Aber der Geschäftsführer betont auch, „Stolberg muss nun beweisen, dass es ein profitabler Standort ist“. Die Finanzplanung für dieses Geschäftsjahr schreibt zumindest bereits schwarze Zahlen. Und der Gewerkschafter erinnert an die Tarifverhandlungen. „Wir haben vor einem Jahr schon gesagt, dass das Werk zukunftsfähig und profitabel ist“, unterstreicht Peters.

Die positive Tendenz macht sich bereits bei den Arbeitsplätzen bemerkbar. Auf 215 ist ihre Anzahl wieder angewachsen. Und sie kann weiter steigen. „Noch liegen wir um 3000 Tonnen unter unserer Jahreskapazität von 22.000 Tonnen“, so Jüsten. Soll sie ausgelastet werden, gehe das nur mit mehr Personal und angepassten Schichtmodellen.

Dass die Auslastung weiter steigt und der Standort langfristig gesichert ist, daran hat Johann Jüsten keinerlei Zweifel. „In elf Jahren können wir unser 450. Jubiläum feiern“. Ein Jahr später kehrt das „Jahr des Pferdes“ wieder ein. Und auch an dieses will das aus den Kupfermeister-Familien von Asten, Lynen und Schleicher hervorgegangene Traditions-Unternehmen noch viele weitere Jahre dranhängen.

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