Guter Rat spart Geld beim Kanal

Von: Jürgen Lange
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Auf Dichtheit zu prüfen sind nicht nur private Abwasserleitung zwischen öffentlichem Kanal und Haus, sondern gegebenenfalls die Schmutzwasserrohre, die unter der Bodenplatte verlaufen. Foto: J. Lange

Stolberg. Die erste Bekanntmachung ist auf drei Seiten in unserer Zeitung veröffentlicht, weitere werden folgen ebenso wie ein Schreiben der Stadt an die Hauseigentümer in den zunächst betroffenen Stadtteilen mit der Einladung zu örtlichen Informationsveranstaltungen.

Die Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen rückt auch aus Sicht der Verwaltung in die Realisierungsphase. Bis Ende 2012 müssen die ersten Nachweise über die Dichtigkeit der privaten Abwasserleitungen aus dem Bereich des Mausbacher Wasserschutzgebietes im Rathaus vorgelegt sein.

Um den Stolbergern die Erfüllung dieser gesetzlichen Anforderung möglichst praktikabel und kostenarm zu ermöglichen, rät der zuständige Fachbereichsleiter Josef Braun den Betroffenen, das Beratungsangebot der Verwaltung in Anspruch zu nehmen. Der Rat hat eigens eine (über die Kanalgebühren finanzierte) Stelle eingerichtet, um den Hauseigentümer auf ihrem Weg bis zur Vorlage der geforderten Bescheinigung über Dichtheit zur Seite zu stehen.

„Die Bürger sollten sich beraten lassen, schon bevor sie ein Fachunternehmen beauftragen”, rät Jörg Wenn, der derzeit der Ansprechpartner im Tiefbauamt rund um das Thema Kanaldichtheit ist. Denn geprüft und für dicht befunden sein muss nicht nur die Abwasserleitung zwischen dem Haus und dem städtischen Kanalnetz, sondern auch eventuell unter der Bodenplatte des Hauses verlaufende Schmutzwasserleitungen. „Bei den Leitungen im Haus geht man davon aus, dass die Bewohner automatisch auf ihre Dichtheit achten”, erklärt Braun. Für die in der Regel nicht sichtbaren Grundleitungen wird aber der Nachweis gefordert.

„Da kann es im Einzelfall sinnvoller und kostengünstiger sein, eine neue Abwasserleitung unter die Kellerdecke zu hängen, als das Rohrnetz unter der Bodenplatte zu sanieren”, sagt Wenn, der als Berater für Grundstücksentwässerung zertifiziert ist. „Darüber sollte man nachdenken, bevor man eine Dichtheitsprüfung angeht.”

Melden bei der Verwaltung sollten sich auch alle - insbesondere aus den jetzt bekannt gemachten Adressen - Eigentümer, deren Grundstücksentwässerung nach dem 1.Januar 1965 (bei Privatbauten) bzw. nach dem 1. Januar 1990 (bei Gewerbe und Industrie) erbaut wurde. Ihnen räumt der Gesetzgeber eine längere Frist (der Termin wird noch festgelegt) als den 31.Dezember 2015 ein, weil er davon ausgeht, dass die Kanalleitung nicht mehr aus altem Steinzeug mit teergetränkten Dichtungen mit eingeschränkter Lebensdauer bestehen. „Ein Anruf im Tiefbauamt reicht schon für diese Mitteilung aus”, erklärt Braun. Das Stadtarchiv führe zwar die Daten über das Baujahr von Gebäuden, nicht aber über die Errichtung der privaten Abwasseranlage.

Ausreichend ist auch eine einfache Handskizze als Dokumentation der auf Dichtheit untersuchten Leitungen, die mit dem Prüfprotokoll einzureichen ist. Wer sich nicht die Mühe machen möchte, sein Grundstück von Hand zu skizzieren, findet auf der städtischen Internetseite einen Link zur digitalen Grundkarte, von der ein Plan der Immobilie heruntergeladen werden kann.

Ebenfalls dort zu finden ist ein Link zur Internetseite des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW, unter dem eine Liste der für Dichtheitsprüfungen zertifizierte Unternehmen zu finden ist. Derart qualifizierte Betriebe wüssten auch, welches Verfahren für die Überprüfung im Einzelfall anzuwenden ist; im Zweifelsfall gibt der Fachmann im Tiefbauamt Auskunft.

„In Stolberg sind noch immer Firmen unterwegs, die unseriös vorgehen”, warnt Jörg Wenn insbesondere vor Haustürgeschäften und rät, sich im Rathaus beraten zu lassen und nur zertifizierte Unternehmen zu beauftragen. „Es sind bereits Fälle aufgetreten, bei denen ein kurzes Stück Abwasserleitung mit einem Flickenteppich von Spezialschläuchen saniert wurde”, empfindet Braun eine solche Inliner-Sanierung als „weder sachgerecht noch langlebig”. Wird aufgrund der Dichtheitsprüfung eine Kanalsanierung erforderlich, die in offener Bauweise zu tätigen ist, weist Braun darauf hin, dass nur von der Stadt zugelassene Unternehmen diese im öffentlichen Bereich ausführen dürfen.

Sinn mache es für die Hauseigentümer, ihre privaten Sanierungen dann anzupacken, wenn die Stadt eigene Maßnahmen in dem Bereich durchführe, oder mit mehreren Nachbarn gemeinsam ein Unternehmen zu beauftragen. „Das führt zu einer deutlichen Kosteneinsparung”, weiß Wenn.

Gewiss ist auch, dass weitere Verordnungen des Ministeriums zur Umsetzung der Dichtheitsprüfung folgen werden, um Unklarheiten und Interpretationsspielräume auszuräumen. Nach einer Besprechung bei der Bezirksregierung erwartet Fachbereichsleiter Josef Braun in Kürze vier weitere Runderlasse zu dem Thema.

Ablauf, Ansprechpartner und Fristen

Die Stadt setzt Fristen für Teilgebiete, macht diese bekannt und lädt zu Informationsveranstaltungen ein. Das Ergebnis der Dichtheitsprüfung soll innerhalb eines Monats der Stadt vorliegen. Ist die Abwasserleitung undicht, ist nach einer Sanierung mittels Dichtheitsprüfung die Bescheinigung der Dichtheit nachzuweisen.

Frühzeitig sollte die Möglichkeit einer Beratung durch das Tiefbauamt genutzt werden. Ansprechpartner ist dort Jörg Wenn (13-356 / joerg.wenn@stolberg.de). Etwas umständlich zu finden sind die ausführlichen Informationen nebst hilfreicher Links auf der städtischen Internetseite www.stolberg.de: unter „Bürgerservice” den Punkt „ Von A bis Z” ansteuern und unter „D” den Punkt „Dichtheitsprüfung” wählen.

Festgesetzt sind die Prüffristen bereits für folgende Stadtgebiete: Mausbach und Oberstolberg (bis 31. Dezember 2012); Gressenich (bis 31. Dezember 2013), Breinig, teilw. Breinigerberg, Venwegen (bis 31. Dezember 2014) sowie Schevenhütte, Vicht, teilw. Breinigerberg (bis 30.November 2015).

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