Stolberg - Gute Noten für die Volkshochschule

Gute Noten für die Volkshochschule

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Die VHS Stolberg gilt als Erfolgsmodell. Einsparpotenziale in größerem Umfang sieht selbst Kämmerer Wolfgang Zimdars nicht.

Stolberg. Wenn er von 160.000 Euro als jährlichem Defizit berichtet und dabei beinahe strahlt, stößt Hubert Minten nicht immer auf Verständnis. Wenn aber selbst der zuständige Dezernent und Kämmerer Wolfgang Zimdars einräumt, dass es nur sehr begrenzte Einsparmöglichkeiten gibt, fühlt sich der Leiter der Stolberger Volkshochschule wieder bestätigt.

Minten bewegt sich in einem komplexen Feld: Er muss die Balance finden zwischen der Erfüllung einer kommunalen Pflichtaufgabe, der Schaffung eines an der Nachfrage orientierten Angebotes und der Berücksichtigung der Vorgabe, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten.

Bislang ist das immer ziemlich gut gelungen. Erst vor kurzem gab es dafür Lob von hoher Stelle. In einem landesweiten Ranking zur Wirtschaftlichkeit hat es die kleine Stolberger VHS im großen Nordrhein-Westfalen unter die besten 50 geschafft. Und auch die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) attestiert der Einrichtung in ihrem aktuellen Bericht eine hervorragende Arbeit.

Eindringlich abgeraten wird darin von einer Fusion mit anderen Volkshochschulen. Auch das hört Hubert Minten gerne und verweist in diesem Zusammenhang auf die „Volkshochschule Südkreis Aachen”, der Stolberg von 1978 bis 1988 angehört hat, ehe das Projekt in dieser Form für gescheitert erklärt wurde. „Man kann nicht von Stolberg aus bis fast an den Rursee Weiterbildung organisieren”, erklärt Minten und verweist auf ein „festes und bürgernahes System”, das es in Stolberg gebe.

Dem schließt sich Wolfgang Zimdars prinzipiell an. Nach den Ferien will er sich aber dennoch - seine Aufgabe als Kämmerers gebietet das in Zeiten einer drohenden Überschuldung - mit seinem Kollegen aus Eschweiler und wohl auch mit Vertretern anderer Kommunen zusammensetzen, um über mögliche Zusammenlegungen oder zumindest Kooperationen zu sprechen.

„Das wird aber völlig ergebnisoffen geschehen”, versichert er und erteilt der Forderung der CDU, die in ihrem Konzept zum städtischen Haushalt ein Sparvolumen von 125.000 Euro pro Jahr bei der VHS ausgemacht haben wollte, eine Absage - wenn auch zurückhaltend formuliert: „Das ist doch sehr sportlich und wäre nicht angemessen.”

Das sieht Hubert Minten genauso und verweist noch einmal auf das besagte 160.000-Euro-Defizit. „Auch die Gemeindeprüfungsanstalt hat festgestellt, dass das ein sehr, sehr guter Wert ist - gegenüber früheren Jahren und auch im Vergleich zu anderen Volkshochschulen.” Der Zuschussbedarf sei erheblich gesunken. „Und wir arbeiten daran, uns noch weiter zu verbessern.”

Gleichwohl will auch der Kämmerer den Wert der VHS und ihrer Arbeit nicht auf Zahlen reduziert wissen. „Das Geld für die VHS ist gut investiertes Geld”, erklärt Wolfgang Zimdars und verweist auf die Bedeutung von Sprach- und sozialer Kompetenz für das gesellschaftliche Zusammenleben und den Arbeitsmarkt.

„Während Schulbildung sehr starr ist und Wissen quasi auf Vorrat vermittelt, ist die Volkshochschule sehr flexibel und kann kurzfristig auf Nachfragen und Veränderungen in unserer schnelllebigen Gesellschaft reagieren”, lobt Zimdars. Weiterbildung müsse vor diesem Hintergrund für möglichst viele Leute zugänglich sein und bleiben.

Eine Gebührenerhöhung, wie sie der Bund der Steuerzahler gefordert hatte, lehnt Zimdars - auch deshalb - ab. „Da haben wir schon einiges getan und sind am oberen Rand angelangt.”

Das ist ganz im Sinne von Hubert Minten, der unterstreicht: „Die VHS muss berufs- und lebensbegleitend Bildung anbieten. Und das permanent.” Hinter dieser Aussage steckt die Idee des lebenslangen Lernens, die sich mittlerweile immer mehr in der Gesellschaft durchsetzt. „Früher wurde mehr in Etappen gelernt. Das ist heute anders”, sagt der Leiter.

Die Volkshochschule müsse zudem nicht nur Kurse anbieten, die der Nutzer unbedingt braucht, sondern auch solche, „die ihn aus einer persönlichen Interessenlage heraus ansprechen”. Fitnesskurse beispielsweise stünden seit Jahren hoch im Kurs.

Und auch Angebote für Kinder würden immer mehr nachgefragt. „Früher waren Kinderkurse nach dem Weiterbildungsgesetz bei den Volkshochschulen untersagt. Heute gibt es dafür sogar Sonderförderprogramme.”

Dass diese auch in Zusammenarbeit mit benachbarten Volkshochschulen genutzt werden können, steht für Minten außer Zweifel. „Das geschieht ja schon längst. Es ist doch nicht so, dass es bislang keine Kooperationen geben würde”, betont er.

Für die VHS Stolberg will er auch in den nächsten Jahren kämpfen. Er weiß viele gute Argumente auf seiner Seite und - wenn der Eindruck nicht völlig trügt - auch den Kämmerer.

Die Nachfrage bei den Integrationskursen steigt seit 2006 stetig an

Die an der VHS Stolberg angebotenen Integrationskurse haben sich zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt. „Das war für uns zunächst völliges Neuland”, blickt Hubert Minten auf die Anfänge im Mai 2006 zurück.

„Mittlerweile ist die Nachfrage so riesig, dass wir sie gar nicht komplett bedienen können”, berichtet der VHS-Leiter.

Im Februar hat der 500. Teilnehmer einen Integrationskurs in der VHS Stolberg begonnen, die Teilnehmerzahl ist von 45 im Jahr 2006 auf voraussichtlich mehr als 250 im laufenden Jahr hochgeschnellt.

Die gleiche Entwicklung gibt es bei der Zahl der Kurse: 2006 wurden zwei angeboten, 2010 werden es insgesamt 16 sein.

Geleitet wird das mittlerweile elf-köpfige Team, dem zehn Frauen und ein Mann aus insgesamt acht Nationen angehören, von Elfriede Lechthaler. „Ein echter Glücksfall”, wie Hubert Minten feststellt.

Neben allgemeinen Integrationskursen bietet die VHS unter anderem Alphabetisierungskurse an, Vorbereitungskurse für den Einbürgerungstest und Kurse für Deutsch als Fremd- beziehungsweise Zweitsprache.

Dabei gibt es seit zwei Jahren ein stark differenziertes Angebot, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der Teilnehmer besser gerecht werden soll und zudem - das bestätigt auch eine erste Zwischenbilanz - deren Erfolgsaussichten deutlich steigert.

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