Gunther Adler ist nun „Fan der Euregiobahn“

Von: Jürgen Lange
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Hier endet im Stolberger Hauptbahnhof die Oberleitung: Auf den Strecken nach Altstadt sowie nach Langerwehe und nach Herzogenrath fehlt die Elektrifizierung auf insgesamt 36 Kilometern. Rund 25 Millionen Euro sollen investiert werden. Die Leistungsplanung läuft nun an. Foto: J. Lange
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Drei Dinge braucht die Euregiobahn erklären AVV-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich (2.v.r.) und die EVS-Gesellschafter Ewald Schmitz (2.v.l.) und Helmut Conrads (l.) dem Staatssekretär: die Elektrifizierung, den Ringschluss und das Parkhaus mit Skywalk in Stolberg.
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Drei Dinge braucht die Euregiobahn erklären AVV-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich und die EVS-Gesellschafter Ewald Schmitz und Helmut Conrads dem Staatssekretär: die Elektrifizierung, den Ringschluss und das Parkhaus mit Skywalk in Stolberg.

Stolberg. Die Euregiobahn hat einen Befürworter hinzugewonnen. „Das darf man sagen“, bestätigt Gunther Adler die charmante Formulierung der EVS-Beiratsvorsitzenden Hildegard Nießen, der Staatssekretär im Düsseldorfer Verkehrsministerium „ist zu einem Fan“ dieses regionalen Schienenangebotes geworden.

„Es ist gut, dass ich nach Stolberg gekommen bin“, sagt Gunther Adler, denn hier „habe ich die Details und Hintergründe kennengelernt, die man beim Aktenstudium am Schreibtisch nicht erfährt“.

Für die nachhaltige Begeisterung des Zukunftsprojektes Euregiobahn sorgt an diesem Mittag eine kompetente Gesprächsrunde. Für die Euregioverkehrsschienennetz GmbH sitzen die Gesellschafter Ralph und Ewald Schmitz sowie Frank und Helmut Conrads und die Geschäftsführer Thomas Fürpeil und Christian Hartrampf am großen Tisch, mit Hans-Joachim Sistenich der Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes, der den Nahverkehr beauftragt, sowie als kommunale Vertreter die Bürgermeister Rudi Bertram und Ferdi Gatzweiler sowie Dieter Wolf und Jürgen Neesen aus Stadtrat und Städteregionstag.

Profundes Wissen steuern Achim Großmann, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und engagiert in der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR), ebenso bei wie Ministerialrat Hubert Wewer aus Düsseldorf. Und Landtagsabgeordneter Stefan Kämmerling freut sich, dass mit dem von ihm organisierten Besuch das Projekt weiter „unter Strom steht“. Denn das ist der Sinn des Besuches: Entscheidungsträger zu sensibilisieren, dass es richtig und wichtig, nachhaltig und zukunftsträchtig sowie wirtschaftlich und sparsam ist, in die Elektrifizierung der Euregiobahn Zuschüsse zu investieren.

25 Millionen für 36 Kilometer

Es geht um die rund 36 Kilometer Schiene abseits der Hauptstrecken, vom Stolberger Hauptbahnhof zur Altstadt, über die Talbahn­strecke nach Langerwehe sowie nach Herzogenrath auf denen die Oberleitung fehlen. Geschätzte 25 Millionen Euro müssen investiert werden. „Bis 2018“, wie Hajo Sistenich betont. Denn mit der Neuausschreibung des Leistungsangebotes auf der Schiene sollen Elektrotriebzüge die Talent-Diesel ablösen. „Das sind die Porsche auf der Schiene“, argumentiert Sistenich. Mit ihnen sind verbesserte und engere Taktzeiten im Fahrplan möglich – auch eine Voraussetzung für den Anschluss Breinigs. Und die Betriebskosten sind spürbar geringer. „Das refinanziert die Förderung“, verdeutlicht der AVV-Geschäftsführer.

Netzschluss Kerkrade / Aachen

Argumente, die für den Staatssekretär zählen. „In Zeiten zunehmend knapper Mittel und der Suche nach neuen Wegen“, so Gunther Adler, ist die Nachhaltigkeit von Investitionen das bedeutende Entscheidungskriterium. Die Umweltfreundlichkeit ist ein weiteres, denn mit der Elektrifizierung wird CO2 in erheblichen Mengen eingespart, die Lärmbelastung minimiert und die Alternative zum Privatfahrzeug gefördert.

Und was den Staatssekretär besonders beeindruckt am Zukunftsprojekt Euregiobahn ist nicht nur der Kommunen übergreifende Rückhalt, sondern auch die Forderung aus der Bürgerschaft nach einem Ausbau des Angebotes.

Erste Schritte zur Realisierung sind eingeleitet. Beim Bundesverkehrsministerium ist die Elektrifizierung bereits als C-Projekt gelistet, betont Achim Großmann. Die Machbarkeitsstudie ist positiv ausgefallen. „Jetzt muss die EVS die Leistungsplanung vorlegen, um die Entwurfs- und Genehmigungsplanung zu fertigen, die Grundlage für den offiziellen Zuschussantrag ist, den das Land beim Bund stellen muss“, klärt Wewer über das Prozedere auf, und Thomas Fürpeil versichert, dass der Infrastrukturbetreiber bereits mit Eifer bei der Arbeit ist. Denn allen Beteiligten ist klar, dass die Zeit drängt. Nicht nur wegen der Haushaltslage. Die Verträge für die Euregiobahn laufen Ende 2016 aus; eigentlich schon ab 2017, so der ursprüngliche Plan, sollten die Elektrotriebzüge rollen.

Weil die Neuausschreibung gemeinsam im Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) erfolgen soll, es aber Verzögerungen beim Ausbau der Infrastruktur für den Rhein-Ruhr-Express gibt, kommt es voraussichtlich zu einer zweijährigen Übergangsfrist durch Vertragsverlängerung wahrscheinlich mit der Deutschen Bahn. Aber spätestens 2018 soll der „Porsche“ über die Schiene rollen. Dazu beitragen soll auch ein weiterer Gesprächstermin der EVS Mitte September im Berliner Verkehrsministerium, während sich Anfang September Staatssekretär Gunther Adler mit den niederländischen Kollegen trifft, um zwei weitere wichtige Projekte des AVV und der Parkstad Limburg zu forcieren: Den Netzschluss von Maastricht über Kerkrade hinaus über Richterich nach Aachen Hauptbahnhof („Avantis-Linie“) sowie die Verlängerung des Intercity von Eindhoven über Heerlen hinaus nach Aachen Hauptbahnhof im Stundentakt. Und bei der Gelegenheit legt Sistenich dem Staatssekretär auch noch einmal das belgische Projekt eines Stundentaktes zwischen Welkenraedt und Aachen ans Herz – damit auch die Bahn mit dem intensiven Austausch der Menschen über frühere Grenzen in der Region hinweg Schritt hält.

Ab Montag Ausbau nach St. Jöris

Schritt halten soll der Dreh- und Angelpunkt der Euregiobahn in Stolberg beim barrierefreien Ausbau – ebenfalls eine Herzensangelegenheit von Gunther Adler. Nachdem der NVR in kürzester Zeit bereits eine 85-prozentige Förderung in Höhe 2,725.900 Euro für den Bau eines Parkhauses mit „Skywalk“ zum Mittelgleis an der Hauptstrecke im Hauptbahnhof zur Verfügung gestellt hat, wollen Stadt und EVS in Zusammenarbeit mit der DB den Ausbau forcieren, erinnern Hilde Nießen und Achim Großmann daran, dass der Konzern dieses Projekt in seiner 2014 beginnenden Modernisierungsoffensive gelistet hat. Nicht vor Ende 2014 ist mit dem Ringschluss der Euregiobahn zwischen Stolberg und Herzogenrath zu rechnen, so Christian Hartrampf, was aber weniger mit der Elektrifizierung, denn mit Fragen der Steuerungs- und Sicherungstechnik sowie den Schnittstellen zwischen EVS- und DB-Netz zu tun habe. Aber ab Montag geht es mit dem Ausbau von Alsdorf aus erst einmal weiter. Dann wird mit dem Abschnitt bis St. Jöris begonnen. Am Dienstag ist der offizielle Spatenstich.

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