Gülle stinkt bis zum Himmel: Sorge um Naturschutzgebiet

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:

Stolberg-Mausbach. Ein Fall von organischer Düngung stinkt in Mausbach derzeit zum Himmel – zumindest wenn es nach den Anwohnern geht. Auf der Wiesenfläche im Bereich Auf dem Horst/Süssendeller Straße versickert seit Mitte vergangener Woche eine ordentliche Portion Gülle im Erdboden. Was die Pflanzen freuen dürfte, stößt bei den Anwohnern allerdings auf wenig Gegenliebe.

Auslöser sei jedoch nicht die Geruchsbelästigung – das gehöre in ländlichen Regionen eben dazu, sagte Sebastian Steinkamp aus Mausbach. Grund des Anstoßes sei vielmehr der Ort der Düngung selbst, so der Anwohner weiter. Denn die betroffene Wiese befindet sich im Naturschutzgebiet Horstbend-Mausbachquelle.

Die Sorge vor einer Überdüngung sei bei den Anwohnern groß. „Uns geht es um die massive Ausbringung der Gülle direkt am Naturschutzgebiet und der damit einhergehenden Verunreinigung des Baches“, betonte Steinkamp. „Wir Hausbesitzer werden zu teuren Kanal-Dichtheitsprüfungen gezwungen, während einige Meter weiter innerhalb weniger Stunden Gülle in solchen Mengen verteilt wird, die innerhalb von Jahren nicht aus einem undichten Hausanschluss versickern kann.“

Zumindest hinsichtlich einer möglichen Überdüngung in Mausbach gab die Untere Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen am Montag Entwarnung. Als Ordnungsbehörde ist sie für mögliche Verstöße im Naturschutzgebiet zuständig. Wie Holger Benend von der Städteregion Aachen auf Anfrage mitteilte, haben Mitarbeiter des Wasserwerks den Fall vor Ort geprüft. „Eine Überdüngung des Feldes haben sie nicht feststellen können“, so der Pressesprecher weiter.

Der entsprechende Bereich im Naturschutzgebiet befinde sich in einer sogenannten „Schutzzone drei“, erläuterte Benend. Das bedeutet, dass eine ordnungsgemäße Landwirtschaft stattfinden darf – geruchsstarke Düngung inklusive. Erst in höheren Schutzzonen sei eine Gülleausbringung nicht zulässig.

Auch eine Verunreinigung des Mausbachs könne nach Einschätzungen des Wasserwerks ausgeschlossen werden, sagte Benend. Steinkamp beruhigt diese Aussage indes wenig: „Die braune Spur der Gülle endete einen halben Meter vom Mausbach entfernt. Da kann mir keiner sagen, dass nichts im Bach gelandet ist.“

Dass Beschwerden über die Düngung der Felder derzeit wieder zunehmen, wundert Uwe Spangenberg von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nicht. „Die Anwohner haben monatelang nichts von der Düngung mitbekommen. Wenn die Landwirte jetzt wieder Gülle fahren dürfen, dann gibt es natürlich viele Beschwerden“, so der Pressesprecher.

Verantwortlich dafür seien die gesetzlich festgelegten Sperrfristen. In der Düngeverordnung ist klar geregelt, wann wie viel Gülle auf die Felder darf. Gülle darf den Pflanzen nämlich nur dann zur Verfügung gestellt werden, wenn diese dafür auch tatsächlich Bedarf haben. Da die Vegetation für einen gewissen Zeitraum im Jahr ruht, dürfen die Landwirte in dieser Zeit nicht düngen. Für Ackerland gilt diese Sperrfrist von November bis Ende Januar.

Wie viel Liter Gülle auf wie viel Hektar Land zulässig sind, lässt sich hingegen nicht ohne Weiteres sagen. Die Menge des organischen Düngungsmittels hängt vom Stickstoffhaushalt des Bodens ab, erklärt Benend. So dürfe beispielsweise ein Landwirt, der Maispflanzen anbaut, in größeren Mengen düngen als auf Weizenfeldern. Der Grund: Mais entzieht dem Boden mehr Stickstoff als Weizen.

Doch nicht alles, was rechtlich geboten sei, sei für ein friedliches Miteinander mit den Anwohnern sinnvoll, findet Heinz Ganser. Der Kupferstädter Landwirt muss nach eigenen Angaben selbst manchmal den Kopf schütteln, wenn er das Düngeverhalten mancher Kollegen beobachtet. „Wenn ich Frieden mit meinem Umfeld haben will, dann dünge ich nicht an einem Samstagnachmittag“, so der Landwirt. Er selbst habe zum Wohle des Geruchssinns bereits technisch umgerüstet. Seit vergangenem Sommer dünge er seine Felder mit einer Maschine, durch die Gülle direkt durch Schlitze in der Erde in den Boden eindringt. „Dann stinkt das Düngen auch nicht mehr.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert