„Gruppe Z“: Eine CD erinnert an die Moorsoldaten

Von: Toni Dörflinger
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Ein beeindruckendes Tondokument: Friedrich Gruschei, Karen Lange-Rehberg und Alfred Halsband (v.l.) prä­sentieren die CD, die den verstorbenen KZ-Häftlingen und „Moorsoldaten“ Arnold Janz und Josef Henges gewidmet ist. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Wir sind die Moorsoldaten“: Wer kennt es nicht, das Lied der Moorsoldaten, das erstmals 1933 im KZ Börgermoor uraufgeführt wurde und danach um die Welt ging?

Weniger bekannt und heute nahezu vergessen sind hingegen die echten Moorsoldaten, die als politische Häftlinge in den früheren Emslandlagern Esterwegen, Neusustrum und Börgermoor von Tod und Vernichtung durch das NS-Regime bedroht waren.

Zwei echte Moorsoldaten waren die Stolberger Arnold Janz (1903 - 1986) und Josef Henges (1904 - 1994), die von 1933 bis 1934 in den Konzentrationslagern Neusustrum und Börgermoor Unmenschliches und Grauenvolles erdulden mussten.

Zu keinem Zeitpunkt langweilig

Ihre leidvollen Erfahrungen, die von Misshandlungen, Demütigungen und Erniedrigungen gekennzeichnet waren, hatten die beiden Widerstandskämpfer aus den Reihen der kommunistischen Partei 1984 zu Protokoll gegeben. Diese vor rund 30 Jahren entstandene beeindruckende Tonbandaufnahme hat jetzt die Gruppe Z – „Zukunft ohne Fremdenhass, Faschismus und Krieg; gegen das Vergessen“ – als CD herausgebracht und somit in anderer Form neu aufgelegt.

Eine erste „Kostprobe“ daraus wurde jetzt öffentlich vorgestellt. Schnell wurde dabei deutlich: Wer diese Aufnahme – die Gesamtlaufzeit beträgt rund 90 Minuten – zum ersten Mal hört, ist tief beeindruckt und kann sich dem Geschilderten nur schwerlich entziehen.

Gebannt lauscht man den grauenvollen Berichten der beiden KZ-Insassen, deren Alltag von Schlägen, Hunger und unmenschlichen Arbeitsbedingungen bestimmt war: Die Häftlinge waren von den Nationalsozialisten gezwungen worden, einen – wenn auch von Knechtschaft und Barbarei geprägten – Beitrag zur Kultivierung und Urbarmachung der Emsland-Moorgebiete zu leisten.

Da die früheren Häftlinge auch im Alter noch eine kraftvolle und ausdrucksstarke Stimme besaßen, werden die Schilderungen der bedrückenden und deprimierenden Thematik zu keinem Zeitpunkt langweilig.

Auf die Zielgruppe der neuen Scheibe, die eine Auflage von 100 Stück besitzt, angesprochen, sagt Karen Lange-Rehberg: „Grundsätzlich ist die CD für jeden geeignet, der sich für die Verbrechen des Nazi-Regimes interessiert und sich gegen das Vergessen wendet. Aber auch junge Menschen werden dadurch angesprochen. Somit ist sie durchaus für den Sachkundeunterricht an Schulen geeignet.“

Lange-Rehberg hat das CD-Projekt mit Alfred Halsband, Friedrich Gruschei, Thomas Jülicher, Ralf Dallmann und Udo Beitzel ins Leben gerufen und auf den Weg gebracht.

Erlöse für den Bahnhofsvorplatz

Ansprechend und informativ ist nicht nur der Inhalt gestaltet, sondern auch das Cover der CD. Auf sechs A5-Seiten wird der Interessent, vergleichbar einer kleinen Broschüre, umfassend über das Leben und Wirken der beiden Widerstandskämpfer informiert. Des Weiteren werden auch die einzelnen Kapitel dargestellt, die auf der CD eine Rolle spielen.

Abgerundet wird die Cover-Gestaltung mit Illustrationen, die die Standorte der Emslandlager wiedergeben und den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Moorsoldaten gewidmet sind.

Die Erlöse aus dem CD-Verkauf sollen für die Gestaltung des kleinen Vorplatzes verwendet werden, der das Roma-Denkmal am Hauptbahnhof der Stadt Stolberg umgibt.

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