Grundschulen kooperieren mit Ballett-Atelier und Musikschule

Von: Sarah-Lena Gombert
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Mit viel Spaß tanzen die Kinder der Stolberger Grundschule Hermannstraße zu modernen Popsongs. Angeleitet werden sie von ausgebildeten Tanzpädagogen des Stolberger Ballett-Ateliers. Die Grundschule ist eine von zweien im Stadtgebiet, die an einem landesweiten Kulturförderprojekt teilnimmt. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. „Baby, I don‘t need Dollar bills to have fun tonight“ tönt es aus der Stereoanlage in der Turnhalle der Grundschule Hermannstraße in Stolberg. Die Zeile gehört zu dem fetzigen Song „Cheap Thrills“ der australischen Popsängerin Sia.

30 Schüler stehen, rhythmisch zu der Musik wippend, Tanzpädagogin Stefanie Gerhards vom Stolberger Ballett-Atelier gegenüber. Dann legen sie los, und präsentieren gut gelaunt ihre einstudierte Choreographie.

Dass die Kinder zur Unterrichtszeit tanzend in der Turnhalle stehen, ist Teil des Projekts „Jekits“ (Abkürzung für „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“), ein kulturelles Bildungsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen für Grundschulen. In Stolberg nehmen die Grundschulen Hermannstraße und die in Breinig seit den Sommerferien teil. Weitere Schulen in der Städteregion, die beteiligt sind, gibt es in Monschau und in Eschweiler.

„Bei dem Projekt lernen die Kinder das Thema Tanzen am eigenen Leib kennen“, erklärt Anja Briell, Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin an der Grundschule Hermannstraße. Zwar sei es gerade einigen Jungs anfangs etwas peinlich gewesen, sich rhythmisch zu Musik zu bewegen. „Doch mittlerweile machen die Kinder das richtig gerne“, so die Lehrerin. Apropos: Auch die Lehrkräfte schlüpfen regelmäßig in die Gymnastikschuhe und tanzen mit. „Das ist ganz schön anstrengend“, sagt Anja Briell und lacht.

Das Ziel des Tanz- und Musikprojekts unterteilt Stefanie Josefine Katzer von der zuständigen Jekits-Stiftung in drei Teile: „Es geht um das Miteinander“, sagt sie. Alle Kinder erfahren den Umgang mit Tanz oder mit Instrumenten gemeinsam mit ihren Lehrern. Zweitens solle kein Kind von der Teilhabe am kulturellen Leben ausgeschlossen werden, darum sei es wichtig, dass die ganze Klasse mitmacht. Und drittens liege dem Land auch die Anbindung von Kultureinrichtungen an die Schulen am Herzen.

„Für uns ist dieses Projekt auch ein Stück weit ein Experiment“, erklärt Siegfried Matheis vom Ballett-Atelier. Sein Tanzpädagogen-Team leitet die Tanzstunden an der Grundschule. „Während wir bei uns in der Ballettschule nur mit Kindern zu tun haben, die in ihrer Freizeit tanzen wollen und entsprechend motiviert sind, müssen wir hier die ganze Klasse begeistern“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei für die Tanzlehrerinnen eine Herausforderung.

Instrumente in Breinig

An der Grundschule Breinig wird, anders als in der Hermannstraße, nicht getanzt. „Wir haben den Schwerpunkt auf das Instrumentalspiel gelegt“, erklärt Marie-Theres Schmitz, Leiterin der Schule. Als Kooperationspartner konnte hier die Musikschule Merz gewonnen werden. Zunächst werden die Kinder auf das gemeinsame Musizieren vorbereitet, es wird miteinander gesungen, auch mehrstimmig. So soll vermittelt werden, dass man beim Musizieren aufeinander hören muss. Ziel ist es, dass bei Feiern an der Schule die bei Jekits erarbeiteten Stücke vorgeführt werden können.

„Aus Sicht der Stadt ist es toll, dass alle Kinder an den Schulen mitmachen können“, erklärt Josef Offergeld, stellvertretender Leiter des städtischen Jugendamts. Es sei im Sinne der Stadt, dass durch Jekits die Teilhabe an Bildungs- und Kulturangeboten verbessert werde, und zwar niederschwellig: Im ersten Jahr sind die Tanz- oder Musikkurse für die Grundschüler kostenlos. Im zweiten Jahr sind die Angebote dann nicht mehr verpflichtend, können aber gegen eine geringe Gebühr fortgesetzt werden, sofern die Kinder das wünschen. „Wir wollen aber nicht, dass die Teilnahme am Geld scheitert“, betont Stefanie Josefine Katzer. So gebe es für einkommensschwache Familien auch die Möglichkeit eines Preisnachlasses.

Fokus auf Kreativität

„Bei Jekits kommt es nicht darauf an, dass eine Choreographie direkt perfekt läuft“, erklärt die Beraterin von Jekits. Es gehe vielmehr darum, dass die Kinder gemeinsam Kreativität entwickeln und sich selbst entdecken können. „Und da ist es auch nicht schlimm, wenn die Jungs sichTelefonbeim Tanzen ein bisschen genieren“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

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