Grundschule Prämienstraße: Wege aus der Gewalt lernen

Von: Pia Sonntag
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Die Rektorin Rosemarie Schroeder, Projektentwicklerin Renate Schmitz-Gebel und die freie Mitarbeiterin Edith Jauernig betreuen die Kinder bei dem Projekt „Ich-Du-Wir-Ohne Gewalt“. Sie freuen sich über die Fortschritte, und hoffen auch auf nachhaltig positive Ergebnisse. Foto: Pia Sonntag

Stolberg. Bei den Zweitklässlern der Stolberger Grundschule Prämienstraße hat sich seit diesem Monat einiges verändert. Gewalt soll in der Klasse, die von Kindern verschiedenster Nationalitäten besucht wird, keine Rolle mehr spielen. Stattdessen soll die Gruppe von einem friedvollen Miteinander geprägt werden.

Ein Blick in die 2c der Grundschule reicht aus, um zu erkennen, dass gegenseitiger Respekt mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Mädchen und Jungen sitzen in einem Kreis nebeneinander und tragen ihre Briefe, die auf selbst gebastelten Herzen verfasst worden sind, ihrem Gegenüber vor.

„Ich schenke dir mein Herz, weil ich dich gerne mag und du ein guter Freund bist“, sagt eines der Kinder. Danach folgt eine herzliche Umarmung des Briefpartners. „Ich finde einfach großartig, wie die Kleinen aufeinander zugehen“, erzählt Rosemarie Schröder, die Rektorin der Schule.

Spender helfen

Der Grund für die harmonische Stimmung im Klassenraum ist das interkulturelle Gewaltpräventionsprojekt „Ich–Du–Wir–Ohne Gewalt“, das zum ersten Mal in einer Stolberger Grundschule stattfindet. Finanziert wurde der Unterricht durch eine anteilmäßige Förderung der Städteregion Aachen, einen Eigenanteil der Elternschulpflegschaft und die Sparda Bank West.

Mit 3000 Kindern getestet

Die Deeskalationstrainerin Renate Schmitz-Gebel hat das Projekt 1998 entwickelt und mit mehr als 3000 Kindern bereits in Aachener Grundschulen durchgeführt. Jetzt macht auch die Stolberger Grundschule mit, da das Thema Gewalt in allen Formen leider immer noch ein hochaktuelles Thema ist.

„Wir können nicht früh genug anfangen, gemeinsam mit Kindern gewaltfreie Wege aus Konflikten zu suchen, Unterschiede als großen Schatz zu entdecken, Gemeinsamkeiten zu finden und Respekt vor allen Menschen zu fördern. Damit kann man schon in der Grundschule beginnen“, sagt die Deeskalationstrainerin.

Kreative Methoden

Das Projekt beinhalte nicht nur trockenes Pflichtprogramm, sondern kreative Methoden, die Spaß und Freude bereiten. An den ersten Tagen der Projektarbeit, werde das Selbstwertgefühl, das eigene „Ich“ herausgearbeitet, erklärt Renate Schmitz-Gebel. Zu dem Gesagten präsentieren die Kinder stolz ihre gemalten Portraits. „So sehe ich mich selber“, sagt die Achtjährige, Clara Kaufmann, und zeigt dabei auf ihr Bild, das an der Wand hängt. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung friedvollem Miteinander, stelle das „Du“ - die Kommunikation dar.

„Eigene Gefühle werden mitgeteilt und die Gefühle anderer wahrgenommen. Eine vertrauensvolle Atmosphäre entsteht, erzählt die Rektorin, und bei dem „Wir“ verbessere sich bereits nach einigen Tagen der Zusammenhalt in der Gruppe.“ Sie ermutige die Kinder, selbst Lösungen für ihre Konflikte zu finden.

Eine selbst gebastelte Ampel soll den Kindern bildlich den Weg zur Konfliktlösung verdeutlichen: „Der rote Punkt steht symbolisch für die rücksichtslose Entscheidung, der gelbe Punkt ist die Idee zur Lösung und der grüne Punkt stellt die gewaltfreie Kompromissbereitschaft dar“, erzählt die siebenjährige Annika Brüll.

„Das Projekt macht sehr viel Spaß“, fügt sie hinzu. Auch die Eltern und das Kollegium seien direkt begeistert gewesen, als Ihnen die Grundideen und die Methoden vorgestellt wurden, berichtet Rosemarie Schröder. Positive Veränderungen und mehr Respekt gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen, hätten sie an ihren Kindern auch schon festgestellt, berichten die Vorsitzenden der Elternpflegschaft.

Noch bis Ende der Woche werde das Projekt laufen und eine hoffentlich nachhaltige Wirkung erzielen. Auch in Zukunft sollen die Kinder der Grundschule Prämienstraße von dieser Aktion profitieren. Darum würde sich die Schule über weitere Sponsoren freuen, um auch den anderen Kindern gewaltfreie Lösungswege vermitteln zu können, sagt die Rektorin.

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