Grundschule Atsch: Ein Arbeitsplatz, der zur zweiten Heimat wird

Von: Laura Beemelmanns
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Für Christa Sawalies ist die KGS Atsch nicht einfach nur ein Arbeitsplatz. Ihr Herz hängt an dieser Schule – und das schon immer. Foto: L. Beemelmanns
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Die Kunst, die die Grundschüler in Atsch erstellen, ist in der gesamten Schule ausgestellt. Für Christa Sawalies sind diese Werke etwas ganz Besonderes.

Stolberg. Schulleiterin ist Christa Sawalies eigentlich nie gewesen. Aber irgendwie ist sie es doch. Die 61-jährige Lehrerin ist seit Januar zum zweiten Mal kommissarische Schulleiterin der Grundschule Atsch – aber nur vorübergehend. Sie übernimmt den Posten nur so lange, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Dieses Prozedere kennt sie schon. Denn vor etwa zehn Jahren gab es diese Situation schon einmal. Damals war sie ebenfalls kommissarische Schulleiterin – für rund ein halbes Jahr. Nun macht sie den Job schon seit elf Monaten.

Genau der richtige Weg

Dass sie die Leitung nie so ganz übernommen hat, das hat mit ihrem Lebenslauf zu tun. Damals, vor etwa zehn Jahren, waren ihre drei Kinder gerade aus dem Gröbsten raus. Sie wollte diese Zeit intensiv genießen. Und heute, da sei sie „zu alt“, sagt Sawalies und lacht. Bereut habe sie das nie. Sie wisse, dass dieser Weg genau der richtige war. „Es ist vollkommen in Ordnung, wie es gelaufen ist. Mein Ziel war immer, Klassenlehrerin zu sein“, sagt sie. Und das hat sie ja auch geschafft.

„Ich bin eine Vollblutlehrerin vom alten Schlag“, fügt sie hinzu. „Mein Mann sagt immer, dass hier nur noch ein Feldbett fehlt, denn dann könnte ich auch hier übernachten.“ Das alles sagt Christa Sawalies nicht einfach so daher. Man merkt es ihr an, dass ihr Herz an dieser Schule hängt. „Ich habe hier jedes Möbelstück mit ausgewählt, ich kenne jeden Raum. Das ist einfach meine zweite Heimat.“

Damit gemeint ist natürlich die Grundschule Atsch, die sie in nicht mehr ganz zwei Jahren verlassen wird. Im Jahr 2017 geht sie nach 40 Dienstjahren, die sie fast ausschließlich in der KGS Atsch verbracht hat, in den Ruhestand. Und bis dahin wollte sie noch ein Mal alle vier Schuljahre erleben und eine Klasse auf ihrem Weg begleiten. Diesen Wunsch habe das Kollegium akzeptiert, als es sie erneut zur kommissarischen Leiterin gemacht hat.

Hin und her gependelt

Im leitenden Team war sie jedoch immer schon. Das begann gleich im Jahr 1985. Damals saß sie noch auf einem anderen Stuhl. Genauer gesagt auf dem, der ihr nun gegenüber steht. In der Grundschule Atsch sitzt die Schulleitung am linken Schreibtisch des Büros, der Team-Kollege am rechten. Zwischen diesen beiden Plätzen und diesen beiden Posten pendelte sie hin und her. Zurzeit sitzt sie wieder links. Doch „wenn sich jemand bewirbt, kann das ganz schnell vorbei sein“, sagt sie.

Das mache Sawalies nichts aus. Sie sei froh darüber, dass sie ihre Klasse noch bis zur weiterführenden Schule begleiten könne. Für ihre Nachfolger sei ihr wichtig, dass die vielen angeschobenen Projekte weitergeführt würden. Dazu gehören unter anderem die Ausbildung der Streitschlichter, der Schwimmunterricht ab der zweiten Klasse, der ihr sehr am Herzen liege, die AGs in den MINT-Fächern, die Teilnahme an den Schultheatertagen und das große Schul- und Sportfest, das im zweijährigen Wechsel stattfindet.

Aber auch die Kunst, die die Schüler der Grundschule Atsch in Projekten erstellt hat, hat es Sawalies angetan. Die Werke sind in der gesamten Schule ausgestellt. Und wenn Sawalies durch „ihre“ Schule geht und sie die Werke anschaut, dann leuchten ihre Augen. Ihr sei es wichtig, dass sich die Kinder in all diesen Bereichen entwickeln und vielleicht Talente entdecken können. Dazu gehöre auch das Sprachtalent.

Aus diesem Grund findet erstmalig ein Austausch zwischen Grundschülern aus der Atsch und Grundschülern aus Frankreich statt. Die Französisch-AG wird aus diesem Grund im Mai in die Bretagne reisen. Bereits im März sind die französischen Austauschschüler in Stolberg zu Gast.

Sawalies hat in all den Jahren eine Menge erlebt, viele Schüler kennengelernt, viele junge Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet. Bei den Neuanmeldungen in den vergangenen Jahren habe sie viele ehemalige Schüler als Eltern wieder getroffen und unterrichtet nun auch diese Kinder. Als sie damals an der Grundschule Atsch als junge Lehrerin anfing, wurde sie „die Türkenlehrerin“ genannt. Sawalies hat jungen Immigranten, die vor allem in den 80er Jahren nach Deutschland gekommen sind, Unterricht gegeben, lernte türkisch und arbeitete eng mit türkischen Kollegen zusammen. Sie hat viele Reisen in die Türkei unternommen, um das Land, dessen Menschen und deren Mentalität besser kennenzulernen. „Das war eine sehr schöne Zeit“, sagt sie heute.

In diesem Jahr sind sechs Flüchtlingskinder an der Schule, die derzeit unterrichtet werden. Für Sawalies sei die Integration dieser jungen Menschen sehr wichtig. Von den 183 Schülern habe etwa ein Drittel eine Migrationsgeschichte. Daher gebe es auch seit zwei Jahren eine Lehrerin, die Türkisch spreche und die Schüler in ihrer Muttersprache unterrichte.

Sawalies verweist auch aber nicht nur deshalb auf das bunte Schild, das am Eingang der Grundschule hängt. „Wir sind alle unterschiedlich, aber in dieser Schule halten wir alle zusammen“, steht dort geschrieben. Entstanden ist es aus einem der vielen Kunstprojekte, die Sawalies so am Herzen liegen. Und sie sagt, dieser Spruch sei nicht einfach nur eine Aussage. Er stimme auch.

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