Großer Preis von NRW: Neue Bahn feiert Eröffnungsdebüt

Von: Leona Otte
Letzte Aktualisierung:
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Alle Augenpaare der Fahrer und Zuschauer sind auf die neue H0-Bahn gerichtet. Beim Großen Preis von NRW im Slotcar, ausgetragen vom 1. Stolberger Automodellclub, ist vor allem eines gefragt: Konzentration.
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Auch auf offener Straße würden die Slotcars den Großen speedmaßig Konkurrenz machen.

Stolberg-Werth. Alle Augenpaare im Raum sind auf sie gerichtet, auf die neue Slotracingbahn in der alten Schule in Werth. Hier, wo hinter den dicken Mauern das Adrenalin nur so durch die Adern schießt, wie die Autos über die Rennbahn.

Für ebenjene Momente des Nervenkitzels sind die Fahrer am Samstag aus der ganzen Region angereist: Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach, Wuppertal und Münster – keine Autofahrt war ihnen zu weit, um sich in Stolberg ein richtiges Rennen zu liefern, in Miniaturform versteht sich: Beim Großen Preis von NRW, ausgetragen vom 1. Stolberger Automodellclub.

Die Mitglieder des ortsansässigen Vereins, der schon lange kein unbekannter mehr sein dürfte, treffen sich jeden Mittwoch und lassen das aufleben, was einst so manche Kindheit geprägt hat. Denn das Slot-Car gehört zu keiner geringeren als zur Familie Carrera. So wird für Rennen in dieser Größenordnung das ganze Jahr über trainiert: „Frühjahr und Herbst, dass sind für uns die Zeiten, wo die Rennen gefahren werden“, sagt Andreas Quadflieg, der Zuständige für die Pressearbeit und blickt auf die Ankömmlinge, die langsam beginnen, sich auf den Rennstart vorzubereiten. Besonders ins Auge springt dabei die neue H0-Strecke: Maßstab 1:64, zehn Meter lang, vierspurig.

Mehrere Monate über hat der Verein, aber vor allem Kalle Stenten (Vorsitzender), sie auf Initiative von Vereinsmitglied und heutigem Rennleiter, Markus Kassel, in liebevoller Detailarbeit mit winzigem Rasen, Brücken und optischen Schikanen zusammengebaut. Bestehend aus vier Platten mit zusammengesteckten und festgeschraubten Carreraschienen, die wiederum zerlegt werden können, so dass sich das flotte Teilchen zur Mobil-Bahn wandelt: „Das ist natürlich ein Vorteil im Vergleich zu unserer großen sechsspurigen Holzbahn. Die Kleine kann gemietet werden, zum Beispiel zu Geburtstagsfeiern“, äußert Quadflieg weiter.

In Deutschland gibt es eine Szene, die diese Art von Strecke deutlich favorisiert, nicht ohne Grund findet der Große Preis von NRW daher auf dieser Bahn statt: „Ich finde es super, dass sie jetzt fertig ist und wir einen weiteren Anlass haben, gemeinsam vernünftig organisierte Rennen, außerhalb der Kellerräume, zu fahren“, pflichtet H0-Fan Markus Kassel bei. Die letzten schleifenden Handgriffe unter der Karosserie werden derweil vorgenommen, damit der Strom richtig fließen kann.

Dann setzen die Geschwindigkeitsliebhaber, nach einem Gruppeneinteilungsqualifying und dem „Vorführeffekt“, wie Mitglied Marc Brandt betont, ihre Autos in Startposition. Eine automatisierte Computerstimme erwacht zum Leben und zählt runter: Five, four, three, two, one – go! Autos fliegen innerhalb von Bruchteilen von Sekunden über die Bahn, werden hier und da aus den Kurven geschleudert, überschlagen sich – jetzt geht es um alles oder nichts.

Das Slot-Standardmenü, bestehend aus Frikadellen, Bockwurst und Kartoffelsalat, ringsum auf den Tischen, ist völlig vergessen. Die 14 Teilnehmer geben Runde für Runde alles, während die Söhne von Benno Zimmermann, Maro (7) und Lean (3), vor Aufregung fast auf der Strecke stehen und mit leuchtenden Augen die Speed-Geräusche der Autos nachmimen.

Für die Fahrer gilt, den Tunnelblick auf das eigene Auto zu bewahren, das ist das Geheimnis, sowie sauber und konstant zu fahren. Nur so kann man sich durchsetzten.

Jeder Slotracer fährt jede Strecke ein Mal, jeweils drei Minuten. Danach geht der Strom aus, so wird gewährleistet, dass die genaue Rennzeit ohne Nachlaufzeit eingehalten wird. Nach zwölf Minuten ist das Rennen für die erste von drei Gruppen beendet: „Wir haben heute insgesamt über den Tag verteilt vier Rennen, darunter zwei Meisterschafsrennen, den BMW-Cup und den GT-Cup“, erklärt Quadflieg. Wer am Ende, innerhalb kürzester Zeit, die meiste Strecke mit den Autos der Klassen Magneter und Faller gefahren ist, hat gewonnen.

Für Holger van gen Hassend, der mit Sohnemann Carl extra aus Münster gekommen ist, ein ganz besonders Vergnügen: „Wir dachten uns, Stolberg – Münster, dass ist in zwei Stunden zu schaffen. Slotcar ist für mich die Form der männlichen Kommunikation. Sehen Sie: Frauen können sich treffen und einfach so stundenlang miteinander quatschen, wir Männer dagegen brauchen dafür immer einen Grund und etwas zu tun“, sagt der Münsteraner und schmunzelt.

Auch Carl genießt den Großen Preis von NRW in vollen Zügen: „Es macht einfach Spaß. Mir gefällt es besser sein zu können, als die anderen und vor allem, wenn das Adrenalin steigt“, sagt der 14-Jährige, bevor auch er mit seinem Lieblingsauto, einem blau-orangen AC-Cobra, auf der neuen Bahn in Werth an den Start geht.

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