Stolberg - Großeinsatz: Blei läuft aus QSL-Reaktor der Bleihütte

Großeinsatz: Blei läuft aus QSL-Reaktor der Bleihütte

Von: -jül-
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Aus dem 120 Tonnen fassenden QSL-Reaktor traten einige Tonnen 1000 Grad heißes Blei und Schlacke aus einer Düse aus. Archivbild : J. Lange
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Zwar gerüstet, aber eingreifen musste die Feuerwehr in der Bleihütte nicht. Sie konzentrierte sich auf Luftmessungen. Foto: R. Roeger
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Sicherheitshalber baute die Feuerwehr eine Wasserversorgung aus dem Vichtbach direkt vor den Toren der Bleihütte auf. Foto: R. Roeger

Stolberg. Die wichtigste Nachricht vorneweg: Verletzt wurde niemand, und der Sachschaden hält sich in Grenzen. Eine Betriebsstörung in der Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer löste am Donnerstagmittag einen Großeinsatz der Stolberger Feuerwehr aus.

Ein Zwischenfall in der Stolberger Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer hat am Donnerstag für einen größeren Feuerwehr- und Polizeieinsatz gesorgt. Ursache der Brandmeldung war eine Betriebsstörung am sogenannten QSL-Reaktor. Dort kam es gegen Mittag zu einem Austritt von Blei und Schlacke aufgrund einer defekten Düse, wie Produktionsleiter Knut Esser auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.

Gegen 12.37 Uhr schlug die automatische Brandmeldeanlage an, als in der Betriebshalle des QSL-Reaktors ein Gemisch aus Blei und Schlacke an einer Düse austrat, wie Produktionsleiter Knut Esser auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. In dem etwa 120 Tonnen fassenden Reaktor wird Blei aus Konzentraten und sekundären Rohstoffen bei einer Prozesstemperatur von rund 1000 Grad Celsius gewonnen.

Die heiße Flüssigkeit lief in eine sicherheitshalber vorgesehene Auffangwanne unter diesem „Drehrohrofen“. Dabei entstand aufgrund des starken Temperaturunterschieds, „eine intensive Dampfwolke, die in ihrem Sog auch Staub mitzog“, erklärte Esser. „Das ist aber nicht vergleichbar mit dem Zwischenfall vom Juli 2015, wo wenige Minuten lang Schwefeldioxid aus dem Kamin abgegeben wurde“, sagte Esser.

Zudem entstanden einige Kleinfeuer, etwa an Kabelleitungen, die durch die Belegschaft schnell unter Kontrolle gebracht wurden.

Die genaue Menge des ausgetretenen Bleis konnte die Hütte am Donnestag noch nicht beziffern, da der Bereich aufgrund der vorherrschenden Temperaturen noch nicht betreten werden konnte. Esser geht von einer kleinen zweistelligen Menge aus. Die Suche nach der Fehlerursache steht zudem noch an. Sobald der Austritt der Flüssigkeit durch Drehen des Reaktors gestoppt war, verschwand auch die Dampfwolke. Den im Bereich Büsbach bis Innenstadt weithin sichtbaren Rauch erblickte die anrückende Feuerwehr ebenso wie die Besatzung des zufällig die Betriebsstätte überfliegenden Rettungshubschraubers.

„Aufgrund ihrer Rückmeldung „haben wir die Alarmstufe sofort erhöht“, berichtete Feuerwehrsprecher Michael Konrads. Neben Kräften der Hauptwache waren die Löschgruppen Atsch, Büsbach, Donnerberg, Mitte, Münsterbusch, Mausbach, Vicht, Zweifall und Gressenich unter Leitung von Stadtbrandinspektor Andreas Dovern im Einsatz. Zudem wurden die beiden städteregionalen Komponenten zur Messtechnik mit weiteren Kräften aus Eschweiler, Herzogenrath, Simmerath und Monschau angefordert, so dass der Einsatzleiter auf gut 110 Feuerwehrleute zurückgreifen konnte.

Die Zweifaller Straße (L 238) wurde zur Aufstellfläche zahlreicher Einsatzfahrzeuge. Sie wurde zwischen Burgholzer Graben und Bernhardshammer komplett für den Verkehr gesperrt. Erst gegen 17 Uhr konnte die Landesstraße wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Bereits um 16 Uhr hatte die Feuerwehr Entwarnung für die Bevölkerung gegeben. Neben einer ersten Erkundung und Beratung mit den Fachleuten von Berzelius konzentrierte sich die Feuerwehr gleich auf Messungen, ob durch den Zwischenfall Schadstoffe in die Luft gelangt sein könnten. Sicherheitshalber wurde kurz nach Einsatzbeginn die Bevölkerung in Büsbach und Teilen der Innenstadt aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Neben den Online-Angeboten unserer Zeitung setzten Polizei und Feuerwehr dabei auf lokale Radiosender und Lautsprecher-Durchsagen aus Feuerwehrfahrzeugen. Allerdings beschwerten sich einige Leser, dass diese Durchsagen inhaltlich zu knapp bemessen gewesen seien, weil nichts über die Ursache der Vorsichtsmaßnahme mitgeteilt worden sei.

Zusätzlich zu sechs Messstellen im Umfeld der Bleihütte richtete die Feuerwehr drei weitere Messstationen am Bethlehem Gesundheitszentrum, am Ritzefeld-Gymnasium und an der Büsbacher Grundschule ein. Aufgrund der Ergebnisse habe zumindest „seit dem Zeitpunkt der Messungen keinerlei Gefahr für die Bevölkerung bestanden“, erklärte Konrads.

Neben dem Amt für Arbeitsschutz, der städtischen Sicherheitsbeauftragen Dr. Ingeborg Hausmann und dem Fachberater Chemie Hartmut Prast machte sich auch Kreisbrandmeister Bernd Hollands ein Bild der Lage.

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