Große Oper in Wohnzimmer-Atmosphäre

Von: mlo
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Einen hinreißenden Opernabend
Einen hinreißenden Opernabend boten Musikdirektor Reinhardt Naumann (Klavier) und Michèle Rödel (Sopran) im Bürgerhaus Büsbach. Foto: M.-L. Otten

Stolberg-Büsbach. Auf die Frage, warum sie nicht in einem festen Engagement singe, antwortete die junge Konzertsängerin Michèle Rödel, dass ihr die Freiheit lieber sei als irgendwo in einer Inszenierung, die ihr nicht gefalle, mitzuarbeiten.

Und als festes Mitglied im Theaterensemble habe sie kaum die Möglichkeit, in diesem Jahr in Istanbul, in Belgien, in Österreich und in der Schweiz zu singen. Im Übrigen brauche sie die Nähe zu ihrem Publikum. Diese hatte sie im Bürgerhaus in Büsbach im wahrsten Sinne des Wortes. In Wohnzimmer-Atmosphäre gab die 24-jährige Sopranistin Highlights aus verschiedenen italienischen und deutschen Opern zum Besten. Großen Anteil am Erfolg hatte Musikdirektor Reinhardt Naumann, der die Sängerin umsichtig und gefühlvoll am Flügel begleitete.

Und er zeigte mit dem zweiten Satz aus der Klaviersonate Nr. 8 in c-Moll („Pathétique”) von Ludwig van Beethoven sowie dem populären „Impromptu” As Dur von Franz Schubert mit seinen perlenden Arpeggien, dass er auch als Solopianist Hervorragendes leistet. Im vergangenen Jahr vom Präsidenten der Akademie Musik & Bühne Aachen-Dresden, Ulrich Niesen, als Mitglied h.c. für die Pflege von Werken in Vergessenheit geratener Meister geehrt, hatte Michèle Rodel sieben neue Lieder und Arien von bekannten und weniger bekannten Komponisten vorbereitet.

Allen voran die Seguidilla der Carmen von George Bizet, die Arie „Nel cor, piu non mis sento” aus der „schönen Molinara” vom neapolitanischen Komponisten Giovanni Paisiello und die Kanzonette „Star vicino a bel Idol che s ama” vom italienischen Maler und Musiker Salvator Rosa. Natürlich durfte auch Wolfgang Amadeus Mozart auf dem festlichen Konzert nicht fehlen. Bei der Kavatine der Gräfin Almaviva ging den Zuhörern förmlich das Herz auf, Rödels klarer Sopran berührte jeden.

Große italienische Oper gab es mit dem Gebet der Fenena aus der Freiheitsoper „Nabucco”, der Kanzone der Azucena aus dem „Troubadour” sowie dem „Ave Maria” aus „Othello” und dem Gebet der Leonore aus der „Macht des Schicksals” von Giuseppe Verdi.

Die Stipendiatin der internationalen Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth beherrschte die dramatischen Mezzosopran-Partien ebenso wie die schwierig zu interpretierende Rolle im „Barbier von Sevilla”, mit der Giacomo Rossini den Höhepunkt seiner kompositorischen Meisterschaft erreicht hatte. Giacomo Puccinis populärsten Werk, „La Bohème”, vereint eine Vielfalt melodischer Einfälle.

Mimis Soloszenen

Besonders Mimis Soloszenen erzielen mit sparsamsten Mitteln größte Wirkung. Dies erfuhr auch Michèle Rödel, deren Arie „Mi chiamano Mimi” mit viel Beifall bedacht wurde. Die Höhe gelang ihr mühelos, und auch in der angenehm timbrierten Mittellage entfaltete sie detailfreudiges Spiel.

Überhaupt war Klangschönheit und Verinnerlichung beiden Künstlern wichtig, wenn auch der Flügel sicher nicht den Vorstellungen des Pianisten entsprach. Dennoch gab es als Bonbon zum Schluss den besinnlichen „Abendsegen” aus Hansel und Gretel von Engelbert Humperdinck.
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