Großbaustelle an Rathausstraße: Geschäftsleute machen weniger Umsatz

Von: Laura Beemelmanns
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Nicht nur für Autofahrer ist die Baustelle am Bastinsweiher eine Achterbahnfahrt auf Asphalt, sondern auch für die Fußgänger. Einige Geschäfte lassen sich nämlich nur noch zu Fuß erreichen. Für Händler und Kunden ist das zum Teil sehr umständlich. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Die ältere Frau, die am Montag ins Geschäft von Schumacher Kemal Benli an der Rathausstraße kommt, hat einen beschwerlichen Weg hinter sich. Einfach mit dem Auto bis vor das Haus mit der Nummer 95 fahren, das konnte sie nicht. Schließlich erstreckt sich über den gesamten Teil der Rathausstraße, am Bastinsweiher entlang, eine riesige Baustelle. Parkplätze gibt es dort gerade nur sehr wenige. Daher musste sie zu Fuß kommen.

Sie gibt dem Schuster zwei Paar Schuhe, um sie neu besohlen zu lassen. Im besten Falle würde sie die Schuhe gerne nach einer Stunde wieder abholen, sagt sie. Denn sie komme aus Mausbach und habe zudem einen Hüftschaden. Viel laufen, das kann sie nicht mehr.

Kemal Benli hört in den vergangenen Wochen häufiger solche Geschichten. Er sagt, dass Kunden immer mal wieder über die Baustelle meckern würden. Das Meckern und der Lärm der Baustelle, der in seinem Geschäft noch deutlich zu hören ist, würden ihn allerdings nicht mal groß stören. Das größere Problem sei ein ganz anderes: „Ich mache momentan zu wenig Umsatz“, sagt Benli. Es komme seit einiger Zeit weniger Laufkundschaft zu ihm.

Ähnlich sieht es bei seinem Nachbarn aus. Bei der Wäscherei Braun sei der Umsatz auch nicht wie gewohnt, sagt Inhaber Josef Braun. „Ich habe nur Verluste.“ Die Kunden könnten nicht mehr vor dem Geschäft parken, und auch die Auslieferung der Wäsche wäre für ihn nicht mehr so einfach möglich. „Wir haben hier auch Teppiche, Kleidung mit großen Folien darüber und ganze Körbe voller Wäsche. Da ist es nicht so einfach, wenn man weite Strecken laufen muss“, sagt er. Braun und seine Kollegen können über einen zweiten Ausgang an der Blaustraße ausweichen. Das sei aber nur eine Notlösung.

Über den generellen Verlauf der großen Baustelle will Braun allerdings kein negatives Wort verlieren. „Die Regelung des Tempos ist gut, und die Arbeiter sind sehr freundlich. Sie verändern die Absperrungen immer dann, wann es geht, so dass die Kunden Abkürzungen nehmen können“, sagt Braun. Dennoch beklagt auch er die fehlende Laufkundschaft. „Menschen, die viel Wäsche hierher tragen müssen, fahren lieber weiter.“

Auch auf der gegenüberliegenden Seite hat die Baustelle Auswirkungen auf die Geschäftswelt. Zum Beispiel in der Apotheke von Hartmut Kleis. „In manchen Wochen hatten wir einen Umsatzrückgang zwischen zehn und 20 Prozent“, sagt er.

Dennoch spricht sich der Apotheker für den Umbau der Straße aus. „Ich weiß auch, dass wir Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber es wäre schön, wenn man das Ausmaß des Umsatzrückgangs beeinflussen könnte“, fügt er hinzu. Er habe diesbezüglich inzwischen das Gespräch mit der Verwaltung gesucht. Kleis wünscht sich, dass im Rahmen der Maßnahmen immer wieder auch die Parkplätze genannt würden, die gerade frei seien. „Im Bereich der Euregiobahn und am Jordansplatz sind immer Plätze frei“, sagt Kleis. Nur fände er keine Hinweise darauf. „Menschen, die lesen, welche Straßen und Parkplätze gerade alle gesperrt sind, kommen dann vielleicht lieber gar nicht mehr in die Stadt“, sagt er. Kleis habe sich für die aktuelle Situation auch schon überlegt, wie man wieder mehr Menschen – trotz Baustelle – in die Innenstadt locken könne. „Kostenfreies Parken in dem Bereich wäre schön“, sagt er und schmunzelt.

Dass diese Möglichkeit seitens der Verwaltung in Betracht gezogen werden könnte, damit rechnet Robert Walz, Sprecher der Stadt, eher nicht. „Bei den Parktickets steht nicht der Verdienst für die Stadt im Vordergrund, auch wenn das immer angenommen wird. Es geht dabei viel mehr um Fluktuation“, sagt Walz. Denn wenn es im Bereich der Baustelle beispielsweise einige kostenfreie Parkplätze geben würde, dann wären diese erfahrungsgemäß von Dauerparkern besetzt.

Seitens der Stadt versuche man laut Bernd Kistermann vom Amt für Immobilienmanagement und technische Infrastruktur Parkplätze immer kurzfristig da einzurichten, wo es gerade möglich sei. Auch Absperrungen würden bei Bedarf für Fußgänger geöffnet. „Wenn es heute vier Parkplätze gibt, kann das in zwei Tagen aber schon wieder anders sein“, sagt Kistermann. Die Baustelle sei zu groß, um genau voraus zu sagen, wann wo was exakt passiere. Die Ausweichmöglichkeiten am Jordansplatz und auf dem P+R Parkplatz am Busbahnhof, die Hartmut Kleis vorgeschlagen hatte, halte er für eine gute Idee. Vor allem der Parkplatz am Busbahnhof sei jedoch stark frequentiert. Da müsse man schnell sein.

Insgesamt lägen die Bauarbeiten in der Innenstadt im Bauzeitplan. Lediglich die Maßnahmen der Versorgungsträger hätten sich ein bisschen verzögert. Der Bereich an der Einmündung Frankentalstraße sollte beispielsweise nur eine Woche gesperrt werden, nun seien es aber zwei geworden. Alles voraussehen könne man bei einem so großen Projekt nicht. „Der Mühlenteichlauf und das ehemalige Aseag-Häuschen sind aber bereits abgerissen und die Baugrube, wo eine öffentliche Toilette war, verfüllt worden. Die Böschungsgestaltung am Bastinsweiher ist zudem angelaufen. Der Straßenunterbau ist eingebracht und nächste Woche werden die Bordsteine gesetzt“, sagt Kistermann. Dann könne man erkennen, dass wieder etwas Neues, Sichtbares entstehe.

Ende dieses Jahres sollen die gesamten Umbaumaßnahmen dann ja auch endgültig fertiggestellt sein.

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