Groschek: „Investitionen in die Logistik sind sinnvoll“

Von: Jürgen Lange
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Zwei Stunden Kupferstadt: Minister Michael Groschek mit Stephan Boleslawsky auf der provisroschen Überführung (unten), mit Parteifreunden in der Innenstadt (o.l.) und beim Spatenstich mit Stefan Kämmerling, Werner Lübberink, Tim Grüttemeier, Axel Wirtz, Stephan Boleslawsky und Heiko Sedlaczek (o.r.v.r.). Foto: J. Lange

Stolberg. Gut lachen hat Michael Groschek, als er mit Stephan Boleslawsky über die selbst in Bahnkreisen seltene provisorische Überführung plaudert. In 95 Prozent greift die Bahn bei Bauarbeiten auf Tunnel zurück. „Und in Stolberg musste die Überführung sogar erdbebensicher sein“, erklärt der Leiter des Bau- und Anlagenmanagements der DB Station & Service AG.

Doch die frische Luft acht Meter hoch über den Schienen gefällt dem Minister für Städtebau und Verkehr allemal besser als der Gestank der alten Unterführung, die er im November 2012 am Hauptbahnhof in Augenschein genommen hat. „Sie haben damals den Begriff ,Skywalk‘ geprägt“, erinnert Hildegard Nießen, frühere Landtagsabgeordnete und Mitglied des Beirats der Euregio-Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), den aus Düsseldorf angereisten Minister.

Diese neue Überführung soll ab Oktober montiert werden und den barrierefreien Übergang von dem im Bau befindlichen Parkhaus zum Mittelbahnsteig an der Hauptstrecke zwischen Aachen und Köln garantieren. Der wird derzeit barrierefrei und zeitgemäß ausgebaut. Michael Groschek ist es vorbehalten, den offiziellen Spatenstich zu vollziehen, der an diesem Tag aber aus Sicherheitsgründen auf das Hochhalten eines Schildes beschränkt ist.

„Mit den Arbeiten in Stolberg gehen wir einen weiteren Schritt hin zum komplett barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe im Land“, freut sich Werner Lübberink. „6,6 Millionen Euro werden alleine im Hauptbahnhof investiert“, sagt der Konzernbevollmächtigte der DB für NRW. 600 Millionen Euro solle im Rahmen der Modernisierungsoffensive bis 2023 investiert werden. 80 Prozent der Bahnhöfe in NRW sollen bis Ende 2019 stufenfrei ausgebaut sein. In Stolberg wird der Bahnsteig auf 220 Meter Länge von 38 auf 76 Zentimeter angehoben.

Damit können zukünftig die S-Bahn und sogar ICE, wenn auch nicht im Regelverkehr, in der Kupferstadt halten. Für den ab 2018 verkehrenden Rhein-Ruhr-Express RRX, der Stolberg später sogar mit zwei Linien anbinden soll, ist der barrierefreie Zugang eine unabdingbare Voraussetzung, denn den neuen Waggons fehlen weitere Stufen. „Deshalb muss auch der Bahnsteig Eschweiler bis dahin modernisiert werden“, mahnt Heiko Sedlaczek an. Für Stolberg hat der Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland eine gute Nachricht im Gepäck.

Im nächsten Jahresquartal kann die Stadt mit dem Zugangsbescheid für die 95-prozentige Parkhaus-Finanzierung rechnen. Die Kupferstadt ist mit der Finanzierung des rund 3,2 Millionen Euro kostenden Projektes in Vorleistung getreten – eine Leistung, die auch Michael Groschek würdigt. „Die Modernisierung des Stolberger Hauptbahnhofs ist sehr wichtig“, sagt er mit Blick auf den Dreh- und Angelpunkt an der intensiv genutzten Verkehrsachse. Dabei ist Groschek bewusst, dass es „neben dem Autostau auch einen Schienenstau“ gibt. Was bedeutet, dass weitere Investitionen in den Streckenausbau erfolgen sollen.

Da ist die Elektrifizierung der Euregiobahn nur eine von vielen Maßnahmen. Heiko Sedlaczek nutzt gleich die Gelegenheit, den Minister beispielsweise auch mit den vielfältigen Problemen des grenzüberschreitenden Verkehrs nach Belgien vertraut zu machen. Spontan sichert Werner Lübberink die Unterstützung der DB zu.

Wie erfolgreich gemeinsames Vorgehen sein kann, macht Tim Grüttemeier am Stolberger Vorbild deutlich. Ebenso gemeinsam trage der Stadtrat die Ausbauprojekte mit wie die Partner von DB, EVS, NVR und Ministerium. Der modernisierte Hauptbahnhof werde ein entscheidend aufgewertetes Entree in die Kupferstadt sein. Da liegt es nahe, den Minister auf sein Umfeld und das Projekt Euregio-Railport anzusprechen. „Grundsätzlich halte ich Investitionen in die Logistik für sinnvoll“, antwortet Groschek auf Nachfrage unserer Zeitung.

Dies gelte ganz besonders für Stolberg, wo das Potenzial vorhanden sei und private Partner wie öffentliche Hand gemeinsam gewillt seien, voranzuschreiten, während anderenorts die Akteure „zum Jagen getragen werden“ müssten. Allerdings gebe es noch offene Fragen zur Verkehrserschließung, die für solch ein regionales Logistikzentrum noch geklärt werden müssten.

In diese Fragestellung hinein spielt auch der dritte Bauabschnitt der L 238. Für die Weiterführung von Pumpe zur Steinfurt „gibt es naturfachliche Aufgaben, die geregelt werden müssen, und Grundstücksgespräche, die noch zu führen sind“, sagt Michael Groschek. Und der Minister betont dabei, dass „ich immer wieder gerne nach Stolberg komme“, um mit weiteren Fördermaßnahmen den Aufschwung und Wandel der alten Industriestadt mit ihren Problempunkten positiv zu begleiten.

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