Stolberg-Gressenich - Gressenicher Grundschule blickt auf ihre 50-jährige Geschichte

Gressenicher Grundschule blickt auf ihre 50-jährige Geschichte

Von: Jürgen Lange
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Ein krönender Höhepunkt für die Gressenicher Schulfamilie: Nahezu komplett versammeln sich Schüler, Lehrer, Eltern und Besucher im Anschluss an die offizielle Feierstunde zum gemeinsamen Trommeln in der Turnhalle. Anschließend wird auf dem Schulgelände noch lange gefeiert. Foto: J. Lange
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Mit Zeitungshut wie als Schüler bei der Einweihung: MdL Axel Wirtz.
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Förderverein ein Segen: der frühere Rektor Günter Winterscheid.
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Findet Interessantes in der Chronik: Rektorin Hildegard Lüttecke.

Stolberg-Gressenich. „Habt ihr mich erkannt?“: Axel Wirtz ist nicht der einzige Besucher der Gressenicher Grundschule, der diese Frage an diesem Tag stellt. Eine spannende Ausstellung dokumentiert 50 Jahre Schulgeschichte. Und schon damals spielt Axel Wirtz eine wichtige Rolle.

Der Landtagsabgeordnete steht 1965 als Zweitklässler auf der Bühne, als die Grundschüler ihre allererste Aufführung machen. Ebenso wie vor einem halben Jahrhundert trägt er auch jetzt beim Festakt einen Hut aus Zeitung auf dem Kopf und gratuliert zum Jubiläum, während die heutigen Schüler wieder neu das alte Lied vom Handwerker anstimmen...

Musik, die hat schon immer einen hohen Stellenwert in Gressenich. Das kann man nicht nur den Ausführungen von Hildegard Lüttecke entnehmen, sondern auch bei dieser Schulfeier erleben. Die ganze Schule – Kinder, Eltern, Lehrer und ihre Gäste – fiebert eigentlich der Mittagsstunde entgegen, wenn in der Turnhalle das große Trommeln beginnt. „Da wollen alle dabei sein“, sagt die Rektorin stolz. Natürlich ist auch der authentische Festakt im Musiksaal musikalisch untermalt von Mitgliedern der schuleigenen Musikschule mit Lehrern und unter der Leitung von Peter Verhees. Er hat am Vorband mit einem Ensemble aus Gressenich die Verleihung des städtischen Ehrenamtspreises begleiten dürfen.

Mit dem Song „Freunde sind wichtig“ und dem Lied vom Regenbogen stimmen die Schüler zwei Themen an, die für die Grundschule von herausragender Bedeutung sind. In Gressenich werden die symbolischen Farben des Regenbogens mit Leben gefüllt und Freundschaften genießen hier einen besonders hohen Stellenwert. Immerhin ist die Schule ein integraler Bestandteil eines intakten Dorflebens. Die Blasmusikanten proben hier, die Zusammenarbeit mit der SG Stolberg wird gepflegt, und gemeinsam wird darauf geachtet, dass dem Nachwuchs in Gressenich eine gelungene Grundlage für das weitere Leben in die Wiege gelegt wird.

Doch zuerst einmal wird gerungen um den Bau der Grundschule – im Dorf und vor allem im Rat der damals selbstständigen Gemeinde mit Bürgermeister Hubert Theißen an der Spitze sowie Pfarrer Josef Hohn als Pastor. Hildegard Lüttecke hatte in den Chroniken geblättert und lässt nun pointiert die wichtigen Eckpunkte Revue passieren. Letztlich wird im Februar 1964 mit dem Bau begonnen; ein Jahr später wird der Rohbau eingeweiht, und im Oktober 1965 erfolgt die feierliche Einweihung und Einsegnung der Katholischen Grundschule Gressenich, bei der Herr Pastor die Bedeutung der Konfessionsschule und die damalige Landtagsabgeordnete Anna Klöcker die außerordentlichen Vorteile einer Dorfschule unterstreichen....

Bis 1969 fungieren die Grundschulen in Gressenich und Mausbach als Mittelpunktschulen bis zur 8. Klasse, in Werth und Schevenhütte wird bis zum 4. Schuljahr unterrichtet. 1969 dürfen die Gressenicher Eltern abstimmen: 45 entscheiden sich für die Bindung der Erziehung an den katholischen Glauben, aber 90 für die staatliche Variante. Gressenich ist fortan eine Gemeinschaftsgrundschule, die im Januar 1976 eine eigene Turnhalle erhält.

Innovation gepaart mit Konstanz prägt die Schulgeschichte. Hildegard Lüttecke ist die vierte Leiterin der Bildungseinrichtung; Vorgänger waren die Herren Winterscheid (bis 2008), Gorgels (bis 1989) und Groß (bis 1966). Gorgels ist es auch, der sich für die Stolberger Jugendmusikschule engagiert und bei ihrer Neukonzeption eine eigene Musikschule in der Grundschule sorgt.

„Vorreiter sind wir hier schon immer gewesen“, sagt Günter Winterscheid und plaudert als Zeitzeuge über vergangene Zeiten. 1990 verfügt die Schule über einen Etat von 1200 DM. Das reicht kaum für einen Jahresbedarf an Kreide, Schwämme, Lappen und Matrizen. Für die schulische und pädagogische Entwicklung aber ist dieses das Jahr einer weitreichenden Entscheidung: Der Förderverein gründet sich und feiert heuer sein 25. Jubiläum.

„Eine segensreiche Entscheidung“, erklärt Winterscheid. Mitte der 90er Jahre – leere Landeskassen, hohe Lehrerarbeitslosigkeit bei gleichzeitig großen Bedarf an den Schulen – gelingt es über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Lehrerin für 38 Wochenstunden Förderbedarf über den Zeitraum von zwei Jahren zu gewinnen. Träger der vom Arbeitsamt unterstützten Maßnahme ist der Förderverein.

1974 wird Gressenich als Ausbildungsschule anerkannt, 1979 wird der Unterrichtsbeginn von 8.35 Uhr auf 8 Uhr vorgezogen, 1986 folgt die Fünf-Tage-Woche und in den 90ern die feste Schulzeit von 8 bis 13 Uhr. Und damit wird ein erstes Betreuungsangebot erforderlich. Die Gressenicher nutzen das Pavillon, das eigentlich schon längst abgerissen sein sollte, und wieder ist es der Förderverein, der sich kümmert. Ebenso wie später bei dem Angebot 13plus, das eine Betreuung bis 16 Uhr ermöglicht.

Es folgt eine kontrovers geführte Diskussion über die Einführung der offenen Ganztagsbetreuung, erinnert Winterscheid und Axel Wirtz konstatiert, dass in diesen Monaten „Politik viel gelernt hat, sich gesellschaftlichen Veränderungen zu stellen“. Letztlich werden aus Skeptikern Befürworter. Und als 2003 die offene Ganztagsgrundschule Gressenich mit 46 Schülern in Betrieb geht, ist sie die erste in Stolberg und eine von sieben im alten Kreisgebiet. Schule und Betreuung profitieren voneinander, betont der frühere Schulleiter. Für den Ganztag finanzierte Medien und Mittel werden von der ganzen Schule genutzt. Der Förderverein macht‘s möglich.

„Nun liegt der Jahresetat weit über 100.000 Euro, und 50 Mitarbeiter werden beschäftigt“, sagt Winterscheid. Sieben Vorsitzende zählt der Förderverein in 25 Jahren. Aus seinen Reihen hat mittlerweile Astrid Schober die Koordination der Ganztagsbetreuung übernommen. Gressenich ist ein Vorreiter bei recht konstantem Personal. Die größte Fluktuation ist wohl noch dem Lehrkörper zu suchen. Sekretärinnen zählt die Schule seit 1973 – zuvor gab‘s keine – drei, bei den Hausmeistern sind‘s vier.

Dem aktuellen, Daniel Jussen, dankt Tim Grüttemeier besonders für sein Engagement. Der Bürgermeister, der ebenso wie Schuldezernent Robert Voigtsberger zu den Gratulanten zählt, hebt nicht nur den „beeindruckenden Wandel“ der Gressenicher Grundschule in ihrem 50-jährigen Bestehen hervor, sondern würdigt auch ihre „herausragende Rolle als fester Bestandteil“ des Dorflebens. „Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung“, sagt Grüttemeier. Peter Jussen und Jochen Emonds gratulieren für die Ratsfraktionen von SPD und CDU, während die gewinnenden Schlussworte von Pastor Norbert Bolz – selbst ein Urgressenicher – kommen.

Er hat einst den Bau der Grundschule ein wenig skeptisch gesehen. Denn immerhin lässt die Gemeinde sie dort errichten, wo bislang das liebste Spielgelände der Kinder im Dorf ist. Ebenso wie von den Vorrednern und den Vertretern der lokalen Geldinstitute überreicht auch Bolz einen Geld gefüllten Briefumschlag, was angesichts der Finanzlage in den Pfarren für ein wenig Schmunzeln bei den Gästen sorgt. „Das ist im Vorgriff auf die Sonderkollekte beim morgigen Pfarrfest in Gressenich“, lacht Pastor Bolz.

Und zum Abschluss singen die Schüler noch einmal „Ein Hoch auf uns“, bevor die Feierstunde nahtlos übergeht in ein vielfältiges und informatives Fest, bei dem auch „Schule früher und heute“ bestaunt werden kann.

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