Goethes „Faust“ im Burghof-Theater

Von: Dirk Müller
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Zu Beginn der „zweiten Faust-Rate“ entführt das Ensemble sein Publikum auf einen bunten Jahrmarkt, der einen Querschnitt der mittelalterlichen Stände-Gesellschaft zeigt. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Aufführung hat noch nicht begonnen, doch Mägde, Edelmänner, Bauern, Fräulein von Stand, Bürger und Bettler begrüßen bereits die Besucher des Burghof-Theaters. Im Hintergrund erklingt Musik, und die Gäste sind schon beim Eintreten in das kleine Theater Teil eines mittelalterlichen Jahrmarktes.

Unter den illustren Gestalten befindet sich auch der gelehrte Dr. Heinrich Faust. Kaum hat das Publikum die Plätze eingenommen, wird die Musik lauter, und die Inszenierung beginnt mit einem munteren Tanzreigen, in den das Ensemble wieder die Gäste mit einbindet und einige Besucher zum Tanze auffordert.

Nach dem Erfolg des Auftakts von „Faust auf Raten“ präsentiert das Burghof-Theater jetzt die Premiere der „zweiten Rate“ von Goethes „Faust“. Und führt das bedeutende Werk deutscher Literatur frisch und lebendig auf, stellt gekonnt unter Beweis, dass Goethes „Faust“ keineswegs angestaubt ist.

Unter der Regie von Karin Graf gelingt dem zwölfköpfigen Ensemble (siehe Infokasten) die niveauvolle Fortsetzung der Tragödie. Die Adaption widmet sich der großen Literaturvorlage mit gebührendem Respekt, vermittelt sie aber teilweise auch mit einem Augenzwinkern und streut humorvolle Komponenten ein. Bei einem Osterspaziergang erfreuen Faust und sein „Famulus“ Wagner sich sowohl an dem bunten Volksgewimmel, als auch an der aus dem Winterschlaf wieder erwachten Natur, denn der Gelehrte fühlt sich unter dem einfachen Volk nicht fremd.

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein“, gehört zu den zahlreichen Versen in Goethes „Faust“, die von der Literatur aus in den gelebten Sprachgebrauch und damit in den Bereich Allgemeinbildung übergegangen sind.

Dem Publikum werden in der Folge noch weitere solcher Beispiele begegnen. Etwa als Faust seine innerliche Zerrissenheit thematisiert und Wagner gegenüber erklärt: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“ Faust fällt bei dem Spaziergang ein schwarzer Pudel auf, den er als merkwürdig erachtet. Noch meint Wagner naiv: „Dem Hunde, wenn er gut erzogen, wird selbst ein weiser Mann gewogen“, doch später, in Fausts Studierzimmer offenbart sich „des Pudels Kern“.

In einer computeranimierten Projektion zeigt das Tier erste dämonische Züge, dann ertönt ein dreifacher Tusch, der das Publikum schmunzeln lässt, und der Pudel verwandelt sich in Mephistopheles. Die „zweite Rate“ von Goethes „Faust“ im Burghof-Theater endet schicksalsträchtig damit, dass Faust einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel schließt.

Die sehenswerte Inszenierung kann noch an sechs weiteren Aufführungstagen besucht werden (siehe Infokasten), und das Publikum darf sich schon jetzt auf die „dritte Rate“ im Burghof-Theater freuen, wenn es in „Auerbachs Keller“ geht.

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