Stolberg - Gnadenhof: Seit 20 Jahren Hilfe für Tiere

Gnadenhof: Seit 20 Jahren Hilfe für Tiere

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Frau und Ziegen: Nicole Kuhn ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Aachen, dem auch der Gnadenhof Stolberg angehört (oben). Alle Tiere, die einmal auf dem Gnadenhof Stolberg lebten, werden für alle Ewigkeit auf Herztafeln verewigt (unten links). Seit elf Jahren lebt Esel Joe auf dem Gnadenhof Stolberg; er ist der älteste Bewohner und vielleicht auch der störrischste (unten rechts). Foto: L. Beemelmanns
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Eine starke Mannschaft im Einsatz für die Tiere: Gila Kaulbach, Chelsea Smid, Norbert Timmermanns, Gitta Gleis, Daniela Bildstein, Bianca Feldmann, Nicole Kuhn und Willi Gleis (v. l. oben) und Melanie Weiß (unten).
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Frau und Ziegen: Nicole Kuhn ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Aachen, dem auch der Gnadenhof Stolberg angehört (oben). Alle Tiere, die einmal auf dem Gnadenhof Stolberg lebten, werden für alle Ewigkeit auf Herztafeln verewigt (unten links). Seit elf Jahren lebt Esel Joe auf dem Gnadenhof Stolberg; er ist der älteste Bewohner und vielleicht auch der störrischste (unten rechts). Foto: L. Beemelmanns
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Frau und Ziegen: Nicole Kuhn ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Aachen, dem auch der Gnadenhof Stolberg angehört (oben). Alle Tiere, die einmal auf dem Gnadenhof Stolberg lebten, werden für alle Ewigkeit auf Herztafeln verewigt (unten links). Seit elf Jahren lebt Esel Joe auf dem Gnadenhof Stolberg; er ist der älteste Bewohner und vielleicht auch der störrischste (unten rechts). Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Dass Joe bereits 30 Jahre auf dieser Welt leben darf, das hat er unter anderem dem Team zu verdanken, das gerade bei einem Becher Kaffee und ein paar belegten Broten bespricht, wie der heutige Tag verlaufen soll. Joe, ein kleiner Esel, hatte eigentlich ein Leben, das sich so ein Esel wohl wünschen würde, wenn er denn könnte.

Er verbrachte viele Jahre in guter Haltung – gemeinsam mit einem Pony, seinem liebsten Weggefährten. Als das jedoch starb, fiel Joe in tiefe Trauer, wenn man das bei einem Tier so sagen kann. Joe aß und trank jedenfalls nicht mehr. Sein Besitzer wusste sich nicht mehr zu helfen.

Dann kam das Team um Nicole Kuhn, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Aachen, ins Spiel. Sie holte den damals bereits 19-jährigen Esel auf den Gnadenhof Stolberg. Das war im Jahr 2004. In Gesellschaft von vielen Pferden, Ponys, Ziegen und Schweinen begann Joe wieder zu fressen und überwand seine Trauer. Seit elf Jahren lebt Joe nun auf dem Gelände an der Spinnereistraße.

Genau dort haben sich heute die beiden hauptamtlichen Pfleger Gitta und Willi Gleis, Nicole Kuhn und sechs ehrenamtliche Helfer getroffen. Draußen wird es immer kälter, der Boden matschiger, und für den Winter muss noch einiges vorbereitet werden. „Die Böden werden zu rutschig, wir müssen grobe Holzspäne bestellen und sie auslegen“, sagt Gitta Gleis.

Die Helfer besprechen sich, reden über die Tiere – und deren Wehwehchen. Gefüttert, gestreichelt und geputzt sind sie zu diesem Zeitpunkt längst. „Erst kommt das Tier, dann der Kaffee“, sagt Nicole Kuhn.

Joe ist der älteste Bewohner des Gnadenhofs und ein rüstiger, auf seine Art liebenswerter und lustiger Teil der tierischen Clique. Und die Geschichte von Joe ist nur eine von vielen. Jedes Tier hat seine eigene. Die meisten sind in letzter Minute dem Schlachter entkommen. Seit 20 Jahren gibt es den Gnadenhof in Stolberg.

Viele Tiere wurden dort liebevoll versorgt und aufgepäppelt und haben auf dem Gelände ihren Lebensabend verbringen dürfen. Und viele andere Tiere verbringen ihn heute noch dort. Vermittelt werden sie nicht mehr. Sie dürfen bleiben, sind angekommen.

Mit dem eigenen Wehwehchen

Seit diesen 20 Jahren kümmern sich Gitta und Willi Gleis um die Tiere. Täglich füttern sie sie, misten zweimal am Tag die Ställe aus, geben den betagten Bewohnern ihre Medikamente, striegeln die Tiere, bringen alles in Ordnung und sind ansonsten immer damit beschäftigt, etwas zu reparieren oder neu zu bauen.

Und sie müssen mit den teils „erschwerten Bedingungen“ klarkommen. Denn so ein neugieriges Schäfchen fordert auch täglich die gewohnte Ration Streicheleinheiten. Das alles klingt leichter als es ist. Schließlich hat jeder der betagten Bewohner sein eigenes Wehwehchen.

Da wäre der Sehnenschaden von „Herdenchef“ Gitano, einem Schimmel, die Arthrose von Schimmelstute Delana, oder die chronische Hufrehe der beiden Ponys Amigo und Pauli. Nicht jedes Tier darf alles fressen, und jedes Tier kriegt unterschiedliche Medikamente.

Aber „wir sind eine sehr gut funktionierende Mannschaft“, sagt Gitta Gleis. „Wie eine kleine Familie“, sagt Nicole Kuhn, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Aachen, zu dem auch der Gnadenhof Stolberg gehört.

Zu der kleinen Familie gehören neben den Tieren auch noch viele Ehrenamtler. Vor allem samstags sind immer rund acht freiwillige Helfer vor Ort und unterstützen die Gleisens bei ihrer Arbeit. „Wer das Herz am rechten Fleck hat, ist hier genau richtig“, sagt Kuhn.

Denn vom Fach seien längst nicht alle. Nicht jeder, der eine Katze oder einen Hund zu Hause habe, könne auch ein Pferd oder ein Schaf artgerecht betreuen. Da gehöre auch viel Erfahrung dazu.

„Pakt mit dem Teufel“

„Aber das kann man lernen“, sagt Kuhn. „Einen blauen Fleck muss man jedoch schon mal in Kauf nehmen, wenn eines der Schafe etwas will und man umgerammt wird“, sagt Gitta Gleis und lacht. Das sei so gut wie jedem schon mal passiert.

Nicht jedes Tier, das zum Gnadenhof gekommen ist, hat es so gut wie Esel Joe. Einige sind auch nach wenigen Wochen gestorben. „Oft sind die Tiere in einem wirklich schlechten Zustand, wenn sie hier ankommen“, sagt Gleis. Doch seit 2011 sei kein Tier mehr gestorben.

Und die gesamte Mannschaft hofft, dass das auch noch viele Jahre so bleibt. Für jedes Tier, das gestorben ist, wurde eine Herztafel an einem der kleinen Holzhäuschen, die auf dem Gelände stehen, aufgehängt. „Wer einmal hierher kommt, der bleibt für immer“, sagt Nicole Kuhn. So schön und idyllisch die Arbeit auf dem Gnadenhof auch klingen mag, so beschwerlich kann sie sein

„Man muss manchmal einen Pakt mit dem Teufel schließen“, sagt Nicole Kuhn. Die Tiere holt sie oft direkt von den Schlachtern, rettet sie in letzter Minute. „Und ein Schlachter gibt uns die Tiere nicht umsonst. Wir kaufen sie frei“, sagt sie. Und das wüssten die Schlachter ganz genau. Dementsprechend seien die Preise oft sehr hoch. Außerdem könne nicht jedes Tier gerettet werden.

Diejenigen, die es auf den Gnadenhof schaffen, danken es mit viel Lebensfreude. Denn Joe merkt man seine 30 Jahre überhaupt nicht an. Während die ehrenamtlichen Helfer ein Tor öffnen und zur Futterkrippe gehen, büxt der kleine Esel aus und bringt damit alle zum Lachen. „Das macht er öfter“, sagt Gitta Gleis, „immer in der Hoffnung, irgendwo etwas Leckeres zu finden“.

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