Stolberg - Gleichstellungsbeauftragte präsentiert neuen Frauenförderplan

Gleichstellungsbeauftragte präsentiert neuen Frauenförderplan

Von: Sarah-Lena Gombert
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Weil Frauen häufig weniger verdienen als ihre Ehemänner, sind es oftmals sie, die zu Hause bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern. Foto: imago
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Susanne Goldmann ist die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg. Foto: Hansen

Stolberg. Fairness bei der Besetzung von Stellen, das gezielte Fördern von Frauen in männertypischen Berufen und mehr Hilfe bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Das sind Ziele des Frauenförderplans der Stadtverwaltung Stolberg, der am Dienstag in der Sitzung des Personalausschusses vorgestellt und diskutiert wird.

Mehrere Jahre hat Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann unter anderem statistische Daten erhoben. Goldmann ist sich sicher: Auch die Bürger der Stadt profitieren von einer Verwaltung, in der die Frauen besser gefördert werden.

Ein Blick in die Beschäftigtenstruktur der Stadtverwaltung zeigt, dass es im Rathaus – zumindest statistisch – einen Unterschied macht, ob man als Frau oder Mann einer Arbeit nachgeht. Von den 736 Beschäftigten (Stand 2014) sind zwar insgesamt mehr Frauen: 419 gegenüber 316 Männern. Doch von den 142 städtischen Beamten sind nur 46 weiblich. Bei den tariflich beschäftigten Angestellten gibt es deutlich mehr Frauen als Männer. Daran ließe sich beispielsweise etwas ändern, wenn bei Neueinstellungen mehr Frauen zum Zuge kämen.

Die kleinen Unterschiede

Doch häufig gibt es schon bei den Bewerbungsgesprächen kleine, aber feine Unterschiede: „Es ist ein generelles Phänomen, dass Verantwortung für die Familie einer Frau anders ausgelegt wird als einem Mann“, sagt Susanne Goldmann im Gespräch mit unserer Zeitung, und bezieht sich damit nicht nur auf die Stadtverwaltung. Sogenannte „social skills“, die beispielsweise in Kindererziehungszeiten erworben wurden, würden Frauen oft als defizitäres Kriterium ausgelegt, Männern nicht. Das bedeutet im Klartext: Einem Mann würden Frau und Kinder bei Einstellungsgesprächen häufig positiv ausgelegt: „Der Mann mit Kindern gilt als Familienernährer, das sehen Arbeitgeber gerne.“ Bei Frauen hingegen würde oft unterstellt, dass sie, wenn sie Kinder haben, nicht genug Zeit für die Arbeit hätten.

„Besonders deutlich wird es, wenn man sich die Verteilung von Sitzen in Gremien der Stadt ansieht“, berichtet Susanne Goldmann. So ist die Stadtverwaltung in insgesamt 26 Gesellschafterversammlungen, Aufsichtsräten und ähnlichem von wirtschaftlichen Unternehmen und anderen Organisationen vertreten. Und nur in zwei von diesen Gremien vertreten Frauen die Interessen der Stadt. Ähnlich sieht es bei Führungspositionen in der Stadtverwaltung aus.

„Wir haben in unserer Verwaltung viele Frauen, die gerne mehr machen würden“, sagt Susanne Goldmann. Teilweise seien sie als stellvertretende Amtsleitungen schon mit Führungsaufgaben in Berührung gekommen. Genau diese Frauen gelte es gezielt zu fördern, „beispielsweise durch ganz bewusstes gutes Zureden durch den Vorgesetzten“, schlägt die Gleichstellungsbeauftragte vor.

Teilzeit zur Frauenförderung

Eine weitere Möglichkeit, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, sieht Goldmann darin, auch bei solchen Stellen Teilzeitmodelle anzubieten. „Es ist in meinen Augen nicht zwingend, dass Führungspositionen in Vollzeit besetzt. Bei dieser Forderung handle es sich keinesfalls um Willkür, sondern vielmehr gehe es um die Umsetzung von nordrhein-westfälischen Landesgesetzen: „Das Landesgleichstellungsgesetz fordert Verwaltungen ganz explizit dazu auf, der Unterrepräsentanz von Frauen entgegenzuwirken“, sagt Susanne Goldmann.

Auch die sogenannten männertypischen Berufe hat Susanne Goldmann ins Visier genommen. „In Bereichen wie beispielsweise Feuerwehr oder dem technischen Betriebshof ist die Anzahl von Frauen besonders gering“, sagt sie. Auch hier könne die Verwaltung in ihren Augen mehr tun: „Wenn sich beispielsweise unter den Bewerbern für eine Stelle zu wenige Frauen befinden, dann muss man über eine erneute Ausschreibung nachdenken“, erklärt Goldmann. Auch könnten Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung so gestaltet werden, dass sich mehr Frauen angesprochen fühlen. „Bilder haben eine unglaublich große Wirkung“, sagt sie.

Auch umgekehrt wird für Susanne Goldmann ein Schuh draus: „Wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir beispielsweise den Beruf des Sekretärs für Männer attraktiver machen können.“ Auch arbeite die Stadt bereits daran, die Anzahl an männlichen Erziehern in den Kindertagesstätten zu erhöhen. Das ist bislang vor allem weiblich besetztes Terrain. Das Argument, dass Frauen oft gar nicht in Führungspositionen wollen, lässt Susanne Goldmann nicht wirklich gelten: „Man muss stattdessen offen darüber sprechen, warum das so ist“, sagt sie. Zum Beispiel stünden Paare mit einem Kind oft vor der Frage, wer zur Kinderbetreuung zu Hause bleibt. „Oftmals ist das die Frau, auch schon deshalb, weil sie weniger verdient als ihr Ehemann.“

Den Frauenförderplan erstellt die Gleichstellungsbeauftragte mit dem primären Ziel, innerhalb der Stadtverwaltung eine Gleichberechtigung der Geschlechter zu erwirken. „Das hat aber auch durchaus Wirkungen nach außen“, wie Susanne Goldmann erklärt.

Gleichstellung mit Außenwirkung

So könne beispielsweise eine Mitarbeiterin, die im Bürgerservice tätig ist, besser auf die Belange der Bürger eingehen, wenn sie weniger von der Doppelbelastung von Beruf und Familie gestresst sei, nennt Goldmann als Beispiel. Eine weitere Strahlkraft nach außen hätte in den Augen von Susanne Goldmann die Einstellung von mehr Frauen mit Behinderung in der Verwaltung: „Diese Frauen könnten ein guter Anknüpfungspunkt für die vielen Menschen mit Behinderung in unserer Stadt sein, die bislang relativ im Stillen leben.“

Ebenfalls auf der erweiterten Wunschliste der Gleichstellungsbeauftragten: einen bei der Stadt fest angestellten Dolmetscher. „Es gibt sehr viele Frauen mit Migrationshintergrund in Stolberg, die in Behördenfragen auf die Hilfe von Ehrenamtlern angewiesen sind.“ Selbst wenn diese Frauen Deutschkurse absolvieren, bereiten in Amtsdeutsch formulierte Dokumente vielen noch große Schwierigkeiten. „Hier könnte ein fest engagierter Dolmetscher Abhilfe schaffen.“ Der Frauenförderplan der Stadt arbeitet zwar mit statistisch erhobenen Daten aus den Jahren 2012 bis 2014. Der Geltungszeitraum umfasst jedoch das kommende Jahr. In dieser Zeit ist er von allen anzuwenden, die im Beschäftigungsverhältnis mit der Stadtverwaltung stehen. „Den Plan werden wir in Zukunft natürlich weiter fortschreiben“, erklärt Susanne Goldmann.

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