Gleich zweimal Leben geschenkt

Von: Sigi Malinowski
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Glückliche Mutter und Lebensr
Glückliche Mutter und Lebensretterin: Es dürfte wohl noch ein paar Jahre dauern, bis Natascha Hüdepohl ihrem Sohn Julian mal davon erzählen wird, wie sie einen jungen Fußballer ins Leben zurückholte. Foto: Malinowski

Alsdorf/Stolberg. Im Operationssaal gibt es keine Aufgeregtheiten. Auch nicht in lebensbedrohlichen Situationen. Das mag in Ärzteserien wie „Greys Anatomy” so sein. Aber nicht in der Realität. Natascha Hüdepohl kennt den Arbeitsablauf im OP.

Tagtäglich assistiert sie dort, teilt ein, macht ihren Job als OTA, als Operationstechnische Assistentin. Ihr Fleiß in Kombination mit dem Wissen haben ihr die Leitungsposition eingebracht. Der Mut und die Übersicht sowie die Berufserfahrung der 30-Jährigen haben einem anderen Menschen das Leben erhalten. Weil die junge Mutter in einer außergewöhnlichen Situation die Ruhe behielt.

Wenn Natascha Hüdepohl über den 18. September erzählt, geschieht das langsam. Sie sitzt am Tisch, lässt ab und zu mal den Blick wandern und konzentriert sich auf einen Punkt. Kein Gestikulieren, keine hektischen Luftzeichnungen. Man kann in dem Moment quasi fühlen, wie die gebürtige Eilendorferin ihr Handeln kontrollierte.

Natascha Hüdepohl schildert, wie sie im Beecker Waldstadion mit ihrem Mann Helmut und dem fünf Monate alten Söhnchen Julian sitzt. Sie erklärt auch, warum. „Mein Mann ist Schiedsrichterbeobachter und hat es gern, wenn wir zu den Spielen mitkommen.” Für den 23-jährigen Fußballer Konstantinos David ist das wenig später lebensrettend. Das Punktspiel zwischen dem FC Wegberg-Beeck und Davids Verein FC Hürth läuft knappe 15 Minuten, da bricht der ehemalige Aachener Alemanne ohne erkennbaren Grund zusammen.

Natascha Hüdepohl denkt (noch) nicht an Schlimmes. „Zuerst nahm ich an, er ist mit einem anderen Spieler zusammengerasselt.” Beim hektischen Winken nach Betreuung des jungen Mannes wird die Wahl-Alsdorferin mit jeder Sekunde aufmerksamer. Sie spürt, hier stimmt was nicht. „Ich habe meinem Mann unser Kind in die Hand gedrückt und bin hingelaufen”, spurtete die Mitarbeiterin des Stolberger Bethlehem-Krankenhauses sofort auf den Platz.

Ein ebenfalls aktivierter Physiotherapeut hatte den kollabierten Spieler schon in Seitenlage gebracht. Er hat die Zunge im Hals, stellten beide fest und bemerkten, dass kein Puls mehr da war. Natascha Hüdepohl arbeitete nun im Stile einer Ärztin, bis der Defibrilliator und Rettungswagen sowie Notarzt kamen. Sie pumpte, reanimierte. „Irgendwann war wieder ein Herzschlag da”, stellt sie erleichtert fest und „übergibt” den jungen Fußballer an die eingetroffenen Rettungskräfte.

„Wenn jetzt alles soweit in Ordnung ist kann ich ja wieder zu meiner Familie”, verabschiedet sie sich. Natürlich bleibt Natascha Hüdepohl auf dem laufenden. „Ich war so froh, als ich hörte, dass er auf dem Weg zum Erkelenzer Krankenhaus seine Freundin und seinen Vater wieder wahrgenommen hat.” Bei aller „Coolness” ist für sie die Geschichte noch nicht beendet. „Ich war abends hundemüde und hatte am nächsten Tag einen fetten Muskelkater”, schmunzelt die Ehefrau des Polizisten Helmut Hüdepohl.

Später flattert im Eigenheim der Hüdepohls in Alsdorf-Wilhelmschacht ein Einschreiben ein. Absender: Konstantinos David mit einem herzlich formulierten Dankschreiben. „Er wollte sichergehen, dass es auch ankommt”, schaut Natascha Hüdepohl auch auf einen Riesen-Blumenstrauß, den beide Vereine an die Lebensretterin neben weiteren Geschenken überreicht haben.

Der Strauß auf dem Küchentisch hat etwas Symbolisches, er ist auch eine gute Woche nach der Ehrung im Waldstadion ganz frisch. „Wir sind wahnsinnig stolz auf unsere Tochter”, sagt Julians Oma Ira Krefeld. Und hört wie ihre Tochter davon erzählt, dass „wir zu Konstantinos weiteren Kontakt halten”. Er ist optimistisch, „vielleicht wieder Fußball spielen zu können”. Dank Natascha Hüdepohl, die innerhalb von sechs Monaten zweimal Leben geschenkt hat . . .
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