„Glatte Frechheit“: IG Metall demonstriert in Stolberg

Von: Ottmar Hansen
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Helmut Wirtz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall (links), forderte die Arbeitgeber in Stolberg auf, der Belegschaft in den Betrieben eine kräftige Lohnerhöhung auszuzahlen. Foto: O. Hansen

Stolberg/Eschweiler. Im aktuellen Tarifstreit bestehen die Mitglieder der IG Metall auf einer Lohnerhöhung von 5,5, Prozent. Dies machten rund 100 Metaller am Dienstag auf einer Kundgebung in Stolberg am Mühlener Markt deutlich. Die Arbeitnehmer waren zuvor in einem Autokorso von der Festhalle in Weisweiler und dem Vichter Landhaus in das Stolberger Zentrum gezogen.

„Seit Ende der Friedenspflicht haben sich bundesweit bereits 500.000 Metaller an den Warnstreiks beteiligt“, begrüßte der 1. Bevollmächtigte, Helmut Wirtz, die aufgebrachten Arbeitnehmer in Stolberg. Die IG Metall ist in die aktuellen Gehaltsverhandlungen „nur“ mit der Forderung um eine Erhöhung des Arbeitnehmer-Entgelts um 5,5 Prozent gezogen. Eine generelle Übernahme der Auszubildenden spielt, im Gegensatz zur letzten Tarifrunde, in diesem Jahr keine Rolle.

Von Arbeitgeberseite wurde bislang eine Erhöhung um 2,3 Prozent vorgeschlagen. „Doch selbst das ist eine Mogelpackung“, rechnete Helmut Wirtz in Stolberg vor. Im Mai und Juni werde es nach dem Vorschlag der Unternehmer nämlich zunächst einmal keine Erhöhung der Löhne geben. Wirtz: „Übrig bleibt eine Mogelpackung über 13 Monate.“ Rechne man das Angebot der Arbeitgeber einmal konkret nach, bleibe eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1,9 Prozent übrig. Dieser Betrag liege noch unter der Inflationsrate. Wirtz: „Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den Arbeitnehmern!“

Werde es jetzt nicht zu einer kurzfristigen Einigung zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten bezüglich einer fairen Lohnerhöhung kommen, gebe es nur noch die Urabstimmung. Wirtz unter dem Beifall mit Trillerpfeifen und Fahnen: „Weitere Verhandlungen sind dann überflüssig. Dann bleiben nur noch Streiks!“

Natürlich gebe es auch in Stolberg und Eschweiler Unternehmen, denen es derzeit nicht besonders gut gehe. Nicht zuletzt KME und Leoni Kerpen. Die dortigen Probleme hätten aber nichts mit den Lohnkosten zu tun. Da gehe es in der Regel eher um „strukturelle Dinge“. Aber in der Region gebe es auch 40 Unternehmen, die bestens liefen, so der Gewerkschafter. Und diese sollten durchaus mit einer Gehaltserhöhung helfen, dass ihre Beschäftigten ihre steigenden Lebenshaltungskosten bestritten bekommen.

Auch der 2. Bevollmächtigte der IG Metall, Ralf Radmacher, hält die Forderung der Gewerkschaft nicht für überzogen: „Viele Kollegen haben lange verzichten müssen. Eine angemessene Erhöhung ihres Einkommens helfe ihnen dabei, ihr tägliches Leben bestreiten zu können.

Helmut Wirtz gab am Dienstag die Losung aus: „Ich hoffe, dass wir uns nicht in den kommenden 14 Tagen zu Generalstreiks wieder sehen müssen, sondern dass es noch kurzfristig zu einer Einigung mit den Arbeitgebern kommt.“ Zwischenzeitlich könnte es zunächst in Baden-Württemberg oder Bayern zu einem Pilotabschluss kommen, der dann auch für Nordrhein-Westfalen übernommen werden könnte.

Ralf Bruns, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Metall- und Elektroindustrie Aachen, teilte Dienstag mit: „Die Warnstreiks sind völlig unnötig, diese machen den Tarifabschluss nicht besser. Die IG Metall sollte Bewegung am Verhandlungstisch zeigen und nicht auf der Straße.“ Man habe bei den Gesprächen zahlreiche Lösungsoptionen diskutiert.

Wesentliche wirtschaftliche Rahmendaten sowie die Stimmung in der M+E-Branche hätten sich zuletzt verschlechtert, diese Entwicklung könne die IG Metall nicht ignorieren. Auf jeden Fall wolle man sich schnell einigen, um Firmen und Arbeitnehmern Planungssicherheit zu geben. „Die Gewerkschaft muss diese konjunkturelle Entwicklung akzeptieren und von ihrer überhöhten Forderung abrücken“, so Bruns.

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