Glanzzeiten des „Photohauses” sind passé

Von: dö
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Stolberg. Momentaufnahme aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts: Während draußen die Straßenbahn vorbeirumpelt und Rotdornbäume ihre volle Pracht entfaltet haben, schiebt in seinem Atelier der Fotograf Hubert Lütters die Vorhänge zurück.

Er regelt damit den Lichteinfall, den er für eine Porträtaufnahme benötigt. Ein Haus weiter oberhalb steckt währenddessen der Sattler Josef Flink ein Stück Rindsleder in die Schneidemaschine, um aus der gegerbten Haut einen Triebriemen für die Stolberger Metallwerke herzustellen.

Einer anderen Beschäftigung geht im Haus Rathausstraße 37 der Metzger Theodor Schüller nach. Mit einem großen Messer zerteilt er eine Schweinehälfte, um daraus Koteletts anfertigen zu können.

So oder so ähnlich verlief einst das Leben, als in der Häuserzeile Rathausstraße 31 - 37 mehrere kleine Handwerksbetriebe ansässig waren, die ihre Produkte in den angeschlossenen Läden verkauften.

Mittendrin, in einem schmalen hohen Gebäude, lag der Betrieb von Hubert Lütters. Der Fotografenmeister hatte das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gebaute Haus in den 20er Jahren erworben. Vorbesitzerin war Bertha Steinfels, bei der der aus Monschau stammende Lütters seine Lehre absolviert hatte.

Hubert Lütters war ein gefragter Fotograf. Viele noch heute vorhandene, aus der Vorkriegszeit stammende Aufnahmen, hat er erstellt.

Nach Lütters ging das vom Historismus geprägte Haus 1954 in den Besitz von Franz Stebesmehl über. Dessen Tochter Margit Oelsner betrieb in dem alten Gebäude bis 1995 eine Kunsthandlung.

Danach wurde das Objekt Rathausstraße 35 als Pizzeria genutzt. Derzeit steht das Haus leer und macht einen vernachlässigten Eindruck.

Farbe blättert ab, und im Erdgeschoss ist die Schaufensterfront mit Plakaten zugeklebt, die von Veranstaltungen künden, die zum Teil schon 2007 stattgefunden haben.

Seine Glanzzeiten hat das Gebäude in den 30er Jahren erlebt. Damals beherbergte das alte Haus in der ersten Etage ein rundum verglastes Fotoatelier, das Lütters ermöglichte, beim Fotografieren Tageslicht zu nutzen und den Einsatz von Blitzlicht überflüssig zu machen.

Neben der Herstellung von Landschafts-, Gebäude- und Porträtaufnahmen betrieb Hubert Lütters einen eigenen Postkartenverlag und fertigte in seiner Werkstatt Bilderrahmen an. Besonders aufwändig war die Frontseite des alten Hauses gestaltet.

Im zweiten Obergeschoss befand sich ein großer, bogenförmiger Schriftzug, der - wie ein altes im Stadtarchiv vorhandenes Bild beweist - unübersehbar verkündete, wer in dem Haus das Sagen hatte. Inzwischen ist die Pracht längst vergangen. Nur der aufwändige Stuck erinnert an bessere Zeiten.
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