Giftköder: Wenn Hackbällchen zur Gefahr werden

Von: Katharina Menne
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Alexandra Quint ist bei Spaziergängen mit ihren beiden Retrievern Smilla (l.) und Angus vorsichtiger geworden und meidet Gebiete, vor denen bei Facebook gewarnt wird. Hündin Kimba ist 2010 vermutlich an den Spätfolgen einer Vergiftung gestorben. Foto: K. Menne

Stolberg. „Warnung an alle Hundebesitzer: An der Waldschänke Breinigerberg und Schlangenberg sind Giftköder ausgelegt. Ein Hund ist schon gestorben. Was müssen das für Hundehasser sein, die einem Tier solche Qualen zufügen: Bitte teilen!“ Immer wieder kursieren solche Schreckensnachrichten in den Sozialen Medien.

In speziellen Facebook-Gruppen wie „Giftköder Alarm in der Region Aachen & Umgebung“ warnen sich Hundehalter gegenseitig vor Giftfallen oder anderen gefährlichen Gegenständen, die – einmal verschluckt – ihren geliebten Vierbeinern zum Verhängnis werden können.

Und die Meldungen häufen sich. Rund einmal pro Woche posten Gruppenmitglieder dort Warnungen oder sogar Fotos von mit Rasierklingen gespickten Fleischbällchen oder mit Rattengift verseuchter Fleischwurst.

Opfer von Rattengift

Alexandra Quint weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, um das Leben des geliebten Hundes zu bangen. „Es waren vermutlich die schlimmsten zwei Stunden meines Lebens“, sagt die 43-jährige Stolbergerin rückblickend. Ihre Labrador-Hündin Kimba wurde vor etwa zehn Jahren Opfer von Rattengift. „Sie hatte die Augen weit aufgerissen, hat Blut erbrochen und am ganzen Körper gezittert“, erzählt Quint mit Schaudern.

Gesehen hatte sie den Köder damals nicht. Doch der Tierarzt habe zweifelsfrei feststellen können, dass die Hündin Rattengift aufgenommen hatte. Nur durch ihre schnelle Reaktion und den direkten Gang zum Tierarzt konnte dieser das Leben von Kimba vorerst retten.

Vorerst, denn schon vier Jahre später starb die erst siebenjährige Hündin an akutem Nierenversagen. Eine Spätfolge, vermutet Quint. „In dem Alter sterben Hunde normalerweise nicht an Nierenversagen“, sagt sie. Und schließlich stünden gerade die Nieren in direktem Zusammenhang mit dem körpereigenen Entgiftungsprozess.

Wer aber macht so etwas? „Ich habe manchmal das Gefühl, dass Anfeindungen gegen Hunde und Hundebesitzer zugenommen haben“, sagt Quint. Das sei zumindest ihre Beobachtung bei Spaziergängen und in den Sozialen Netzwerken.

Ob das auch tatsächlich so ist, ist allerdings nur schwer festzustellen. Dem Polizeisprecher Paul Kemen sind zumindest keine aktuellen Vergiftungsfälle in der Region bekannt. „Es gibt einfach keine verlässlichen Statistiken dazu“, sagt er. Denn nur wenige Fälle würden tatsächlich zur Anzeige gebracht oder überhaupt der Polizei gemeldet. Das aber ist Voraussetzung dafür, dass die Polizei überhaupt aktiv werden kann.

Quint jedenfalls trat vor etwa zwei Jahren der Facebook-Gruppe bei – um sich zu informieren, wie sie sagt. Denn nachvollziehen, ob es sich um echte oder falsche Meldungen handelt, könne man leider selten. Manches sei vielleicht unnötige Panikmache. „Aber es führt auf jeden Fall dazu, dass man das entsprechende Gebiet eine Weile meidet – einfach als Vorsichtsmaßnah­me.“ Erst etwa zwei bis drei Wochen später traue sie sich dann wieder dorthin.

Am besten: Hunde anleinen

Zur Vorsicht rät auch die Stolberger Tierärztin Martina Schullenberg. „Am besten lässt man Hunde gar nicht erst frei herumlaufen“, sagt sie. „Dann können die auch nicht im Gebüsch umherschnüffeln und gefährliche Gegenstände aufnehmen.“

Im akuten Vergiftungsfall rät sie dazu, immer zuerst beim Tierarzt anzurufen und abzuklären, was zu tun ist. Im Zweifel solle man aber direkt zur Tierklinik nach Aachen-Brand fahren, da kleine Praxen oft gar nicht gut genug ausgestattet wären. „Vergiftungen sind Intensivfälle. Dafür ist die Klinik zuständig“, sagt sie.

Was aber ist zu tun, wenn man als Spaziergänger einen verdächtigen Fleischhappen findet? Grundsätzlich ist es sowohl Tierärzten als auch der Polizei möglich, Proben zur Analyse einzuschicken. Da die Kosten beim Tierarzt jedoch vom Finder übernommen werden müssen, sei immer die Polizei vorzuziehen, so Schullenberg. Am wichtigsten aber sei es, den potenziellen Köder mitzunehmen und zu entsorgen – dann kann ihn zumindest kein Hund mehr fressen.

Eine andere Vorsorgemaßnahme können sogenannte Giftköderseminare sein. Dabei wird den Hunden der „Abbruch“ beigebracht, also das gezielt befohlene Ausspucken eines aufgenommenen Gegenstands, oder das Tauschmanöver „Beute gegen Leckerchen“. Alexandra Quint jedoch, selbst ehrenamtliche Hundetrainerin, ist eher skeptisch, ob solche Taktiken wirkungsvoll sind. „Es kommt sehr auf den Hund an, ob er mitspielt“, sagt sie. Bei Retrievern, wie sie welche hat, sei es eher utopisch, dass das funktioniert.

Was aber funktioniert, ist, die Augen offen zu halten und sich gegenseitig zu warnen, wie es die Facebook-Gruppe tut. Ob die eingangs zitierte Meldung allerdings der Wahrheit entspricht und tatsächlich ein Hund durch Giftköder am Schlangenberg zu Schaden kam, war während der Recherche nicht herauszufinden. Weder der Polizei noch den Stolberger Tierärzten liegen entsprechende Fakten vor.

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